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| 11:30 Uhr

Fußball
Ein Sieg für die Breite des FCE

Daniel Stanese (l.) und Tim Kruse standen erstmals gemeinsam in der Startelf.
Daniel Stanese (l.) und Tim Kruse standen erstmals gemeinsam in der Startelf. FOTO: fotostand / Fotostand / Wagner
München. Trotz der Niederlage könnte die Partie in München wegweisend für Energie Cottbus sein. Denn es gab einige Umstellungen. Dabei geht es nicht nur um die Taktik, sondern auch um den Teamgeist. Von Frank Noack

Es war laut am Freitagabend im Münchner Stadtteil Giesing. So laut wie wahrscheinlich noch nie bei einem Auswärtsspiel von Energie Cottbus seit der Geburt dieser Mannschaft im Abstiegs-Sommer 2016. Die zurückliegenden Regionalliga-Partien wie zum Beispiel bei der TSG Neustrelitz oder Budissa Bautzen müssen den FCE-Profis im Nachhinein wie der Kick in einer Kathedrale der Stille vorkommen. Denn die 15000 Zuschauer im traditionsreichen Stadion an der Grünwalder Straße bildeten trotz Dauerregens eine prächtige und vor allem lautstarke Kulisse beim Aufsteigerduell zwischen 1860 München und dem FCE. Die Löwen setzten sich am Ende verdient mit 2:0 (1:0) durch, weil sie insgesamt das wuchtigere Team waren.

Trotz dieses enormen Lautstärkepegels in Giesing war aber auch die Botschaft von FCE-Trainer Claus-Dieter Wollitz nicht zu überhören. Sie lautete: Sein Team habe zwar verloren und dabei vor allem aus den vielen Standardsituationen vor dem Münchener Tor zu wenig Kapital geschlagen. Es habe sich jedoch gleichzeitig auch zumindest einen Teilsieg erkämpft, der in den kommenden Wochen noch ganz wichtig werden könnte – einen Sieg für die Breite des Kaders.

Wollitz hatte gegen 1860 München sowohl personell als auch taktisch durchaus bemerkenswerte Umstellungen vorgenommen, um auch den Spielern aus der zweiten Reihe eine Chance zu geben. Neuzugang Daniel Stanese lief erstmals an der Seite von Tim Kruse im defensiven Mittelfeld in der Startelf auf. Und auch Fabian Graudenz durfte diesmal von Beginn an ran. Stattdessen saßen die bisherigen Stammspieler Andrej Startsev und Maximilian Zimmer zunächst auf der Bank.

„Wir versuchen, wirklich alle Spieler mitzunehmen, um den Kader breiter zu machen. Wir wollen allen Spielern das Gefühl geben, dass sie dazugehören. Denn das wird die Grundvoraussetzung in den nächsten Wochen und Monaten sein“, begründete Wollitz die Wechsel.

Er nahm dabei in Kauf, dass sich diese Wechsel zumindest in München noch nicht im Ergebnis niederschlugen. Daniel Stanese blieb mit seinen Pässen in die Schnittstellen der gegnerischen Defensive glücklos und hatte dann auch noch richtig Pech, als er in der 33. Minute einen Ball ins eigene Tor abfälschte. Das 2:0 erzielte Nico Karger in der 59. Minute. Fabian Graudenz als Startelf-Debütant wurde auf der rechten Außenbahn nur selten in das Kombinationsspiel einbezogen. Trotzdem hatte es auch einen positiven Effekt: Denn mit Zimmer als Einwechsler besitzt Energie eine zusätzliche Option in der Offensive.

Dass Wollitz ausgerechnet am letzten Tag der Sommer-Transferperiode im deutschen Profifußball durchwechselte, besaß durchaus Symbolcharakter. Denn am Freitag hatten sich auch die letzten Hoffnungen auf Verstärkungen zerschlagen. Energie kann jetzt zwar noch vertragslose Spieler verpflichten. Seit Freitag ist aber endgültig klar, dass den Kampf um den Klassenerhalt im Wesentlichen die Regionalliga-Mannschaft der vergangenen beiden Jahre stemmen muss. „Wenn man keine Alternative holen kann, dann muss ich zumindest Alternativen schaffen“, fasst Wollitz den Personal- und Systemwechsel gegen die Löwen zusammen.

Die nächsten Wochen werden zeigen, ob dieser Sieg für die Breite trotz der Niederlage im lauten München zum Erfolgsrezept auf dem Weg zum Klassenerhalt für Energie Cottbus werden kann. Fest steht derzeit nur so viel: Die einzigen Alternativen für Wollitz sind die Alternativen von der Bank.

Energie-Niederlage mit Schmerzen FOTO: Eibner-Pressefoto / EIBNER/Florian_Schust