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| 17:50 Uhr

Bayern München gegen Energie Cottbus in der Bundesliga
Das Duell: Als Piplica Kahn nicht sehen wollte

 Tomislav Piplica von Energie Cottbus zeigt Bayern-Torhüter Oliver Kahn den gelben Rücken.
Tomislav Piplica von Energie Cottbus zeigt Bayern-Torhüter Oliver Kahn den gelben Rücken. FOTO: picture-alliance / dpa/dpaweb / Matthias_Schrader
Cottbus. Das Elfmeter-Duell zwischen Energie-Cottbus-Torhüter Tomislav Piplica und Oliver Kahn von Bayern München sorgte im Februar 2002 für Diskussionen in der Fußball-Bundesliga. Piplica kassierte damals zwar sechs Gegentore, gewann aber zumindest die 90. Minute. Von Frank Noack

Es gibt gleich mehrere Aufnahmen von Tomislav Piplica, die jeder Fan von Energie Cottbus wohl ein Leben lang vor Augen ­haben wird, wenn er an den verwegenen Kulttorhüter aus den guten, alten Lausitzer Bundesliga-Zeiten denkt. Zum Beispiel, wie sich Piplica mit gestreckten Beinen wagemutig den Gegenspielern in den Weg wirft. Oder wie er sich mit seinen langen  Haaren und Stirnband an der Torlatte festklammert und ins weite ­Stadionrund schaut.

Na klar, wer es mit dem inzwischen 50-jährigen Bosnier nicht ganz so wohlwollend meint, wird natürlich auch sein berühmtes ­Hinterkopf-Tor gegen Borussia Mönchengladbach aus der Kiste der Erinnerungen hervorkramen.

Kahn war richtig sauer

Und dann gibt es da noch dieses eine, auf den ersten Blick völlig verrückte Bild aus dem Auswärts­spiel bei Bayern München am 23. Februar 2002. Bayern-Torhüter Oliver Kahn war nach vorn geeilt und wartete darauf, endlich den Elf­meter für den deutschen Rekordmeister schießen zu können. Konnte er aber zunächst nicht, denn Piplica stand mit dem Rücken zum Elf­meterpunkt. Statt auf den Ball blickte er direkt in die hinter dem Tor postierten ­Kameras der Foto­grafen, während der ­große „Titan“ Kahn ­warten musste. „Er war danach richtig ­sauer“, sagte Piplica später über diese Szene.

Der Elfmeter von Kahn und das Rücken-zum-Ball-Bild von Piplica sorgten damals für mächtig Wirbel in der Fußball-Bundesliga. Dabei wollte Ex-Nationaltorhüter Oliver Kahn doch eigentlich nur eines: endlich sein erstes Tor schießen. Und an diesem 23. Februar 2002 schien der passende Moment dafür gekommen zu sein. Bayern München führte im heimischen Olympiastadion bereits mit 6:0 gegen Energie Cottbus. Bei den Gästen hatten Janos Matyus und Laurentiu Reghecampf jeweils nach einer Notbremse die Rote Karte gesehen, als die 90. Minute anbrach und Schiedsrichter Florian Meyer auf den Elfmeterpunkt zeigte.

 Oliver Kahn wollte endlich sein erstes Bundesliga-Tor schießen. Und scheiterte in der 90. Minute an Piplica.
Oliver Kahn wollte endlich sein erstes Bundesliga-Tor schießen. Und scheiterte in der 90. Minute an Piplica. FOTO: picture-alliance / dpa/dpaweb / Matthias_Schrader

Elfmeter der Respektlosigkeit

Dass Oliver Kahn ausgerechnet in diesem längst ent­schiedenen Spiel erstmals in seiner Karriere ­einen Elfmeter schießen wollte, wertete so mancher Beobachter als  ­Respektlosigkeit gegenüber dem längst bezwungenen Kontrahenten aus der Lausitz. Immerhin ­hatte selbst der damalige Bayern-Coach Ottmar Hitzfeld öffentlich die Elfmeter-Qualitäten seines im Tor stehenden Kapitäns angezweifelt. „Wenn es unentschieden steht, weiß ich nicht, ob ich den Mut dazu ­hätte, ihn schießen zu lassen“, erklärte Hitzfeld mit Bezug auf den dringenden Wunsch von Kahn, endlich mal ein Tor zu schießen.

