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Eine Elf mit Ausrufezeichen

Energie-Angreifer Streli Mamba (l.) bejubelt sein erstes Tor und alle freuen sich mit.
Energie-Angreifer Streli Mamba (l.) bejubelt sein erstes Tor und alle freuen sich mit. FOTO: Sven Bock/FuPa
Seelow. Die Sieg war keine Überraschung und ist dennoch ein deutliches Ausrufezeichen: Energie Cottbus bezwingt den Oberligisten Victoria Seelow im Pokal-Achtelfinale mit 11:1 (5:0) und macht damit klar: Die Wollitz-Elf ist endgültig ins Rollen gekommen. Aus Seelow berichtet Jan Lehmann

Da machte selbst die Seelower Anzeigetafel nicht mehr mit: In der 67. Minute stand es dort plötzlich 1:0 für die Gastgeber, dabei hatte Kevin Weidlich gerade das zehnte Tor für Energie Cottbus geschossen. Zweistellig! Damit war tatsächlich nicht zu rechnen gewesen, am Ende gewann der FCE beim Oberligisten mit 11:1. In Worten: Elf zu eins!

Es war eine Elf mit Ausrufezeichen, denn Energie präsentierte sich an diesem Samstag wie aus einem Guss. Trotz des Fehlens der angeschlagenen Stammspieler Björn Ziegenbein und Lasse Schlüter dominierte der FCE mit viel Tempo und zeigte sich erstaunlich kaltschnäuzig. Bereits nach einer halben Stunde war alles klar: Kevin Weidlich, Fabio Viteritti, Tim Kruse und Benjamin Förster hatten mit einem Fünferpack das Torefestival eingeläutet.

Keine Frage, der Sieg des Regionalliga-Topteams beim Oberligisten war keine Überraschung - und die Seelower Gegenwehr brach nach den frühen Toren schnell zusammen. Dennoch schlugen sich einige unter den 600 mitgereisten FCE-Fans angesichts des tollen Fußballnachmittags verdutzt auf die Schultern. So überzeugend hatten sie ihren FCE gar nicht erwartet, zumal es in der 1. Runde des Landespokals noch eine denkwürdige Zitterpartie beim Landesligisten Grün-Weiß Lübben (2:1) gegeben hatte.

Doch der FCE hat sich spürbar weiterentwickelt. Kapitän Marc Stein erklärt: "Die Mannschaft hat durch die letzten Wochen sehr viel Selbstvertrauen getankt." Seit dem peinlichen Ausrutscher beim 1:2 in Schönberg hat Energie fünf der letzten sechs Pflichtspiele gewonnen, nur beim 0:0 bei Regionalliga-Spitzenreiter Carl Zeiss Jena war die Wollitz-Elf ohne Sieg geblieben.

Der Trainer zeigte sich deshalb hochzufrieden: "Nachdem Lübben das schlechteste Spiel war, was ich je im Pokal gesehen habe, war dies nun das beste - sei es in meiner Zeit in Cottbus, Köln oder Osnabrück", lobte Claus-Dieter Wollitz. Entscheidend war, dass die Profis nie Zweifel an der Einstellung aufkommen ließen und bis zum Ende seriös arbeiteten - oder wie Seelows Spielertrainer Sebastian Jankowski ernüchtert feststellte: "Energie hat uns leider sehr ernst genommen."

Glücklos-Stürmer Mamba trifft

Die Cottbuser Mannschaft wirkt inzwischen sehr fit, war vor allem in Sachen Spielgeschwindigkeit mehr als nur eine Klasse besser. Besonders Kevin Weidlich deutete mit vielen Sprints an, dass er vom Training unter Profi-Bedingungen profitiert.

Für die Szene des Spiels sorgte jedoch dessen Kumpel Streli Mamba. Der bis dahin noch torlose Angreifer, der in der Regionalliga schon einige Hochkaräter vergeben hatte, wurde zur zweiten Halbzeit eingewechselt. Kurz darauf wurde Weidlich im Strafraum gefoult und obwohl Fabio Viteritti als Elfmeterschütze eingeteilt war, bekam Mamba sofort den Ball. Trainer Wollitz registrierte wohlwollend: "Das zeigt, dass die Mannschaft für solche Situationen ein Gefühl hat."

Mamba machte es auf seine typische Art - über Umwege. Weil Seelows Keeper Geisler parierte, konnte der Cottbuser Angreifer erst beim Nachschuss jubeln. Kurz darauf schlug Mamba dann aber sogar ein zweites Mal zu. Wenn jetzt also selbst der Glücklos-Angreifer trifft, dann ist die Mannschaft offenbar endgültig ins Rollen gekommen. Und Seelow dürfte damit nicht das letzte Ausrufezeichen dieser Elf gewesen sein.