| 18:28 Uhr

Fussball-Regionalliga
Energie besteht den Charaktertest

Gabriel Boakye stürmte von Beginn an und sorgte auch für die Führung des Spitzenreiters. Hier setzt er sich im Kopfballduell durch.
Gabriel Boakye stürmte von Beginn an und sorgte auch für die Führung des Spitzenreiters. Hier setzt er sich im Kopfballduell durch. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Der Regionalliga-Spitzenreiter bezwingt das Schlusslicht Luckenwalde mit 2:0 (1:0) und baut die Tabellenführung aus. Von Sven Hering

Die erste Überraschung erlebten die gut 4000 Zuschauer im Stadion der Freundschaft schon vor dem Anpfiff. Das Flutlicht war eingeschaltet worden – an einem Samstagmittag eine Premiere in dieser Spielserie.

Die zweite Überraschung gab es dann im Spiel selbst. Denn der FSV Luckenwalde, als Schlusslicht mit gerade einmal einem Sieg und mageren fünf Zählern angereist, präsentierte sich nicht wie ein Tabellenletzter, sondern agierte mutig, versuchte sich im Pressing und hatte im gebürtigen Cottbuser Daniel Becker den auffälligsten Akteur in seinen Reihen.

Dass es am Ende zwar ein hartes Stück Arbeit wurde, der Heimsieg der Wollitz-Elf trotzdem nie wirklich in Gefahr geriet, spricht für die Cottbuser Mannschaft.  „Wir müssen jeden Gegner ernst nehmen, weil wir sehen, dass uns in jedem Spiel alles abverlangt wird“, hatte der Übungsleiter vor der Begegnung erklärt.

Die Aufstellung barg diesmal keine Überraschung. So vertraute Pele Wollitz der Elf, die beim 3:1-Auswärtssieg in Fürstenwalde das Spiel in der zweiten Halbzeit gedreht hatte. Im 4-4-2-System bildete neben Gabriel Boakye Kevin Weidlich die zweite Sturmspitze.

Und bereits nach knapp einer Viertelstunde waren beide Sturmpartner maßgeblich an der 1:0-Führung beteiligt. Weidlich brachte einen Einwurf schnell auf de Freitas. In dessen Querpass rutschte Boakye und traf ins lange Eck. Mit seinem zweiten Saisontreffer sorgte er das erste Mal für Jubel im Stadion der Freundschaft.

Energie Cottbus - FSV Luckenwalde FOTO: Von: Steffen Beyer

Nach der Führung war der Gastgeber zwar weiterhin feldüberlegen. Allerdings war der letzte Pass oft unpräzise. Außerdem liefen die Gastgeber mehrfach ins Abseits. Und: Immer wieder tauchten auch die Luckenwalder durchaus gefährlich vor dem Spahic-Gehäuse auf. Tim Kruse, der im Mittelfeld mehr zu tun hatte, als im vielleicht lieb war, gab sich durchaus selbstkritisch: „Wir hatten nicht ganz die Ordnung, die wir uns gewünscht hatten.“

Was wohl auch am besonderen Schachzug lag, den sich Luckenwaldes Interimstrainer Gerald Ritter ausgedacht hatte. Kruse dazu: „Ein, zwei Luckenwalder haben sich relativ wenig an den Defensivaufgaben beteiligt, konnten sich dadurch immer wieder erholen und waren im Umkehrspiel dann öfter mal frei.“

Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz klang in seiner Analyse nach dem Spiel ähnlich: „Bei uns haben die Abstände nicht gestimmt. Ich kann mich nicht erinnern, dass es in den letzten Monaten einer Auswärtsmannschaft so oft erlaubt wurde, aufzudrehen“, betonte er. Im Umkehrspiel sei seine Mannschaft nicht so gierig, nicht so diszipliniert gewesen wie in den Wochen zuvor. Wollitz: „Du musst solche Spiele dann trotzdem gewinnen.“

Dafür sorgte mit Malte Karbstein ausgerechnet ein Abwehrspieler. Der war nach der Pause für Matuwila gekommen. Ein Sicherheitswechsel. Matuwila hatte zeitig im Spiel gelb gesehen, als er einen Luckenwalder Angriff nur per Foul unterbinden konnte. Karbstein traf nach 79 Minuten, als er einen präzisen Pass von Maximilian Zimmer verwerten konnte. „Ich habe kurz mit Lasse Schlüter die Position getauscht. Das war dann natürlich ein super Ball von Maxi Zimmer, den ich nur noch verwerten musste“, schilderte der Abwehrspieler seinen ersten Saisontreffer. Trotzdem gab sich auch Karbstein selbstkritisch: „Wir haben ein bisschen die Formation verloren, waren zu weit weg von den Gegenspielern und konnten sie so auch ein bisschen ins Spiel bringen“, analysierte er. „Am Ende war es ein Arbeitssieg. Verdient, würde ich sagen. Aber solche Spiele muss man auch mal gewinnen.“ Und Tim Kruse ergänzte: „Wir haben mehr als oft diese  Saison gute Leistung gebracht, jetzt war es eben mal ein bisschen durchwachsen, aber drei Punkte sind drei Punkte.“

Gästetrainer Gerald Ritter sah eine gute Leistung seiner Mannschaft, erkannte allerdings den Sieg des Gastgebers ohne Wenn und Aber an. „Cottbus hat verdient gewonnen“, betonte er. „Beim ersten Gegentor diskutieren einige Spieler von mir zu lange. Das zweite Tor war dann mit Ansage, da waren wir im Kopf schon zu müde, weil wir kämpferisch gut dagegengehalten haben. Aber die Art und Weise, wie meine Mannschaft aufgetreten ist, verdient Respekt.“

Und dann war er wieder da, dieser Vergleich, den in Cottbus niemand wirklich gerne hört, den man sich aber angesichts der Dominanz an der Tabellenspitze wohl oder übel gefallen lassen muss. „Wir wollten heute hier das Cottbus sein, so wie Cottbus gegen Bayern um jeden Zentimeter gekämpft hat. Und ich denke, das ist uns heute gelungen“, so Gerald Ritter.

Mit einem kleinen, aber nicht unwichtigen Unterschied: Den Energie-Kickern war es seinerzeit gelungen, den schier übermächtigen Bayern sogar die Punkte abzuknöpfen. Dass dieses Erlebnis der tapferen Luckenwalder Truppe diesmal versagt blieb, spricht für die Cottbuser Mannschaft. Und für einen bestandenen Charaktertest.

Der aufgerückte Malte Karbstein behauptet sich gegen Clemens Koplin und erzielt das 2:0.
Der aufgerückte Malte Karbstein behauptet sich gegen Clemens Koplin und erzielt das 2:0. FOTO: Steffen Beyer