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Eine Woche zum Vergessen für Förster

Nach seinem verschossenen Elfmeter im Pokalspiel gegen Stuttgart verspürte Benjamin Förster nur noch eine große Leere.
Nach seinem verschossenen Elfmeter im Pokalspiel gegen Stuttgart verspürte Benjamin Förster nur noch eine große Leere. FOTO: dpa
Cottbus. Rot gegen Bautzen in der Liga, Elfmeter gegen Stuttgart im Pokal verschossen: Energie-Stürmer Benjamin Förster erlebt innerhalb einer Woche zwei sportliche Tiefschläge. Unterstützung erfährt er in dieser Phase von seinen Mannschaftskameraden. Sven Hering

Und wieder einmal war es Stuttgart. Zum zweiten Mal in seiner Karriere ist Benjamin Förster im DFB-Pokal gegen die Schwaben ausgeschieden. Und beide Male sah es lange Zeit danach aus, dass Försters Teams - stets klare Außenseiter - die große Überraschung schaffen könnten.

Das war am Sonntag im Stadion der Freundschaft so, als der FC Energie zwischenzeitlich sogar 2:0 führte, am Ende aber trotz einer beeindruckenden Leistung im Elfmeterschießen unterlag. Förster, erst kurz vor Ende der Verlängerung eingewechselt, verschoss dabei seinen Elfer, weil er mit seinem Standbein wegrutschte. Danach war das Spiel vorbei. Und Stuttgart jubelte.

In der Saison 2010/11 führte Förster, damals in Diensten des Chemnitzer FC, mit 18 Treffern in 17 Spielen die Regionalliga-Torschützenliste an. Beim 6:0-Erfolg über den Hamburger SV II gelangen ihm fünf Treffer in einem Spiel. Im DFB-Pokal hatte der Chemnitzer FC in der ersten Runde den Bundesligisten FC St. Pauli mit 1:0 eliminiert. Schließlich war das Förster-Team auch kurz davor, den VfB Stuttgart aus dem Turnier zu werfen. Ein Tor des aktuellen Energie-Stürmers hatte den CFC mit 1:0 in Führung gebracht, am Ende gewann jedoch der Bundesligist mit 3:1 nach Verlängerung, weil Harnik dreimal traf. Und Stuttgart jubelte.

Nach seinem Fehlschuss am Sonntag spürte Förster "nur noch eine große Leere". Dabei hatte sein Team über 120 Minuten einen "überragenden Fußball" gespielt, so der 27-Jährige. "In der Verlängerung waren wir die sogar deutlich bessere Mannschaft." Doch am Ende blieb das nackte Ergebnis: "Leider sind wir nicht weitergekommen." Und mit Blick auf seine rote Karte ein paar Tage zuvor im Punktspiel gegen Budissa Bautzen erklärte Förster: "Das war für mich persönlich eine Woche zum Vergessen."

Es spricht für den Charakter der aktuellen Cottbuser Truppe, dass die Akteure nicht lange lamentierten. Er sei sofort von seinen Mitspielern aufgerichtet worden, erzählt Förster. Und alle waren sich einig, dass man gestärkt aus dem Spiel hervorgehe. Für das eigentliche Saisonziel, das da heißt: Aufstieg in die dritte Liga.

Försters Liga-Sturmpartner Streli Mamba zum Beispiel, der gegen den VfB ein unglaubliches Laufpensum abspulte, den Ball häufig geschickt abschirmte und bei den Kontern stets ein Unruhefaktor war, erklärte nur wenige Minuten nach dem Abpfiff: "Ich bin stolz auf die von uns gezeigte Leistung."

Der 23-jährige Sturmflitzer ist "ein reiner Schwabe", verbrachte zwischen 2010 und 2011 auch mal ein Jahr im Nachwuchs des VfB und hatte sich nach der Auslosung riesig über sein Wunschlos gefreut. Ein gutes Dutzend Bekannte und Familienmitglieder waren aus Mambas Heimat nach Cottbus gekommen, selbst sein persönlicher Fitnesstrainer war im Stadion der Freundschaft. Und er konnte sich davon überzeugen, dass seine Arbeit nicht die schlechteste ist. Natürlich hätte Mamba ihnen, genauso wie dem Publikum, das der Stürmer als "überragend" bezeichnete, gern den Sieg geschenkt. "Doch jetzt konzentrieren wir uns eben wieder auf die Liga, am Sonntag wartet Auerbach, das ist unser Ziel", betonte er.

Die Flutlichter waren am Sonntagabend noch nicht erloschen, da wagte Benjamin Förster bereits einen Blick ein wenig weiter voraus. In einem Jahr, so betonte er, stehe ja im Pokal, wenn alles gut läuft, die nächste Chance für ein richtig großes Spiel an. Doch während er das sagte, hielt er kurz inne und schob ein: "Und natürlich schon vorher die beiden Relegationspartien."

Wer in diesen Begegnungen - sollte der FCE seiner klaren Favoritenrolle in der Regionalliga gerecht werden - dann der Gegner sein wird, steht natürlich noch nicht fest. Für die erste DFB-Pokalrunde im nächsten Jahr hätte Benjamin Förster allerdings schon einen Wunsch: "Stuttgart", so sagt er, "muss es nicht wieder sein."