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| 15:32 Uhr

Fußball
Brutaler Kampf um die breiten Brüste

Gute Chancen, keine Tore FOTO:
Cottbus. Nach dem 0:0 gegen Großaspach benötigt Energie Cottbus mehr Selbstvertrauen für zwei anstehende Auswärtsspiele. Von Jan Lehmann

Es ist die klassische Frage nach der Deutung der Dinge – und Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz legt sich nach dem gewiss nicht gänzlich zufriedenstellenden 0:0 gegen die SG Sonnenhof Großaspach fest: „Wir sollten das Glas schon halbvoll lassen.“ Diese positive Haltung ist nachvollziehbar, schließlich hatte seine Mannschaft am Samstag in einem komplizierten Spiel zumindest die besseren Chancen.

Streli Mamba hätte bereits nach drei Spielminuten das 1:0 erzielen können, in der 45. Minute dann fast sogar müssen. Besser noch: Mit einem Querpass auf die frei mitgelaufenen Fabio Viteritti oder Kevin Weidlich hätte der in dieser Situation zu eigensinnige Angreifer dem FCE die Halbzeitführung garantiert. Zuvor hatte Weidlich mit einem Kopfball nur die Latte (19.) getroffen.

Der eingewechselte Daniel Stanese hatte in der zweiten Halbzeit die letzte Großchance zum Siegtreffer: Nach einer wunderbaren Kombination von Viteritti und dem stets bemühten Maximilian Zimmer bekam der Kanadier die Kugel im Strafraum zentral vor die Füße (59), prügelte sie aber dem Großaspacher Keeper Kevin Broll direkt auf den Körper.  Ganz klar: Mit etwas mehr Glück hätte Energie diese Partie gewinnen können.

Und dennoch: Dieses Drittliga-Spiel am Samstag vor 5633 Zuschauern lieferte auch eine ziemlich genaue Zustandsbeschreibung des FC Energie in diesem Spätsommer ab: Die Lausitzer waren weit weg vom Dominanzfußball aus den beiden Regionalliga-Jahren. Kein Wunder, denn die Drittliga-Konkurrenz fordert von der auch am Samstag wieder unveränderten Aufstiegs-Elf deutlich mehr ab. Großaspach setzte Energie besonders in der ersten Halbzeit schon weit in der eigenen Hälfte unter Druck. Die Gäste wirkten über weite Strecken absolut unbeeindruckt und konnten vor allem in Sachen Spieltempo jederzeit mithalten. Der eingewechselte Cottbuser Fabian Graudenz sagt: „Die Liga ist einfach brutal, da wird einem in jedem Spiel alles abverlangt.“

Für Energie ist es derzeit vor allem ein „brutaler“ Kampf ums Selbstvertrauen. Die Lausitzer waren am Samstag nämlich auch weit weg von der überzeugenden Körpersprache aus der Vorsaison. Trainer Wollitz gibt zu: „Ich habe eine verunsicherte Cottbuser Mannschaft gesehen. Wir hatten schon mal mehr Überzeugung.“ Das stimmt. „Ballett der breiten Brüste“ hatte die RUNDSCHAU vor fast genau einem Jahr nach einem 5:0-Sieg im September bei Germania Halberstadt getitelt.

Doch Großaspach ist eben nicht Halberstadt, diese Erkenntnis ist genauso wenig überraschend wie die Tatsache, dass Energie nach dem nahezu perfekten Saisonstart mit der zwischenzeitlichen Tabellenführung nun im Tabellenmittelfeld angekommen ist. Also dort, wo die Mannschaft trotz aller Aufstiegseuphorie von ihrem Leistungsvermögen her wohl eher hingehört.

Die Cottbuser Brüste sind erst einmal auf Normalmaß geschrumpft. Verteidiger José-Junior Matuwila verdeutlicht: „Es ist einfach schwieriger als vergangenes Jahr, wir müssen mit mehr Widerstand umgehen oder mit misslungen Aktionen. Das ist schwieriger zu verkraften und auch von der Körpersprache her wegzustecken.“Doch das Glas bleibt halbvoll. Trainer Wollitz sagt: „Wenn unsere Schlüsselspieler wieder ­bessere Form bekommen, ist es möglich, solche Spiele zu gewinnen.“ Er will mit seinem Team vor allem am Selbstvertrauen arbeiten.

Zudem wird es wichtig sein, dass Energie am ersten Scheideweg der Saison die richtigen Schlüsse zieht. Aktuell sind es nur drei Punkte Rückstand auf Relegationsrang drei. Allerdings hat der FCE auch nur zwei Zähler Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz. Der Blick nach unten ist derzeit also schlichtweg vernünftiger – vor allem angesichts der beiden bevorstehenden Auswärtsspiele bei Preußen Münster (Freitag, 19 Uhr) und dem Karlsruher SC (Samstag, 29. September, 14 Uhr). Matuwila ahnt vor Münster: „Da erwartet uns eine sehr, sehr schwierige Aufgabe. Wir haben gesehen, dass die Mannschaften in dieser Liga immer sehr heimstark sind. Da müssen wir noch mehr mitbringen als zu Hause.“ Breite Brüste zum Beispiel.

Tim Kruse (l.) musste bereits nach ­einer halben Stunde verletzt raus. Für ihn kam Daniel Stanese.
Tim Kruse (l.) musste bereits nach ­einer halben Stunde verletzt raus. Für ihn kam Daniel Stanese. FOTO: Steffen Beyer
Trainer Wollitz sah eine „verunsicherte Mannschaft“.
Trainer Wollitz sah eine „verunsicherte Mannschaft“. FOTO: Frank Hammerschmidt
Gute Chancen, keine Tore FOTO: