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| 14:55 Uhr

Energies Aufstieg in die 3. Liga
Festtagsstimmung im Stadion und in der Stadt

Nach dem Aufstieg feierten die Fans am Abend auf dem Cottbuser Altmarkt weiter.
Nach dem Aufstieg feierten die Fans am Abend auf dem Cottbuser Altmarkt weiter. FOTO: Daniel Friedrich
Cottbus. Tag der Entscheidung - was am Sonntag in Cottbus so los war. Von den RUNDSCHAU-Reportern

10.58 Uhr Der Fan-Marsch aus der Cottbuser Innenstadt setzt sich in Bewegung. Laut Verein haben sich rund 2000 Fans auf dem Altmarkt und in der Spremberger Straße versammelt, um gemeinsam zum Stadion zu laufen und fröhlich zu singen. Sogar Energie-Spieler mischen sich unter die Fans, zum Beispiel Maximilian Zimmer, José Matuwila oder André Startsev.

12.03 Uhr Rund um das Stadion treffen aus allen Ecken Energie-Anhänger ein, ein Massenauflauf wie zu Bundesliga-Zeiten, als es noch gegen Bayern München ging. Das Treiben lässt sich auch FCE-Kapitän Marc Stein nicht entgehen, der gegen 12 Uhr am Haupteingang des Stadions gelassener Beobachter ist, während die anderen Spieler wie Fabio Viteritti oder Avdo Spahic mit einem entspannten Lächeln auf dem Parkplatz im Stadion eintreffen.

12.33 Uhr Auch Torsten Mattuschka will an diesem besonderen Tag dabei sein, wenn sein ehemaliger Verein die Rückkehr in die 3. Liga feiert. Am Stadion trifft auch Alexander Meyer ein, der ehemalige Energie-Torhüter, der zu Beginn dieser Saison noch fünf Spiele für Cottbus absolviert hatte und jetzt beim VfB Stuttgart unter Vertrag steht. Schon beim Hinspiel in Flensburg hat Meyer auf der Tribüne die Daumen gedrückt. „Ich hab meinen Urlaub extra so gelegt, dass ich die Spiele live erleben und die Truppe unterstützen kann.“

Die Nordwand im Stadion der Freundschaft ist schon richtig gut gefüllt. Die ersten Spieler machen sich warm und die Fans singen „Ihr seid unsere Helden, werdet zu Legenden!“ Gänsehaut-Stimmung.

12.48 Uhr Ein großer Teil der 20 000 Zuschauer ist längst im Stadion, es ist schon richtig laut. „Wahnsinn“, sagt Leonardo Bittencourt. Der ehemalige Energie-Spieler, dessen Frau Saskia aus Cottbus stammt, nutzt die Saisonpause in der Bundesliga, um seinem Ex-Verein vor Ort die Daumen zu drücken. „Für den Verein, die Stadt, die Region wäre es super, wenn sie wieder hoch können.“ Er ist überzeugt, „dass die Mannschaft von Pele das heute reißt“. Sein Tipp: „3:0.“

13.00 Uhr: Jörg Tommach ist Ordner auf dem Parkplatz an der Alten Chemiefabrik, gegenüber des Stadions. Eine Stunde vor Anpfiff hat er bereits 350 Autos auf seinem Platz zu stehen, etwa ein Viertel der Plätze sind noch frei. „Das liegt daran, dass der Platz etwas schwer zu finden ist. Viele, die von auswärts kommen, haben sich vorher schon woanders einen Parkplatz gesucht“, meint er. Das Tagesticket kostet drei Euro.

