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Regionalliga Nordost
Eishockey-Auszeit als Lob für Energie

Der FC Energie, hier Kevin Weidlich (r.) ist derzeit von der Konkurrenz einfach nicht zu stoppen.
Der FC Energie, hier Kevin Weidlich (r.) ist derzeit von der Konkurrenz einfach nicht zu stoppen. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Der Sieg gegen Hertha BSC II zeigt die Stärke des Tabellenführers. Mit Lok Leipzig wartet nun eine echte Herausforderung. Frank NoackUnd Steven Wiesner

Mit einer so ungewöhn lichen Maßnahme wie der von Hertha II-Trainer Ante Covic am Freitagabend im Stadion der Freundschaft hat noch kein Gegner auf die spielerische Dominanz des FC Energie Cottbus reagiert. Mitte der ersten Halbzeit ließ sich der Berliner Keeper Leon Brüggemeier plötzlich auf den Rasen fallen und forderte eine Behandlungspause für seine vermeintliche Verletzung ein. Die zehn Feldspieler der Hertha-Reserve stürmten daraufhin in Richtung Trainerbank und ließen sich dort von ihrem Coach frische Anweisungen geben. Covic sprach später von einem "nicht ganz fairen Mittel" und ergänzte grinsend: "Unser Torwart hatte eben was."

Ante Covic nahm sich also eine Auszeit, die es im Gegensatz zum Eishockey im Fußball-Regelwerk eigentlich gar nicht gibt. Und der frühere Bundesliga-Profi erklärte auch ganz ehrlich, warum er gegen Energie Cottbus zu dieser ungewöhnlichen Maßnahme griff: "Diese Mannschaft hat ein überragendes Positionsspiel und eine unfassbare Stabilität. Wir haben einfach keinen Zugriff bekommen."

Mit acht Punkten Vorsprung reist der FCE an diesem Dienstag zum Auswärtsspiel bei Lok Leipzig (14.35 Uhr, LR-Liveticker). Das souveräne 2:0 (1:0) gegen Hertha BSC II war der neunte Erfolg im neunten Spiel und eine Demons tration der fußballerischen Stärke. Dabei fand FCE-Trainer Claus-Dieter Wollitz die taktische Auszeit seines Berliner Kollegen zunächst überhaupt nicht lustig. Nach dem Spiel konnte er zumindest etwas darüber schmunzeln. Erstens, weil Wollitz und Covic ein prima Verhältnis pflegen. Und zweitens, weil diese ungewöhnliche Auszeit auch einen Ausdruck von höchster Anerkennung darstellt. Wollitz sprach von einer "taktischen Reifeprüfung", die seine dezimierte Mannschaft bestanden habe. Wegen der personellen Probleme in der Offensive schickte Wollitz eine Startelf ohne Stürmer auf den Rasen. Statt der verletzten Streli Mamba und Benjamin Förster wirbelten die etat mäßigen Mittelfeldspieler Fabio Viteritti und Björn Ziegenbein als Angreifer im Zusammenwirken mit dem Rest des Teams die Gäste lehrbuchreif durcheinander. Die Not-Offensive sprühte regelrecht vor Spielfreude. "Wir haben eine super Teammoral und sind trotz vieler Verletzungen sehr stabil. In der Mannschaft stimmt einfach die Chemie", erklärt Ziegenbein. Maximilian Zimmer betont: "Die ganze Mannschaft bringt Ballzirkulationen zustande, die richtig gut aussehen. Es macht Riesenspaß, mit den Jungs zu spielen." Hertha-Coach Covic ergänzte anerkennend mit Blick auf den pausierenden Mamba: "Und dabei stand der beste Torjäger gar nicht auf dem Platz."

Energie Cottbus - Hertha BSC II FOTO:

Es sieht also ganz danach aus, dass selbst die Verletzungsmisere den Siegeszug des Tabellenführers nicht stoppen kann. Gegen Hertha hat Energie eine bemerkenswerte taktische Variabilität unter Beweis gestellt. Zumal das Team dank der Spielintelligenz von Technikern wie Marcelo, Zimmer und Viteritti auch die Balance zwischen feinen Kombinationen und "Karo einfach" beherrscht, wie Wollitz den Ergebnis-Fußball beschreibt, mit dem sein Team nach den Toren von Kevin Weidlich (7. Minute) und Ziegenbein (50.) den Dreier sicherte.

Dieses "Karo einfach" dürfte auch am Dienstag bei Lok Leipzig ein wichtiges Stilmittel werden. Denn anders als Hertha II setzt "die Loksche" auf körperbetontes Spiel. Wollitz weiß, dass diese Aufgabe eine echte Herausforderung wird, vielleicht sogar die größte in dieser noch jungen Saison: "Wir stellen uns auf viel Gegenwehr ein."

Allerdings hat Energie womöglich eine zusätzliche Variante im Gepäck. Denn Neun-Tore-Stürmer Streli Mamba ist nach weitgehend auskuriertem Muskelfaserriss heiß auf sein Comeback. Bislang hat er aber noch nicht das grüne Licht der medizinischen Abteilung erhalten, weil man bei Energie kein Risiko mit dem Torjäger eingehen will. Denn im Gegensatz zum Ber liner Torhüter Leon Brüggemeier war Mamba ja wirklich verletzt.