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Fußball
Energie gewinnt mit Geduld und Zucker

Energie-Profi Kevin Weidlich (l.) erzielte das 1:0 beim ungefährdeten Erfolg gegen Neugersdorf.
Energie-Profi Kevin Weidlich (l.) erzielte das 1:0 beim ungefährdeten Erfolg gegen Neugersdorf. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Energie Cottbus gelingt gegen Neugersdorf der 14. Sieg im 16. Spiel. Der Regionalliga-Spitzenreiter lässt sich dabei auch nicht vom destruktiven Gegner aus der Oberlausitz die Rosinen aus dem Adventsstollen picken.

Auf dem Fußballplatz ist es manchmal wie in der Weihnachtsbäckerei, wenn der traditionelle Stollen fürs Fest zubereitet wird. Da kann man die besten Zutaten auf dem Blech oder eben auf dem Platz haben – ohne Geduld geht gar nix. So erlebte es der FC Energie am Sonntag vor 4128 Zuschauern im Cottbuser Stadion der Freundschaft gegen den FC Oberlausitz, als erst durch die Tore von Kevin Weidlich (63.) und Rückkehrer Streli Mamba (74.) der 14. Sieg im 16. Saisonspiel klar gemacht wurde.

Dabei hatten die Cottbuser mit einem spielstarken Maximilian Zimmer, einem passgenauen Marcelo oder einem agilen Fabio Viteritti genügend hochwertige Zutaten auf dem Platz, um das Spiel schon in den ersten Minuten zu entscheiden. Taten sie aber nicht. Zwar fand die Partie ziemlich rasenschonend fast ausschließlich in der Hälfte der überforderten Gäste statt. Doch Angreifer Gabriel Boakye oder eben Viteritti vergaben die ersten Möglichkeiten, auch weil die Cottbuser dabei etwas zu verspielt wirkten.

Die bemerkenswerten Kombinationen sahen teilweise so aus, als ob die Cottbuser pünktlich zum ersten Advent das Führungstor mit besonders viel Puderzucker versehen wollten. Das gehörte aber offenbar zum geheimen Familienrezept, das Trainer Claus-Dieter Wollitz vorher in der Mannschaftskabine verteilt hatte. Der Coach jedenfalls lobte sein Team, dass es sich an dem schwer einzuschätzenden Gegner aus der Oberlausitz nicht die Finger verbrannt hat: „Heute sind wir sehr zufrieden, weil wir sehr geduldig gespielt haben und keine Torchance zugelassen haben. Ein Riesenkompliment an die Mannschaft, dass sie diesen Matchplan so umgesetzt hat“, betonte der Cheftrainer.

Keine Frage: Energie ließ bei dem Vorweihnachtskick nichts anbrennen. Der äußerst destruktive Gegner machte aber auch gar nicht erst den Anschein, dem Spitzenreiter die Rosinen aus der Stolle picken zu wollen. Neugersdorfs Coach Manfred Weidner gab zu: „Wir sind zum Krösus der Liga gekommen. Energie hat alle Heimspiele gewonnen, wir erst ein Auswärtsspiel. Da wollten  wir stabil stehen und auf unsere Konterchance warten.“

Doch die kam nicht, stattdessen dezimierten sich die Gäste selbst. Der bereits verwarnte Brasilianer Pedro Bellini Fagan, der im Jahr 2015 noch für den Niederlausitzer Landesliga-Vertreter SG Burg gespielt hatte, musste nach einem Foulspiel an Lasse Schlüter mit Gelb-Rot (58.) vom Platz. Für Gäste-Coach Weider war das die Vorentscheidung. Er befand: „Die gelb-rote Karte war der Türöffner für Cottbus. Und mit dem 1:0 war das Spiel gelaufen.“

Diesen Treffer erzielte Kevin Weidlich in der 63. Minute  – übrigens mit nur wenig Puderzucker. Die Flanke von links konnte er noch nicht verwerten, doch Marcelos Eingabe von rechts landete dann noch einmal vor seinen Füßen.Weidlich stocherte den Ball am bis dahin tadellosen Neugersdorfer Schlussmann David Pokorny ins Tor. Sein ausgelassener Jubel mit Ball unterm Trikot und Schnuller-Daumen im Mund deutete an: Bei den Weidlichs liegt womöglich in diesem Jahr zum Fest ein kleines Christkind in der Wiege.

Für die Energie-Fans gab es am Sonntag derweil mit der vorzeitigen Rückkehr von Publikumsliebling Streli Mamba ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk. Eigentlich hatte man bei Energie befürchtet, dass der Torjäger in diesem Jahr nicht mehr auf den Platz zurückkehren würde. Doch Mamba kam – und traf zum 2:0 (74.). Die perfekte Vorbereitung von Maximilian Zimmer war zwar schon das schmackhafte Zitronat für diesen Treffer, doch Mamba stand halt genau dort, wo er im wollitzschen Rezept hingehört: direkt am Backofen.

Für die Cottbuser geht mit dem ungefährdeten Erfolg eine zuckersüße Siegesserie weiter. Neun Spiele in Folge haben sie in der heimischen Küche im Stadion der Freundschaft nicht auch nur einen Krümel an Punkten abgegeben. Fabio Viteritti erklärte: „Diese Serie macht uns stolz.“ Und wir haben noch genügend Kraft.“

Die kommenden FCE-Gegner VSG Altglienicke (Mittwoch, 19 Uhr) und TSG Neustrelitz (Samstag, 13.30 Uhr) sollten sich also besser darauf einstellen, von den Cottbusern in den beiden letzten Spielen des Jahres ordentlich durchgeknetet zu werden.