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| 18:39 Uhr

Fußball
Energie auf den Spuren des FC Bayern

Fabio Viteritti (r.) freut sich mit Felix Geisler über sein Tor.
Fabio Viteritti (r.) freut sich mit Felix Geisler über sein Tor. FOTO: Björn Draws / imago/Björn Draws
Berlin. Cottbus gewinnt bei Viktoria Berlin mit 2:0 (0:0) und kann nach dem Marathon der vergangenen Wochen durchschnaufen - aber nur ganz kurz. Denn die wichtigen Partien kommen erst noch. Von Jan Lehmann

Dieses Traumtor war die Sahne auf den Kirschkuchen, der beim Kirschblütenfest am Berliner Mauerweg serviert wurde. Unweit davon traf Fabio Viteritti im Stadion Lichterfelde nach einem langen Ball von Tim Kruse mit einem Lupfer zum 2:0 für Energie Cottbus. Er markierte damit in der 77. Minute den Endstand in der Cottbuser Regional­liga-Partie bei Viktoria Berlin. Zuvor hatte Marcelo in der 51. Minute die Führung erzielt.

Für Energie Cottbus beendete der Abpfiff der Partie am Sonntag einen echten Pflichtspiel-Marathon. Der letztlich souveräne Sieg am Berliner Stadtrand war für Energie die zehnte Partie innerhalb von 36 Tagen. Zum Vergleich: Selbst der an englische Wochen gewöhnte FC Bayern München hat in dieser Zeit trotz der Dreifachbelastung mit Bundesliga, Champions League und DFB-Pokal nur neun Spiele absolviert.

Und Energie war ähnlich erfolgreich wie der Rekordmeister. Mit dem Erfolg bei Viktoria Berlin kommen die Lausitzer auf acht Siege, ein Remis und eine Niederlage bei 21:7 Toren. Die Bayern haben in ihren neun Spielen sieben Siege, ein Unentschieden und eine Niederlage bei 31:8 Toren vorzuweisen.

Wichtiger als die starke Bilanz der Cottbuser, die nun schon sagenhafte 83 Punkte in dieser Regionalliga-Saison geholt haben, war für Trainer Claus-Dieter Wollitz allerdings die Einstellung seines Teams, die er zuletzt nach dem Spiel beim BFC Dynamo kritisiert hatte. „Wir haben – anders als Mittwoch – heute disziplinierter und geordneter gespielt“, zeigte sich der Coach zufrieden.

Bei sommerlichen Kirschblütentemperaturen tat sich Energie anfangs jedoch schwer. Mittelfeldspieler Tim Kruse schilderte: „Es war schwierig gegen einen tiefstehenden Gegner auf einem  sehr trockenen Platz. Wir haben aber sehr viel Gutes gezeigt, gerade im Spiel ohne Ball. Es war nur eine Frage der Zeit, bis das Tor fällt.“

Fußball FOTO: imago/Björn Draws

Der Treffer fiel allerdings erst nach dem Wechsel. Claus-Dieter Wollitz berichtete: „In der Halbzeit habe ich Marcelo daran erinnert, dass er offensiver Mittelfeldspieler ist und ruhig in die Box darf. Es beißt ihn da keiner, im Gegenteil: Er kann da dem Gegner wehtun.“ Das tat der Brasilianer mit dem Tor zum 1:0 (51.), sein Treffer war vor allem der starken Vorarbeit von Streli Mamba zu verdanken. Der Cottbuser 17-Tore-Mann setzte sich an der Außenlinie gegen zwei Berliner durch und bediente Marcelo mustergültig.

Der Brasilianer, der zuletzt wegen einer rätselhaften Verletzung gefehlt hatte, freute sich: „Dieses Tor gibt mir Selbstvertrauen. Ich bin wieder richtig fit. Und immer wenn die Sonne so scheint, ist es noch besser für mich.“

Für den Glanzpunkt der Partie sorgte dann Fabio Viteritti mit seinem Tor-Kunststück (77.), das mindestens drittligawürdig war. Trainer Wollitz fasste zusammen: „Nach dem zweiten Tor hat bei Viktoria ein bisschen der Glaube gefehlt. Ohne die letzte Konsequenz war es ein verdienter Sieg für uns.“

Der Coach war am Samstag zur Beobachtung eines möglichen Gegners in den Aufstiegsspielen im Norden unterwegs – verriet aber nicht, wo genau. In der Regionalliga Nord, gegen deren Meister Energie antreten muss, kristallisiert sich immer mehr der SC Weiche Flensburg 08 als Titelfavorit heraus. Und auch die Flensburger haben am Samstag ihr zehntes Pflichtspiel innerhalb von 35 Tagen bestritten.

Im Gegensatz zum FCE, der nun zumindest bis zum Heimspiel am Sonntag gegen die VSG Altglienicke etwas durchschnaufen kann und nur noch zwei Regionalliga-Partien sowie  das Landespokal-Finale bestreiten muss, geht es für Flensburg bereits am Dienstag weiter. Der SC Weiche hat noch fünf Regional­liga-Spiele und das Finale im schleswig-holsteinischen Landespokal auf dem Programm.

Fest steht also: Egal, welche der beiden Mannschaften sich am 24. und 27. Mai in den umstrittenen K.o.-Spielen um den Drittliga-Aufstieg durchsetzen würde, sie könnte sich auch mit einem ganz besonderen Titel schmücken: Deutscher Fußball-Marathon-Meister.