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Energie besteht Feuerprobe

Landespokal Halbfinale SV Babelsberg - Energie Cottbus 15. April 2015
Landespokal Halbfinale SV Babelsberg - Energie Cottbus 15. April 2015 FOTO: Sven Bock (LR-MOB-RED-313)
Cottbus. Energie Cottbus steht im Finale des brandenburgischen Landespokals. Nach dem 2:0-Sieg beim Viertligisten SV Babelsberg müssen die Lausitzer nur noch einen Schritt bis zur wichtigen Qualifikation für den DFB-Pokal gehen. Die Partie in Potsdam allerdings war eine echte Feuerprobe – auch weil sich wieder einige Chaoten aus beiden Fanlagern wichtiger als den Fußball nahmen.

Das war ein schweres Stück Arbeit, doch Energie Cottbus hat sich gegen alle widrigen Umstände durchgesetzt: Erst die kurzfristige Absage wegen des Orkans "Niklas", dann die Wut wegen der ungünstigen Neuterminierung durch den Landesverband. Und schließlich auch noch die Chaoten aus beiden Zuschauerreihen, die das Spiel kurzzeitig vorm Abbruch stehen ließen.

Nach dem 2:0-Sieg im Zitterspiel beim SV Babelsberg können die Lausitzer nun im Finale mit einem Pflichtsieg gegen den Fünftligisten Union Fürstenwalde am 6. Mai den angestrebten Pokalerfolg und damit vor allem die lukrative Qualifikation für den DFB-Pokal klarmachen

Energie-Torhüter René Renno war es zu verdanken, dass die Cottbuser nicht in Rückstand gerieten und somit auch nicht der Babelsberger Kontertaktik in die Karten spielten. In der 22. Minute parierte der Ersatzkeeper die hochkarätige Doppelchance der Filmstädter. Wenn der Ex-Cottbuser Severin Mihm oder Julian Prochnow in dieser Situation getroffen hätten, wäre der hitzige Krimi im Potsdamer Karl-Liebknecht-Stadion wohl anders verlaufen.

So bekam Energie nach der komplizierten ersten Hälfte mit viel Babelsberger Gegenwehr die entscheidende Kurve kurz vor der Pause: Besser gesagt kurvte Tim Kleindienst in den Strafraum der Platzherren und veredelte einen starken Pass von Thomas Hübener mit einem Lupfer ins kurze Eck (43.).

Dem sportlichen Höhepunkt folgte nach dem Wechsel der gefährliche Tiefpunkt des Prestigeduells der beiden ranghöchsten Brandenburger Mannschaften. Beide Fanlager gaben ein beschämendes Bild ab, als sie mit brennenden Transparenten und Pyro-Technik auf dem Rasen für eine mehr als zehnminütige Spielunterbrechung sorgten. Was das mit Fankultur oder Fußballstimmung zu tun haben sollte, erschloss sich dabei nicht. Babelsbergs Stadionsprecher versuchte die Gemüter auf seine Weise zu beruhigen und forderte übers Stadionmikro: "Hört uff, hier ein Lagerfeuer zu machen!"

Energie musste in Potsdam im wahrsten Sinne eine Feuerprobe bestehen, denn Babelsberg gab sich nach Wiederanpfiff nicht auf. Die Aussicht auf den Finaleinzug und die Qualifikation für den DFB-Pokal trieb auch den Viertligisten an. Die 140 000 Euro Startprämie hätten die fast schon traditionell klammen Potsdamern mindestens genauso gut gebrauchen können wie Energie.

Doch die Cottbuser ließen in diesem laut Krämer für den Verein "lebenswichtigen Spiel" nicht mehr viele Chancen zu. Die Defensive stand sehr stabil. Das zeigt, dass Energie nach zuletzt nur zwei Punkten aus vier Drittliga-Spielen wieder auf dem Weg aus dem Formtief ist. René Renno parierte in der 84. Minute noch einmal stark und Fanol Perdedaj machte dann per Kopf alles klar. Nach seinem Treffer zum 2:0 (90.+3) konnten die Lausitzer den Finaleinzug bejubeln.

Energie-Trainer Stefan Krämer erklärte zufrieden: "Wir haben verdient gewonnen, weil wir in der Defensive sehr kompakt gestanden haben. Besonders gefreut hat mich, dass wir viele Bälle durch unser Pressing gewonnen haben." Babelsberg-Coach Cem Efe betonte: "Cottbus hat die Chancen besser genutzt und war auch ein Stück weit besser."

Am Samstag treten die Cottbuser nun beim MSV Duisburg an. Bei sechs ausstehenden Spielen und sieben Punkten Rückstand auf den Relegationsrang drei in der 3. Liga ist das für Energie quasi die letzte Chance, noch einmal oben anzuklopfen. Nach der bestandenen Feuerprobe von Babelsberg ist das den Lausitzer aber durchaus zuzutrauen.