ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 19:38 Uhr

Fussball
FCE rotiert zum Eklat-Pokalsieg

Der eingewechselte Kevin Weidlich (r.) bejubelt seinen entscheidenden Treffer zum 1:0-Sieg.
Der eingewechselte Kevin Weidlich (r.) bejubelt seinen entscheidenden Treffer zum 1:0-Sieg. FOTO: Matthias Koch
Babelsberg. Energie Cottbus gewinnt das brisante Endspiel beim SV Babelsberg trotz zahlreicher Umstellungen mit 1:0 (0:0). Von Frank Noack und Jan Lehmann

Auf dem Weg in den hohen Norden hat Energie Cottbus am Pfingstmontag auch den Landespokalsieg eingesackt und ist damit bestens gerüstet für die beiden Aufstiegsspiele gegen Weiche Flensburg. Das Hinspiel findet am Donnerstag in Kiel statt (Beginn um 19 Uhr).

Dass der FCE seinen mittlerweile achten Landespokal trotz zahlreicher Umstellungen in der Startelf keineswegs auf die leichte Schulter nahm, zeigte sich bei den Emotionen am Ende dieses hitzigen 1:0 (0:0)-Erfolgs gegen den Regionalliga-Rivalen SV Babelsberg: Kapitän Marc Stein ballte die Faust, als die letzte Babelsberger Chance abgewehrt war. Nach dem Schlusspfiff stürmte die Mannschaft zu den Fans und feierte den verdienten Erfolg. Auch der überglückliche Präsident Michael Wahlich reckte vor der Fankurve die Hände in den Babelsberger Abendhimmel.

Vor den 9012 Zuschauern im Karl-Liebknecht-Stadion erzielte Kevin Weidlich in der 85. Minute das Tor des Tages, nachdem Marcelo zuvor den Pfosten getroffen hatte.

Überschattet wurde der Pokalsieg allerdings durch einen von Babelsberger Chaoten provozierten Eklat bei der Siegehrung: Als Energie den Pokal überreicht bekommen sollte, flogen Raketen auf den Rasen und auch in Richtung des Gästefanblocks. Die Mannschaft verließ daraufhin den Rasen und ging in die Kabine – ohne Pokal. Das gute Stück soll nun am 27. Mai beim Aufstiegs-Rückspiel in Cottbus übergeben werden.

Es war das erwartet brisante Spiel – auf dem Rasen und auch auf den Rängen. Der Kiez rund um das Karl-Liebknecht-Stadion wurde bereits ab Montagmittag zur Festung. Großräumige Absperrungen brachten das öffentliche Leben praktisch zum Erliegen. Nach den Ausschreitungen beim Regionalliga-Duell der beiden Brandenburger Erzrivalen im April 2017 hatten die Behörden dieses Finale zum Hochsicherheitsspiel erklärt. 500 Polizisten waren im Einsatz, dazu kamen etwa 220 Ordner.

Energie sorgte mit einer mächtigen Rotation im Kader für eine Übwerraschung. Mit Tim Kruse und Maximilian Zimmer waren zwei Stammspieler der zurückliegenden Regionalliga-Saison diesmal auf der Tribüne. Kevin Weidlich, Fabio Viteritti und Torjäger Streli Mamba saßen zunächst auf der Bank. Trainer Claus-Dieter Wollitz nahm also doch Rücksicht auf die bevorstehenden Aufstiegsspiele gegen Flensburg. Der frisch gebackene Nordmeister holte sich am Pfingstmontag den Pokalsieg mit einem 3:0-Sieg gegen den Sechstligisten Husumer SV.

Dass Energie Cottbus die Regionalliga-Saison mit 89 Punkten beendet und auch die beiden Duelle gegen Babelsberg gewonnen hatte, spielte spätestens mit dem Anpfiff keine Rolle mehr. Es ging wie erwartet sehr emotional zu auf dem Rasen. Schiedsrichter Jan Seidel hatte alle Hände voll zu tun und musste die Gemüter immer wieder beruhigen, weil sich fast alle Zweikämpfe hart an der Grenze des Erlaubten bewegten. Mitte der ersten Halbzeit sahen Marcelo und Torhüter Avdo Spahic innerhalb weniger Sekunden die gelbe Karte. Genau wie Spahic musste auch Babelsbergs Keeper Marvin Gladrow zwar bis zur Pause in viele knifflige Zweikämpfe – wirkliche Torchanen waren bis zur Pause aber Mangelware.

In der 66. Minute hatte Marcelo bei einem Freistoß die erste richtige Möglichkeit für die Gäste. Sein Ball ging knapp am Pfosten vorbei. In der 79. Minute schoss dann das Adrenalin auf beiden Seiten nach oben, als der Ellenbogen von Lukas Wilton im Gesicht des eingewechselten Kevin Weidlich landete. Mit Gelb kam Wilton glimpflich davon. Die Strafe von Weidlich folgte aber auf dem Fuße: Denn kurz danach erzielte er das Tor des Tages in diesem hitzigen Finale.

Hitzig ging es auch in den Fanblocks zu. Im Energie-Block war zunächst ein Banner der Facebook-Gruppierung „Energie-Fans gegen Nazis“ zu sehen. Augenzeugen zufolge wurde das Banner aber kurz danach durch andere Cottbuser Fans wieder heruntergerissen. Zu den Tiefpunkten des Endspiels auf den Rängen zählte das Abbrennen von reichlich Pyrotechnik im Babelsberger Block kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit, als Vermummte auf den Zaun kletterten und ihre Fackeln in die Höhe halten durften, ohne dass Ordner dagegen vorgingen. Die Energie-Anhänger reagierten besonnen und ertrugen auch die dichten Rauschschwaden. Sie skandierten einfach nur: „Fußball.“ Und darum geht es ja schließlich.

Die Stimmen zum Spiel: „Dieser Sieg gehört den Fans