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Fußball
Energie löst eine „eklige“ Aufgabe

Kevin Weidlich (M.) sorgte mit dem schnellen Ausgleich nach der Pause für die Trendwende.
Kevin Weidlich (M.) sorgte mit dem schnellen Ausgleich nach der Pause für die Trendwende. FOTO: Christiane Weiland / LR
Fürstenwalde. Cottbuser Spitzenreiter siegt nach Rückstand noch mit 3:1 beim FSV Union Fürstenwalde. Die Wende gelingt dank einer taktischen Umstellung. Von Jan Lehmann

Den größten Beifall für den 3:1 (0:1)-Auswärtssieg von Energie Cottbus in Fürstenwalde bekam am Sonntag Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz, den die mehr als 700 mitgereisten FCE-Fans sogar mit Sprechchören feierten. Sie hatten das Gespür dafür, dass der Coach mit seiner taktischen Umstellung in der Pause eine knifflige Aufgabe gelöst hatte.

Denn dieses Auswärtsspiel war eine komplizierte Angelegenheit. Nach einer schwachen ersten Hälfte drohte dem Tabellenführer im Brandenburg-Derby sogar die erste Saisonniederlage. Nach dem Elfmetertor von Kemal Atici (27.) lagen die Lausitzer zur Pause zurück – und das verdient. Trotz eines Pfostentreffers von Maximilian Zimmer (22.) kritisierte Trainer Wollitz: „Wir hatten weder Rhythmus, noch Organisation – sondern viele einfache Ballverluste.“

Erst nach dem Seitenwechsel zeigte der FCE wieder die bemerkenswerte Entschlossenheit eines souveränen Spitzenreiters. Nach zwei Eckbällen von Zimmer drehten Kevin Weidlich (49.) und Gabriel Boakye (52.) mit zwei Kopfballtoren die Begegnung. Zimmer krönte seine Leistung mit einem Traumfreistoß in den Winkel - das 3:1 (73.) war die Entscheidung.

Energie löste damit eine der bisher schwierigsten Aufgaben dieser Saison - dank der individuellen Stärke bei den Standardsituationen und der taktischen Umstellung in der Pause. Wollitz hatte nach dem Wechsel mit zwei Stürmern und einer Mittelfeldraute spielen lassen. Der eingewechselte Boakye erzeugte gleich viel Druck und durfte sein erstes Saisontor bejubeln.

Auf dem engen Platz in Fürstenwalde, der die geringsten Maße der gesamten Regionalliga aufweist, hatten sich die Lausitzer zuvor schwer getan. Kapitän Marc Stein begründete: „Fürstenwalde hat versucht, schnell in die Tiefe zu kommen. Man ist auch mit jedem Ball fast im Sechzehner. Dann sind auch mal ein paar knappe Dinger dabei.“

Der herauseilende Energie-Keeper Avdo Spahic hatte Fürstenwaldes Torjäger Will Siakam gefoult, beim Elfer von Atici war er dann machtlos. Energie hatte Glück, dass die euphorisierten Gastgeber nicht auch noch das zweite Tor nachlegten. Gerade wegen ihrer Heimstärke in dem engen Stadion war die Mannschaft vom ehemaligen Energie-Profi Matthias Mauksch bis auf Rang drei der Regionalliga-Tabelle gestürmt.

Gabriel Boakye erzielte sein erstes Saisontor.
Gabriel Boakye erzielte sein erstes Saisontor. FOTO: Christiane Weiland / LR

Doch diesen Sturmlauf stoppten die Cottbuser nach der Pause. Mit zwei einstudierten Eckbällen drehten sie das Spiel. Vorlagengeber Zimmer, der mit seinem Freistoßtor dann noch zum Matchwinner wurde, erklärte: „Jeder, der hier hinfährt weiß, dass es ganz eklig wird. Das hat Pokalspielcharakter. Freut mich, dass wir das Einstudierte mal im Spiel umsetzen konnten und so die Tore gemacht haben.“

Auch Trainer Wollitz war sichtlich froh, dass sein Team dieses schwierige Spiel unbeschadet überstanden hatte. Doch den Hinweis von Union-Coach Mauksch, dass dies doch für Energie ohnehin „nur alles Vorbereitungsspiele für die Aufstiegsspiele“ seien, wollte er nicht annehmen. Er erklärte: „Es wird deutlich, dass wir auf Dauer nicht ohne Stürmer spielen können.“ Streli Mamba war nach den Rätseln um seine Verletzung nicht im Kader. Und Wollitz geht davon aus, dass der Torjäger noch länger ausfällt.