Energie Cottbus gegen Bayern München FOTO: Bernd Wende

Möglicherweise hat sich Tomislav Piplica genau an jene Worte er­innert, als er an diesem Samstagnachmittag in München dem Schützen einfach den Rücken seines knallgelben Torwarttrikots mit der legendären ­Rückennummer 23 zuwendet. Piplica schaut stoisch in Richtung Kameras statt auf den Ball. Selbst Oliver Kahn muss über das ungewöhnliche Verhalten seines Torwart-Kollegen schmunzeln. Die Hände in die Hüften gestemmt, schaut sich der „Titan“, an der Strafraumgrenze stehend, die skurrile Szene an und wartet und wartet, dass er endlich schießen kann. Und Piplica? Er schaut einfach ­weiter nach hinten und lässt Kahn weiter warten. In Sachen ­Respektlosigkeit steht es jetzt mindestens 1:1. „Das schien ihn zu verwirren“, erzählt ­Piplica später in einem Interview über diese Szene. Zumal die Ver­wirrung ihre Wirkung bei der Ausführung des Elfmeters nicht verfehlt: Kahn läuft an, Pi­plica hebt ab – und lenkt den Ball an den Pfosten. Also wieder kein Tor für Kahn.

Kahn und Piplica können jetzt über Szene lachen

Ob der Bayern-Keeper vor allem darüber sauer ist oder über das Verhalten von Piplica, lässt sich im Nachhinein nicht mehr so genau ­rekonstruieren. Vermutlich ist es eine Ärger-Mischung, die Kahn trotz des Münchner 6:0-Sieges  gegen Energie Cottbus an diesem Tag mit nach Hause nimmt. Bayern gewinnt zwar deutlich, aber Piplica siegt in der 90. Minute. Erst viel später gibt es das versöhnende Gespräch zwischen den beiden Kulttorhütern und die Aufarbeitung der beiderseitigen ­Respektlosigkeiten. Inzwischen können sowohl Kahn als auch Piplica, der inzwischen als Torwart-Trainer bei Regionalligist Wacker Nordhausen arbeitet, über die Szene lachen.

Einen noch härteren Kontrahenten hatte Oliver Kahn übrigens beim 3:0-Sieg der Bayern in Cottbus in der Saison 2001/02: die Eicheln im ­Stadion der Freundschaft. Die Früchte der altehrwürdigen ­Eichenbäume auf der Ostseite des Stadions wurden von einigen FCE-­Anhängern in diesem Spiel nämlich immer wieder als Wurfgeschoss in Richtung der Bayern-Profis, zum Beispiel Willy Sagnol oder Michael Tarnat, missbraucht. „Ich verstehe diese Doofköppe nicht“, wettert Kahn nach dem Schlusspfiff. Auch Linienrichter Josef Webers wird von einer Eichel am Kopf getroffen.

Für  den damaligen FCE-Präsidenten Dieter Krein steht danach fest: „Die Eichen müssen weg! Weg, alle. Runter! Die werden alle abgesägt.“ Schiedsrichter Jürgen Aust vermerkte die Vorfälle übrigens als Kastanienwürfe im Spielprotokoll.

Vor dem DFB-Pokalduell zwischen ­Energie Cottbus und Bayern München am Montag blickt die RUNDSCHAU ­jeden Tag auf ­denkwürdige Spiele ­zwischen beiden Clubs zurück.
Lesen Sie morgen: Warum Sänger ­Alexander Knappe sich im Stadion der Freundschaft über Nacht auf der Toilette eingeschlossen hat.

 Erst Jahre später konnten die beiden Kultkeeper über den Elfmeter lachen.
Erst Jahre später konnten die beiden Kultkeeper über den Elfmeter lachen. FOTO: picture-alliance/ dpa / Marcus Brandt