ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:43 Uhr

Fußball
Energie braucht Geld für Neuzugänge

Streli Mamba (M.) liebäugelt mit einem Wechsel. Die Höhe der Ablöse schreckt jedoch viele Interessenten ab.
Streli Mamba (M.) liebäugelt mit einem Wechsel. Die Höhe der Ablöse schreckt jedoch viele Interessenten ab. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Energie Cottbus steckt in der Klemme zwischen sportlicher Stabilität und wirtschaftlicher Konsolidierung in der 3. Liga. Verstärkungen für den Kampf um den Klassenerhalt sind wohl nicht finanzierbar. Von Frank Noack

Es wäre zweifellos reichlich übertrieben zu behaupten, dass der Abschied von Abwehr-Talent Malte Karbstein die Vorbereitung des FC Energie Cottbus auf die Partie bei 1860 München nachhaltig beeinträchtigt. Erstens, weil sich der Wechsel des 20-jährigen Karbstein zu Werder Bremen seit Tagen abgezeichnet hat. Und zweitens, weil der Youngster in der 3. Liga in dieser Saison noch nicht zum Einsatz kam. Auch an diesem Freitag im Aufsteigerduell in München (Beginn um 19 Uhr, LR-Liveticker) wäre Karbstein vermutlich nur Ersatzspieler gewesen.

Und doch sagt dieser Transfer eine Menge über die angespannte Lage beim FCE aus. Denn zwei Tage vor Transferschluss räumte Trainer Claus-Dieter Wollitz bei der Pressekonferenz am Mittwochmittag im Stadion der Freundschaft sämtliche Hoffnungen auf Ersatz für Karbstein sowie weitere Neuzugänge mit schmerzhafter Offenheit ab. „Stand jetzt ist der Verein nicht in der Lage, Spieler zu verpflichten“, erklärte Wollitz.

Dabei scheint der Verkauf von Malte Karbstein an Werder Bremen ein gutes Geschäft gewesen zu sein. Der seit 2011 in Cottbus ausgebildete Innenverteidiger hatte über seinen Berater signalisiert, dass er sein im Juni 2019 auslaufenden Vertrag nicht verlängern wird; zumindest nicht zu Konditionen, die man bei Energie hätte verantworten können. Im kommenden Jahr wäre Karbstein mit großer Wahrscheinlichkeit also ablösefrei gegangen. Nach RUNDSCHAU-Informationen überweist Werder eine Summe im unteren sechsstelligen Bereich. In ähnlichen Größenordnungen bewegt sich die Ablöse des SC Freiburg für Kevin Schade (19). Außerdem hat Energie Cottbus mit dem Wechsel von Benjamin Förster zum Ober­ligisten VSG Altglienicke einen Topverdiener von der Gehaltsliste streichen können.

Demgegenüber stehen nur zwei Neuverpflichtungen: Daniel Stanese vom VfR Aalen und Abdulkadir Beyazit (SV Babelsberg). Wollitz geht derzeit offenbar nicht davon aus, dass bis Freitag noch weitere Neue hinzukommen, weil dem Verein die finanziellen Mittel dafür fehlen. „Warum das so ist? Da bin ich der falsche Ansprechpartner. Ich bin für das Sportliche verantwortlich“, erklärt der Coach.

Wollitz macht trotz des ordentlichen Saisonstarts mit zwei Siegen aus fünf Spielen und Tabellenplatz sechs jedoch keinen Hehl daraus, dass die Mannschaft aus seiner Sicht eigentlich dringend noch Verstärkung benötigt, um im Kampf um den Klassenerhalt bestehen zu können. „Die Stabilität können Sie nur mit Qualität erhöhen“, betont er. Immerhin vertraut der FCE nach wie vor im Wesentlichen auf den Kader aus der vergangenen Regionalliga-Saison.

Der Verein steckt ganz augenscheinlich in der Klemme zwischen sportlicher Stabilität und wirtschaftlicher Konsolidierung. Auch dazu hat sich Wollitz am Mittwoch positioniert: „Ich gehe jede Konsolidierung mit, aber Konsolidierung auf Dauer kann den Verein sportlich ins Bodenlose bringen. Kein Verein, der ambitioniert ist, geht mit zwei Stürmern in eine schwierige Drittliga-Saison. Ich weiß nicht, ob es auf Dauer gutgeht, auch wenn ich es mir von Herzen wünsche.“

Der Coach richtet damit den Fokus erneut auf die Personalsorgen im Sturm. Denn nach der Verletzung von Kevin Scheidhauer hat er mit Streli Mamba genau genommen sogar nur einen Angreifer zur Verfügung. Und nicht einmal der Verbleib des umworbenen Mamba ist zwei Tage vor Transferschluss sicher, auch wenn im Moment viel darauf hindeutet, dass der Torjäger zumindest bis zur nächsten Transferperiode im Januar für den FCE stürmen wird. Nach RUNDSCHAU-Informationen gibt es schon seit längerer Zeit keinen Kontakt mehr zum SC Paderborn. Zwei andere Vereine sind in der vergangenen Woche aus dem Poker ausgestiegen. Energie fordert 750 000 Euro für den Angreifer. Diese Summe schreckt viele Interessenten ab. Zudem halten sich weiterhin hartnäckig die Gerüchte, dass sich Mamba für den kommenden Sommer mit Paderborn bereits handelseinig sein soll.

Damit sinken allerdings auch die Chancen auf weitere Transfer-Einnahmen – zum Beispiel für einen neuen Linksverteidiger. Denn bislang war Karbstein der Backup für den auf dieser Position gesetzten Lasse Schlüter. Wollitz muss deshalb unkonventionelle Lösung finden. Derzeit muss Felix Geisler im Training einspringen, obwohl er eigentlich für die Offensive vorgesehen ist.

Am Ende der Pressekonferenz am Freitagmittag blickte Wollitz noch einmal auf die Uhr und verkündete: „Es ist jetzt 12.35 Uhr, wir haben bis Freitag also noch zwei Tage Zeit. Wenn der Verein kommen sollte und sagt: ,Trainer, Sie dürfen noch neue Spieler holen‘, dann wären wir sofort bereit. Wir sind in Kontakt mit richtig guten Spielern, die der Mannschaft und dem Umfeld guttun würden.“

Wollitz: „Nicht in der Lage, ­Spieler zu verpflichten.“
Wollitz: „Nicht in der Lage, ­Spieler zu verpflichten.“ FOTO: Steffen Beyer