13.09 Uhr Auch Energie-Ehrenpräsident Dieter Krein hat „ein sehr gutes Gefühl“. Er erinnert sich angesichts der Kulisse und die Bedeutung des Spiels an den Zweitliga-Aufstieg 1997 und kämpft mit seinem Emotionen. „Da kriege ich gleich Gänsehaut, mein Herz schlägt richtig hoch.“

13.10 Uhr: Am Stadtring warten Max von Stachelski (26) und Sven Reifke (51) auf ihre Freunde. Die beiden sind aus Stendal angereist. Sie drücken heute dem Flensburger Spieler Marvin Kleihs die Daumen. „Ich habe zusammen mit Marvin in der Jugend Fußball gespielt und seitdem sind wir befreundet“, erzählt Max von Stachelski. Er hofft, dass der Flensburger-Leihspieler bald ein gutes Angebot erhält. „Und natürlich würde ich mich als Ossi für Energie freuen, wenn sie es heute packen“, fügt er hinzu.

Der Hamburger Thomas Bergmann (l.) verkaufte mit seinem Kollegen Jürgen Löge (2.v.l.) am Stadtring vor dem Stadion der Freundschaft. Mario Schiller und Thomas Richter (r.) nehmen das Angebot gern an.
Der Hamburger Thomas Bergmann (l.) verkaufte mit seinem Kollegen Jürgen Löge (2.v.l.) am Stadtring vor dem Stadion der Freundschaft. Mario Schiller und Thomas Richter (r.) nehmen das Angebot gern an. FOTO: Daniel Friedrich

13.20 Uhr: „Letzte Tankstelle vor der Autobahn“, ruft Thomas Bergmann gutgelaunt den Fans am Stadtring vor dem Stadion der Freundschaft zu. Der Hamburger ist Reisegewerbetreibender und verkauft heute zusammen mit seinem Kollegen Jürgen Löge gekühltes Dosenbier, Selters und Apfelschorle. „Wir haben auch schon in Kiel gestanden. Dort haben uns die Energiefans angesprochen und zu sich nach Cottbus eingeladen“, berichtet Thomas Bergmann. Aus einer Kiste in seinem Wagen holt er eines von 200 weißen T-Shirts heraus. Es ist bereits mit „Aufstieg 2018“ und „3. Liga Cottbus“ bedruckt. „Die verkaufen wir nachher – hoffentlich“, lacht der Hanseat.

13:25 Uhr: Schon jetzt säumen unzählige leere Bierflaschen und Blechbüchsen die Straßen und Wege um das Stadion. Für so manchen Pfandpiraten ein lohnendes Geschäft…

13.30 Uhr Aufregung am Cottbuser Stadtring unweit des Stadions. Eine herrenlose Reisetasche am Rand der Gartenstraße hat den Verkehr zum Erliegen gebracht. Einsatzkräfte der Polizei haben den Bereich wegen des Verdachts auf Sprengstoff gestoppt. Nachdem ein Spürhund nicht angeschlagen und den Verdacht eines explosiven Inhaltes damit fast ausgeschlossen hat, ist ein Polizist zur Tat geschritten. Die persönliche Kontrolle ergab: Die Tasche war leer. Die Verkehrsader ist wieder frei.

13.35 Uhr: Vier Diensthunde sind im und am Stadion im Einsatz. Sie sollen im Notfall eingreifen können und die aufgeheizte Stimmung beruhigen. „Vor denen sollte man Respekt haben. Bisher ist aber alles ruhig geblieben. Hoffen wir, dass es so bleibt“, zieht der Hundeführer der Sicherheitsfirma OSD ein erstes Fazit.

13.37 Uhr: Die Parkeisenbahn fährt an der Haltestelle „Stadion“ ein und bringt noch einige rot-weiße Energiefans mit.

13.45 Uhr: Fanbetreuer Thomas Lange kümmert sich um eine Fangruppe aus Berlin mit zwei Rollstühlen. Offenbar hat es Abstimmungsprobleme gegeben, es fehlen zwei Eintrittskarten. „Wir klären das an der Kasse, da wird es sicher eine Lösung geben“, zeigt er sich optimistisch. Kurze Zeit später kommt die Gruppe freudestrahlend zurück zum Sondereingang: „Wir haben die Karten jetzt.“ Mit dem Fahrstuhl geht es eine Etage nach unten, damit die Fans ebenerdig und direkt am Feldrand das Spiel beobachten können.

