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| 17:27 Uhr

Fußball
Drei Probespieler – drei Fragezeichen

Dimitar Rangelov (r.) ist seit drei Wochen im Probetraining bei Energie. Ist Trainer Wollitz bereit, für ihn das System umzustellen?
Dimitar Rangelov (r.) ist seit drei Wochen im Probetraining bei Energie. Ist Trainer Wollitz bereit, für ihn das System umzustellen? FOTO: Torsten Schneider
Cottbus. Energie Cottbus testet drei Probespieler – und nimmt sich Zeit. Trainer Wollitz will keinen Fehler machen und nicht das Teamgefüge gefährden. Er muss drei Fragen beantworten. Von Jan Lehmann

Den Geheimcode für die Schließanlage an der Cottbuser Mannschaftskabine hat Fabian Holthaus nach zwei Tagen Probetraining schon verinnerlicht – bei einer vierstelligen Zahl ist dies aber vermutlich auch nicht die anspruchsvollste Aufgabe für ihn in diesen Tagen. Der 23-Jährige steht trotz der Bilanz von elf Zweitliga- und 71 Drittliga-Spielen seit Juli ohne Verein da. Doch der 23-Jährige strahlt Zuversicht aus und sagt: „Ich hatte ein gutes Programm und bin fit. Ich wusste, dass es ein langer Sommer werden kann, weil ich das mit meinem Berater so abgesprochen habe.“

Holthaus ist neben Lars Bender (30) und Dimitar Rangelov (35) der dritte Probespieler. Hinter allen drei Profis steht das Fragezeichen: Können Sie den FC Energie verstärken, ohne das Teamgefüge zu gefährden? Trainer Claus-Dieter Wollitz ist da sehr vorsichtig und betont: „Es muss alles passen.“ Wollitz legt neben den fußballerischen Fähigkeiten viel Wert auf Fitness – und soziale Kompetenz. Der Trainer betont: „Es ist wichtig, dass wir den Zusammenhalt, der uns über zwei Jahre so stark gemacht hat, auch in der neuen Liga aufrechterhalten.“

Und so muss Wollitz für sich und den Verein drei Fragen beantworten:

?Kann Lars Bender die rechte Cottbuser Seite aufwerten?

Lars Bender (l.) hat sich schnell ins Training integriert. Der Cottbuser Trainer lobt seine Charaktereigenschaften.
Lars Bender (l.) hat sich schnell ins Training integriert. Der Cottbuser Trainer lobt seine Charaktereigenschaften. FOTO: Torsten Schneider

Mit drei Jahren als Stammspieler bei Fortuna Köln hat Lars Bender seine Drittliga-Tauglichkeit unter Beweis gestellt. Dennoch wägt Trainer Wollitz ab, ob der 30-Jährige die rechte Seite aufwerten kann. Der Coach sagt, dass er mit den Leistungen dieses Mannschaftsteils zuletzt nicht zufrieden war. Zweifel an der grundsätzlichen Eignung des Probespielers hat er kaum. Wollitz berichtet: „Ich habe Lars Bender bisher als sehr angenehmen, geerdeten Spieler kennengelernt. Und er ist ein Vollprofi, der vor und nach den Trainingseinheiten noch im Kraftraum arbeitet. Er weiß, was nötig ist, um in der 3. Liga zu bestehen.“

?Ist Fabian Holthaus der Richtige für die linke Seite?

Fabian Holthaus ist seit Dienstag bei Energie mit im Training. Der Linksverteidiger musste eine Absage aus Unterhaching hinnehmen.
Fabian Holthaus ist seit Dienstag bei Energie mit im Training. Der Linksverteidiger musste eine Absage aus Unterhaching hinnehmen. FOTO: Torsten Schneider

Der 23-Jährige hat schon zweieinhalb Jahre in der 3. Liga gespielt, erst für Dynamo Dresden und dann für Hansa Rostock. Der Linksverteidiger ist nach den ersten Eindrücken optimistisch: „Es ist hier alles sehr professionell, aber das habe ich auch erwartet. Das Trainerteam macht einen guten Eindruck, ich bin positiv gestimmt.“ Zuletzt war Holthaus bei der Spielvereinigung Unterhaching zum Probetraining, doch der Drittliga-Spitzenreiter hat offenbar abgesagt. Holthaus hat das nur über eine Internetmeldung erfahren und sagt: „Sei es wie es sei – ich bin jetzt hier und mir gefällt es sehr gut. Die Jungs machen einen coolen Eindruck. Ich bin sehr überrascht, wie gut ich aufgenommen wurde.“ Holthaus soll auf der linken Seite die bisher fehlende Alternative für Lasse Schlüter sein. Trainer Wollitz will nach den wenigen Trainingseinheiten noch kein Fazit ziehen. „Holthaus trainiert jetzt mit. Wenn er der richtige Mann für die linke Seite ist, umso besser.“

?Hat Dimitar Rangelov noch genügend Power für den Angriff?

FOTO: Torsten Schneider

Viele Energie-Fans träumen von der Rückkehr von Dimitar Rangelov, es wäre zumindest eine ziemlich romantische Fußballgeschichte. Doch kann Rangelov dem FCE tatsächlich helfen? Wollitz sagt: „Ich habe ihn zuletzt 2011 trainiert, also vor sieben Jahren. Wenn ,Mitko’ die Form von damals hätte, würde er hier gar nicht mittrainieren.“ Es bleiben eben Zweifel, ob der 35-Jährige im gesetzten Fußballer-Alter in der 3. Liga noch mithalten kann. Wollitz berichtet: „Dass er Qualität hat, sieht man. Und er ist ein Spieler, der impulsiv ist und sich wehren kann. Aber ich weiß nicht, ob er noch diesen Punch hat.“ Für Rangelov müsste Wollitz das System umstellen. Er stellt klar: „Er ist kein Spieler mehr, der noch alleine im Sturm spielen kann.“ Für die Zwei-Stürmer-Variante müsste Energie viele Automatismen verändern und die Strategie im Mittelfeld anpassen. Wollitz sagt: „Da wären Veränderungen bis ins letzte Detail nötig.“ Zu diesem Schritt kann sich der Coach offenbar noch nicht durchringen. Denkbar wäre ein Rangelov-Engagement wohl nur, wenn sich der Bulgare auf einen stark leistungsbezogenen Vertrag einlassen würde. Als Geheimwaffe von der Bank wäre er dann für einige gegnerische Verteidigungsreihen vielleicht doch schwerer zu knacken als der Code an der Cottbuser Mannschaftskabine.