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Traditionsduell
Energie baut Führung auf Sand aus

Sandburgenbauen auf dem Fußballplatz: Lok-Verteidiger Ronny Surma ebnet den Strafraum mit einem Eimer voll Sand.
Sandburgenbauen auf dem Fußballplatz: Lok-Verteidiger Ronny Surma ebnet den Strafraum mit einem Eimer voll Sand. FOTO: Frank Hammerschmidt
Leipzig. Das Vorspiel zu diesem Traditionsduell war freundschaftlich-schmutzig, auf dem Rasen kam dann plötzlich auch noch Sand ins Spiel, als eine schadhafte Stelle während der Partie geflickt werden musste. Letztlich fielen zwar keine Tore beim 0:0-Remis des FC Energie Cottbus bei Lok Leipzig, dafür gab es aber viele bemerkenswerte Geschichten. Frank Noack

Die schönste Geschichte aus Cottbuser Sicht ist zweifellos die aktuelle Tabelle der Fußball-Regionalliga Nordost. Weil der BFC Dynamo in seinem Heimspiel gegen den ZFC Meuselwitz überraschend eine 1:2-Niederlage kassierte, ist der Vorsprung auf den Tabellenzweiten auf mittlerweile neun Punkte angewachsen. Einen weiteren Punkt dahinter folgt Lok Leipzig als Dritter.

Es war ein Remis am Dienstagnachmittag vor 5578 Zuschauern im altehrwürdigen Bruno-Plache-Stadion, mit dem beide Trainer gut leben konnten. "Wir müssen uns für dieses Unentschieden nicht entschuldigen. Wir haben wenig zugelassen und uns selbst Chancen erarbeitet. Leider konnten wir sie heute jedoch nicht nutzen", sagte FCE-Coach Claus-Dieter Wollitz.

Sein Leipziger Kollege Heiko Scholz drückte die Gefühlslage der Gastgeber mit einem breiten Grinsen aus: "Ich möchte meinen Jungs ein Riesenkompliment machen. Wir sind die erste Mannschaft, die Cottbus einen Punkt abgenommen hat."

"Die Loksche" hatte ihre Fans in den sozialen Netzwerken mit einem etwas schiefen Symbolbild auf das Duell gegen den bis dahin noch verlustpunktfreien Tabellenführer eingestimmt. "Die weiße Weste besudeln", lautete der semi-lustige Slogan in Probstheida. Bebildert wurde diese Weste allerdings mit einem weißen Hemd, inklusive diverser Dreckspritzer.

Auf dem Rasen war Lok dann zunächst in besserer Form und setzte über die rechte Außenbahn mit dem früheren Cottbuser Robert Berger die ersten Akzente. Energie dagegen brauchte einige Minuten, um sich zu sortieren. Das war alles andere als überraschend angesichts der Umstellungen in der Startelf. Neben den ohnehin verletzten Stürmern fiel auch noch Mittelfeldabräumer Tim Kruse aus. Seine Rolle nahm diesmal Marcelo ein. Lasse Schlüter rückte aus der Verteidigung ins Mittelfeld.

Kurios: Mitte der ersten Halbzeit musste die Partie dann für mehrere Minuten unterbrochen werden. Offenbar wegen des Starkregens, der unmittelbar vor dem Anpfiff über Probstheida niedergegangen war, sackte der Rasen an einer Stelle im Strafraum ab. Ein eilig herbeigeholter Zehn-Liter-Eimer mit Sand sorgte zum Glück dafür, dass das Loch gestopft und die Partie fortgesetzt werden konnte.

In der Folgezeit bekamen die Gäste dann das Spiel immer besser in den Griff. Das einzige Manko: Der eine, entscheidende Angriff gelang auch Energie nicht. Der kurz zuvor eingewechselte Gabriel Boakye brauchte in der 70. Minute einen Tick zu lange, um die richtige Entscheidung zu treffen. Wenige Augenblicke vor Schluss hatte auch Malte Karbstein noch einmal die 1:0-Führung auf dem Fuß. Er scheiterte aber an Lok-Torhüter Benjamin Kirsten, dem besten Mann auf Seiten der Gastgeber.

Dass dieses Auswärtsspiel - trotz der spielerischen Überlegenheit in der zweiten Halbzeit - alles andere als ein Spaziergang war, bekam auch Trainer Wollitz nach dem Schlusspfiff zu spüren. Bei seiner Spielanalyse wurde er von einigen Leipziger VIP-Gästen ausgebuht.

Auch diese Geschichte gehörte zu diesem Spiel. Immerhin nahm sie dank der beschwichtigenden Worte des Moderators der Pressekonferenz sowie von Lok-Trainer Scholz in Richtung der Pöbler zumindest ein gutes Ende.