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| 05:55 Uhr

Energie Cottbus hat weiter große Finanzprobleme
Rettungsplan nach dem Retterspiel

 WM-Held Mario Götze trat mit gebrochener Nase in Cottbus an. Das Fußballfest gegen den BVB war für Energie stimmungsvoll und lukrativ zugleich.
WM-Held Mario Götze trat mit gebrochener Nase in Cottbus an. Das Fußballfest gegen den BVB war für Energie stimmungsvoll und lukrativ zugleich. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Das Retterspiel gegen Borussia Dortmund ist für Energie der dritte Lottogewinn innerhalb eines Sommers. Doch Spielraum für Verstärkungen gibt es kaum, die finanzielle Lage macht Sorgen. Der Trainer hat einen Rettungsplan. Von Jan Lehmann und Frank Noack

Es war ein Abend für das Lausitzer Fußballherz  – und für den Geldbeutel von Energie Cottbus. Knapp 19 000 Zuschauer hatten für den stimmungsvollen wie lukrativen Rahmen beim „Retterspiel“ zwischen dem FCE und Borussia Dortmund am Freitag gesorgt. Das lockere 5:0 des Champions-League-Teams war unterhaltsam – das Auftreten der Stars um Mario Götze und Mats Hummels sehr angenehm. „Deutscher Meister wird nur der BVB“ und „Ohne Kohle keine Energie“ hatten derweil die FCE-Fans gesungen. Damit vollführten sie den Schulterschluss zwischen den Clubs beider Kohlereviere und machten gleichzeitig deutlich, woran es bei Energie Cottbus derzeit hapert: Die Kohle fehlt.

Das ist bekannt, wenngleich auch etwas verwunderlich. Schließlich war das Spiel gegen Dortmund für den FCE so etwas wie ein Sechser im Lotto. Der BVB verzichtete auf alle Einnahmen und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke begründete: „Mir hat das einfach unfassbar leidgetan, als Energie mit 45 Punkten abgestiegen ist. Ich dachte: ,Das gibt es doch gar nicht, wegen eines blöden Tores steigst du ab.‘“ Er berichtete: „Ich habe ja seit den Zeiten von Uli Lepsch als Präsident noch einen guten Draht. Und da haben wir gesagt: ,Wir machen das.‘“

Der FCE nimmt eine beträchtliche Summe aus dieser Partie ein, und verbucht damit den dritten Lottogewinn in diesem Sommer: Das ausverkaufte DFB-Pokalspiel gegen den FC Bayern und das gelungene Benefizfestival von Sänger Alexander Knappe – dazu noch die bereits 8500 verkauften Tickets für das fiktive Spiel „gegen die fußballerische Bedeutungslosigkeit“ und die Einnahmen aus den Transfers von Avdo Spahic (Kaiserslautern) und Leon Schneider (Köln) sowie Maximilian Philipp (von Dortmund nach Moskau) als Zusatzzahlen – so viele Sondereinkünfte hatte wohl kaum ein Viertligist in letzter Zeit.

Umso bedrohlicher erscheint die Lage beim FCE, in die Trainer Claus-Dieter Wollitz nach dem fröhlichen Fußballfest einen Einblick gibt. Er berichtet, dass er weiterhin auf der Suche nach einem Sechser fürs defensive Mittelfeld sei. Doch finanzieller Spielraum sei trotz der Mehreinnahmen kaum vorhanden, so Wollitz. Er betont: „Du brauchst erfahrene Spieler auf der Platte, um mit dem Druck und den Erwartungen umzugehen. Aber Spieler mit Erfahrung kosten Geld.“ Er verhandelt nun mit vertragslosen Akteuren, und prüft, ob sie in das Cottbuser Gehaltsgefüge passen. Doch das Korsett ist sehr eng, Wollitz sagt offen: „Die Mannschaft ist günstiger als die vor drei Jahren in der Regionalliga.“ Dabei sei sogar die Planstelle für den gesuchten Mittelfeldmann mit eingerechnet, so der Trainer. Er offenbart damit, wie schlecht es um die Finanzen des Vereins steht. Das war zuletzt ja schon deutlich geworden, als Präsident Werner Fahle erklärt hatte: „Wir sind nahe daran, den Haushalt finanziert zu bekommen.“

Da stellt sich natürlich die Frage: Was passiert kommende Saison, in der Energie nicht von erneuten Lottogewinnen der Kategorie Bayern oder Dortmund ausgehen kann?

Ohne Kohle reicht die Energie dann vielleicht nicht mal mehr für das Flutlicht im Stadion der Freundschaft. Und so bereitet der Abend gegen Dortmund den Energie-Fans im Nachhinein auch Herzschmerzen. Denn solche Fußballfeste wie gegen den BVB könnte es angesichts der unklaren Finanzlage in Zukunft noch sehr viel seltener geben. Trainer Wollitz sagt: „Die Menschen lechzen nach Profi-Fußball. Tristesse in der Regionalliga wird auf Dauer nicht funktionieren. Aber um aus der Regionalliga rauszukommen, brauchen wir Volumen, um die Mannschaft stabil zu machen.“ Die derzeitigen finanziellen Möglichkeiten geben das aber nicht her.

Wollitz formuliert daher den Wunsch nach einem großangelegten Rettungsplan für den FCE. Er fordert: „Wir müssen zusammenhalten und die Persönlichkeiten dieser Stadt an einen Tisch bringen, um diesen Club nach vorne zu bringen.“ Sollte das angesichts der vielen Verwerfungen innerhalb und im Umfeld des Vereins tatsächlich gelingen – es wäre wohl mehr als ein Sechser im Lotto für Energie Cottbus.

 Trainer Wollitz gab einen Einblick in die enge Finanzlage beim FCE.
Trainer Wollitz gab einen Einblick in die enge Finanzlage beim FCE. FOTO: Steffen Beyer

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