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| 02:43 Uhr

Einfach spielen. Einfach Böhme

Jörg Böhme und seine Regierungserklärung:"Alles raushauen!"
Jörg Böhme und seine Regierungserklärung:"Alles raushauen!" FOTO: Contrast/ctr1
Cottbus. "Alles raushauen!" Mit dieser simplen Grundidee führt Jörg Böhme den FCE zum ersten Erfolg seit fünf Monaten. Der neue Interims-Trainer trifft mit klaren Ansagen offenbar den Nerv der Spieler. Jetzt muss sich zeigen, wie tragfähig dieses Konzept ist. Frank Noack

Um diese packenden, dramatischen und auch etwas glück lichen 90 Minuten gegen den 1. FC Kaiserslautern zu analysieren, benötigte der neue Energie-Trainer Jörg Böhme in der Pressekonferenz gerade einmal 30 Sekunden. Ihm fehlen die Worte, meinte Böhme beinahe entschuldigend. Die Spieler würden strahlend in der Kabine sitzen. Sie hätten sich mit diesem 1:0-Sieg für die harte Arbeit belohnt. "Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Das entschädigt für alles. Danke." Bitteschön. So kurz und knapp kann man den Fußball erklären.

Böhme legte nicht nur einen gelungenen Einstand, sondern mit Blick auf seine Vorgänger auf dem FCE-Trainerposten auch eine Analyse in Rekordtempo hin. Bei Claus-Dieter Wollitz wäre allein schon die Begrüßungsformel vermutlich so lang ausgefallen wie Jörg Böhmes komplette Analyse. Auch Rudi Bommer sowie zuletzt Stephan Schmidt erklärten den Fußball gern tiefschürfend und zumindest verbal auf hohem Niveau. Böhme legt auf all diese Dinge keinen Wert. Nach der obligatorischen Pressekonferenz gab er noch ein kurzes Interview - das war es dann aber auch schon.

Neuer Teamgeist

Der 40-jährige Ex-National spieler ist kein Freund der großen Worte. Und deshalb war auch die Frage nicht einfach zu beantworten: Was hat er mit dieser völlig verunsicherten Mannschaft gemacht, dass sie gleich im ersten Spiel unter seiner Regie den ersten Dreier seit September einfährt? Jörg Böhme jedenfalls machte keine großen Anstalten, zur Beantwortung dieser spannenden Frage beizutragen. "Von der Nummer 1 bis zur Nummer 18 haben alle Spieler im Kader hinter der Sache gestanden. Das hat den Ausschlag ge geben", meinte er nur lapidar.

Wer möchte, kann in diese Aussage hineininterpretieren, dass das in den vergangenen Wochen nicht der Fall war. Zumindest nicht in dem Maße wie am Freitagabend gegen Kaiserslautern, als von der ersten Minute an geackert und gekämpft wurde, wie man das im Stadion der Freundschaft schon lange nicht mehr gesehen hatte. Mit seinen kurzen und knappen Ansagen spricht Böhme offenbar die Sprache der Spieler. Er hat ihre Köpfe erreicht. Einfach ist manchmal scheinbar wirklich einfach. Die Grundbotschaft sei gewesen, den Fußball nicht komplizierter zu machen, als er ist. So fasste FCE-Kapitän Uwe Möhrle die zurückliegende Trainingswoche unter Böhme zusammen.

Fußballerisch erfüllte die Leistung zwar bestenfalls mittel mäßiges Niveau. In kämpferischer Hinsicht konnte sie sich jedoch mehr als sehen lassen. "In unserer Situation geht es nicht darum, schönen Fußball zu spielen. Wir wollten erst einmal alles raushauen, um die Fans im Stadion wieder auf unsere Seite zurückzuholen", sagt Böhme an die Adresse der Fußball-Feingeister.

Neue Hoffnung

"Alles raushauen!" - diese beiden Worte sind seine Regierungserklärung. Mit ihr will er das Team doch noch einmal zurück in den Kampf um den Klassenerhalt führen. Der Abstand zum Relegationsrang 16 beträgt jetzt nicht mehr acht, sondern nur noch sechs Punkte. Relegationsplatz? Auch bei diesem Thema bleibt sich Böhme treu. Er hätte nach dem befreienden Sieg eine Kampfansage machen können. Zum Beispiel die "größte Aufholjagd Europas" neu ausrufen können, mit der Wollitz den FCE im Frühjahr 2010 in die 1. Bundesliga hieven wollte. Bei Böhme hört sich das so an: "Wir genießen jetzt kurz den Moment. Und dann geht es auch schon in die nächste Trainingswoche." Ganz einfach.

Zum Thema:
"Erstmal guten Abend. Ja, mir fehlen irgendwie die Worte. Das kommt selten vor. Aber wenn man die Gesichter in der Kabine sieht - alle haben ein Strahlen bis zu den Ohren. Aufgrund der Situation, die wir in den letzten Wochen hatten. Wir haben uns für die harte Arbeit heute mit dem 1:0 und drei Punkten belohnt - mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Das entschädigt für alles. Danke."