13.50 Uhr: Rene Deptalla schließt seinen Getränkewagen vor dem Westeingang. „Das war ein sehr gutes Geschäft heute“, sagt er. Immerhin kämen nicht jede Woche 20 000 Fans ins Stadion. 22 weitere Getränkeausgaben betreibt seine Firma Schlodder im Stadion, an denen nun Getränke ausgeschenkt werden. Für den einzigen Wagen außerhalb der Stadionmauern ist jetzt schon Feierabend – und aufräumen angesagt.

13.55 Uhr: Noch hat das Spiel nicht begonnen und schon quellen die Mülleimer rund ums Stadion über.

In den Minuten vor dem Anpfiff: Das Stadion ist rappelvoll. Als die Cottbuser Mannschaft den Rasen betritt, stehen auch die Sitzplatzkarten-Inhaber wild klatschend auf. Stadionsprecher Benjamin Hantschke brüllt ins Mikro: „Wir wollen jetzt mehr!“ Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz klopft sich vor der Nordwand auf die Brust. Eine überragende Choreografie erfüllt das Rund.

14.00 Uhr: An den Stadionkassen war heute nicht viel Betrieb. Die Mitarbeiter hatten nur vereinzelt einige Verwirrungen zu lösen und Fans den richtigen Eingang zu weisen. Mit dem Anpfiff um 14 Uhr schließen sie nach einem bislang entspannten Arbeitstag ihre Kassen.

14.25 Uhr: Bier senkt in geringen Dosen die Nervosität. Deshalb steht das kühle Blonde beim Turmspringen und Sportschießen sogar auf der Dopingliste. Beim Fan im heimischen Fußball-Stadion indes bringt das Warten auf das Bier – vor allem an der Osttribüne – das Blut in Wallung. Hier wird durstig vortrefflich gemeckert. Denn die Schlange wird länger und länger.

14.27 Uhr: Die erste Halbzeit läuft noch, aber die Blase drückt schon. Befürchtungen auf dem Männerklo unter der Westtribüne: „Die haben Angst.“ Doch der Mutmacher kommt vom Pissoir nebenan: „Quatsch, das wird schon. Die sind vorsichtig, aber sie wissen, was sie können.“

14.30 Uhr: Ulf, Silke, Stefan, Jadon und Gordon sind extra aus Dresden nach Cottbus gereist – und das, obwohl sie keine Eintrittskarten hatten. Zu schnell waren die Tickets im Internet verkauft. Nun liegen die fünf im Eliaspark, nur wenige Meter neben dem Stadion, und lauschen zumindest der Atmosphäre. Über den Livestream auf ihrem Tablet verfolgen sie mit ein paar Minuten Verspätung, was sich hinter den Stadiontoren gerade abspielt. „Wir hoffen, dass wir nachher noch ins Stadion zum Feiern rein dürfen“, sagt Ulf.

14.40 Uhr: In großen Beuteln tragen die Cottbuser Petra und Andreas außerhalb des Stadions leere Bierflaschen weg. „Wir sind fleißige Sammler. An Tagen wie diesen kommen da einige Euros für uns zusammen“, sagt Andreas und hat im Handumdrehen den nächsten Beutel mit Flaschen gefüllt.

14.55 Uhr: Ein wenig abseits des Trubels, in einer Parknische hinterm Stadion, steht Otto Nissen neben seinem silbernen Bus. Er ist Fahrer der Flensburger Mannschaft. „Unser Bus wurde vorhin von der Polizei empfangen und hierher hinters Stadion geschleust. Das war super“, lobt er die Organisation. Und auch von den Zuschauern ist er beeindruckt: „Dass 20 000 Leute zu einem quasi Drittligaspiel kommen, ist der Wahnsinn.“ Allerdings hat er nun Probleme, an eine Bratwurst oder einen Kaffee zu kommen. Die muss ihm ein Ordner holen. „Das könnte verbessert werden“ sagt er. Nach dem Spiel wird es für die Flensburger direkt wieder in die Heimat gehen, unabhängig vom Spielausgang – so ist zumindest der Plan. Aber falls die Norddeutschen gewinnen sollten, „dürfen sie ruhig auch im Bus feiern. Dann bleibe ich wenigstens wach.“

