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| 17:09 Uhr

Energie Cottbus fehlt noch die Stabilität (mit VIDEO)
Großes Kino – aber noch nicht große Klasse

 Tolle Treffer, ärgerliche Patzer: Last-Minute-Torschütze Berkan Taz und sein Team bieten den FCE-Fans derzeit das komplette Regionalliga-Repertoire.
Tolle Treffer, ärgerliche Patzer: Last-Minute-Torschütze Berkan Taz und sein Team bieten den FCE-Fans derzeit das komplette Regionalliga-Repertoire. FOTO: Matthias Koch
Cottbus. Energie Cottbus liefert in der Regionalliga spektakuläre Partien ab. Für den großen Angriff auf die Spitze reicht das zwar noch nicht. Doch der Trainer erkennt eine Entwicklung. Von Jan Lehmann

Was für ein Drama, was für ein Treffer! Für neutrale Freunde des Fußballsports dürfte Energie Cottbus in diesen Tagen ein echter Geheimtipp sein – für die mitfiebernden Fans des FCE dagegen wohl eher eine anstrengende Nervenprobe. Da, wo der FCE in der Regionalliga Nordost antritt, ist jedenfalls immer etwas los. Das 2:2 (1:1) am Freitagabend beim Berliner AK war ein temporeiches und äußerst wechselhaftes Fußballspiel, bei dem beide Teams phasenweise entweder glänzten oder patzten – und letztlich FCE-Profi Berkan Taz mit seinem Traumtor in der zweiten Minute der Nachspielzeit der perfekte Abschluss gelang.

Spektakulär schmetterte die Leihgabe von Union Berlin den Ball aus mehr als 25 Metern rechts oben in den Torwinkel – und der FC Energie brachte diesen Treffer am Wochenende via „Twitter“ gleich mal für die ARD-Wahl zum „Tor des Monats“ ins Gespräch. Ob mit oder ohne TV-Ehrung, Taz war mit diesem perfekten Schuss genauso Sinnbild für den FCE wie der Cottbuser Schlussmann Lennart Moser. Der hatte sich in der 55. Minute eine abgerutschte Flanke von BAK-Spieler Niklas Brandt quasi selbst ins Tor gelegt, über den Pfosten und den Rücken des Keepers landete der Ball im Netz.

Tolle Tore und ärgerliche Patzer, Energie Cottbus hat derzeit alles im Regionalliga-Repertoire – und steht deshalb mit sieben Punkten Rückstand zu Tabellenführer Hertha BSC II noch nicht unbedingt da, wo viele FCE-Fans ihren Club so gern sehen würden.

Energie ist noch nicht ganz große Klasse, liefert aber zumindest wie zuletzt beim späten Sieg gegen Meuselwitz und nun dem Last-Minute-Knaller von Berkan Taz oft großes Kino. Dabei war Taz am Freitag sicherlich nicht der überragende Akteur und Torhüter Moser trotz seines Fehlers angesichts starker Paraden gegen BAK-Torjäger Abu Bakarr Kargbo keineswegs der Schwachpunkt im Team.

Vielmehr ist der FCE insgesamt noch zu wacklig, um die geplante Aufholjagd in der Regionalliga noch konsequenter voranzutreiben. Trainer Claus-Dieter Wollitz erklärte: „Wir sehen Phasen im Spiel, wo es schon richtig gut ist. Und wir sehen Phasen im Spiel, wo bei dem einen oder anderen der Kopf unten ist.“ Sein Zwischenfazit nach einem Viertel der Saison: „Ich glaube, dass wir insgesamt etwas stabiler geworden sind, ohne dass es ausreicht, um so ein Spiel zu gewinnen.“ Tatsächlich hatte Energie einige Spielabschnitte, in denen der Ball über Abwehr-Organisator Robert Müller und Mittelfeld-Ballverteiler Niclas Erlbeck gut zirkulierte. Doch immer dann, wenn der BAK ein Lücke in den Cottbuser Ketten fand, wurde es zu schnell chaotisch. Dass dabei so kuriose Szenen wie der Doppel-Pfosten-Torlinien-Roller von BAK-Verteidiger Marcus Mlynikowski (42.) entstanden, passte zu diesem wilden Spiel im Poststadion. Der neue Berliner Trainer Dirk Kunert ärgerte sich: „Wir hatten so viele Chancen, das Spiel für uns zu entscheiden. Damit wären wir an Cottbus vorbei gewesen und hätten ein Zeichen gesetzt.“

Das Zeichen indes gab es aus der Lausitz: Mit vier Spielen ohne Niederlage in Folge deutete der FCE an, dass weiter mit ihm zu rechnen ist. Trainer Wollitz betonte: „Wir hatten jetzt gegen Hertha, Lok Leipzig, Viktoria und Berliner AK alles Auswärtsspiele gegen diese Topteams. Von daher ist nicht alles schlecht – aber es ist auch noch nicht so, wie es sein könnte.“

Die Entwicklung soll weiter gehen – und auch die Aufholjagd in der Regionalliga. FCE-Youngster Tobias Eisenhuth, dessen Vertragsverlängerung am Samstag eine echte Positivmeldung war, glaubt: „Wenn wir weiter arbeiten und uns verbessern, dann kann das klappen.“  Dem FCE kommt es dabei entgegen, dass sich noch immer kein alleiniger Favorit herauskristallisiert hat. Zwar konnten mit Hertha II, Nordhausen und Altglienicke am Wochenende drei Topteams gewinnen. Doch Energie befindet sich in Lauerstellung. Trainer Wollitz befand am Freitag: „Die Liga ist insgesamt ausgeglichener, von daher war es sehr wichtig, hier glücklich einen Punkt mitzunehmen. Es bleibt spannend.“ Die Nerven der Energie-Fans bleiben also gespannt und die neutralen Fußballliebhaber können sich auf die nächsten spektakulären Spiele freuen.

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