15.05 Uhr: Durchsage von Stadionsprecher Benjamin Hantschke in der Pause: „Leute, trinkt mehr Wasser!“ Er berichtet davon, dass in der Turnhalle neben dem Stadion schon viele Menschen mit Kreislaufproblemen behandelt werden müssen. Kein Wunder, bei dieser Schwüle im Stadion – und bei dieser Spannung.

15.30 Uhr: Die erste inoffizielle Bratwurstschätzung: Die Dame hinter der Theke hat bereits 600 Bratwürste vor dem Spiel verkauft. Weitere 400 könnten es noch werden, meint sie. „Und das, obwohl es so warm und eigentlich mehr Eiswetter ist.“ René Ulrich vom Caterer Schlodder schätzt, dass rund ums Stadion heute gut 15 000 Essensportionen über die Theke gegangen sein werden. „Alles war gut vorbereitet, die Bierfässer kaltgestellt und genügend da“, ist er zufrieden.

15.35 Uhr: Ein kleiner Brand im Tribünenbereich hat einige Feuerwehrmänner ausrücken lassen. Vermutlich habe sich eine Zigarettenkippe im trockenen Laub entzündet, heißt es von den Einsatzkräften. Ansonsten habe es bislang viele Fälle von Kreislaufproblemen gegeben. Teils hatten die Retter Probleme, hinterherzukommen.

15.55 Uhr: Ordnerin S. Kuhla ist kurz vorm Schlusspfiff zufrieden mit der Arbeit. „Alles ist ruhig geblieben, wir haben gut kontrolliert und öffnen jetzt die Tore, dass die Fans gleich nach draußen strömen können.“

16.00 Uhr: Energie Cottbus ist zurück in der 3. Liga! Ein 0:0 im Rückspiel gegen Flensburg reicht. Trainer Claus-Dieter Wollitz springt noch schnell laut jubelnd seinem Kapitän Marc Stein in die Arme, bevor gefühlte 20 000 Fans den Rasen stürmen, um ganz nah dran zu sein an ihren Lieblingen. FCE-Präsident Michael Wahlich hatten den „Platzsturm“ ausdrücklich erlaubt und gebeten, dass Stadion inklusive Rasen nicht auseinander zu nehmen.

16.45 Uhr: An der Fankneipe „Rote Karte“ steht ein junger Lübbenauer. Er musste das Spiel vor dem Stadion verbringen, hatte offenbar eine gefälschte Karte gekauft. „Bei der Kartenkontrolle sagten mir die Ordner, dass der Code bereits eingescannt wurde.“ Nun habe er Anzeige bei der Polizei erstattet. Ärgerlicher als das Geld, das nun weg ist, ist für ihn, dass er seinen Lieblingsverein nicht aus nächster Nähe anfeuern konnte.

18.15 Uhr: Immer noch strömen hunderte Zuschauer aus dem Stadion. Sie singen und feiern ihre Mannschaft. Im Eliaspark treffen sich einzelne Gruppen, zünden Bengalische Feuer und Blitzknaller. Teile des Parks sind in weißen Nebel gehüllt.

Fünf Dresdner erlebten im Cottbuser Eliaspark das Aufstiegsspiel von Energie.
Fünf Dresdner erlebten im Cottbuser Eliaspark das Aufstiegsspiel von Energie. FOTO: Daniel Friedrich
Nach dem Spiel brachten zwei Hamburger die passenden T-Shirts an den Energie-Fan.
Nach dem Spiel brachten zwei Hamburger die passenden T-Shirts an den Energie-Fan. FOTO: Daniel Friedrich