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| 02:43 Uhr

Ein Mann, ein Bart - Energie trifft am Sonntag auf Bohemians Prag

Cottbus. Energie trifft am Sonntag auf Bohemians Prag. Deren Präsident ist weltberühmt: Antonin Panenka. Der Endspiel-Elfer des Mannes mit dem Schnäuzer ging in die Geschichte ein. FCE-Trainer Wollitz findet: Jede Elf braucht solche Typen. Die RUNDSCHAU hat deshalb dezent beim Bartwuchs der FCE-Profis nachgeholfen Jan Lehmann und Steven Wiesner

Diese Geschichte hat einen Bart - und zwar einen Schnäuzer. Das Testspiel von Energie Cottbus am Sonntag in Finsterwalde (15 Uhr, Stadion des Friedens) gegen den tschechischen Erstliga-Club FK Bohemians Prag wird zu einer Reise in die Vergangenheit. Der Grund dafür ist der Club-Präsident der Tschechen.

Es ist das EM-Finale, der 20. Juni 1976, die Nacht von Belgrad: Das Elfmeterschießen muss im Duell zwischen der BRD und der Tschechoslowakei entscheiden. Antonin Panenka tritt zu einem Schuss an, der ihn weltberühmt machen wird. Gerade hatte ein gewisser Uli Hoeneß den vierten Elfer der BRD-Nationalelf in den Belgrader Himmel gedonnert. Wenn Panenka trifft, ist die Tschechoslowakei erstmals Europameister.

Der Mann mit dem imposanten Schnauzbart trifft - wenn man so will kaltschnäuzig. Statt wie üblich rechts oder links stramm ins Eck zu schießen, stoppt der damals 27-Jährige nach seinem betont schnellen Anlauf überraschend ab und lupft den Ball in die Mitte des Tores. Damit überrascht er den eigentlich selbst so schlitzohrigen deutschen Keeper Sepp Maier, der wie ein Maikäfer in der linken Torecke liegt. Die Tschechoslowaken holen ihren ersten und einzigen Titel und der "Panenka-Heber" ist geboren. Ein Mann, ein Bart, ein Tor.

Bis heute stehen Panenkas Name und sein Schnäuzer für besondere Raffinesse - auch FCE-Trainer Claus-Dieter Wollitz schnalzt mit der Zunge. Er sagt: "Panenka war ein Weltstar. Man denkt natürlich sofort an diesen Elfmeter." Der Coach findet: "Diese Schlitzohrigkeit ist total wichtig für ein Team, jedes Mannschaft braucht solche Typen." Also: Mit Blick auf Panenkas Markenzeichen? Elf Schnäuzer müsst Ihr sein! Wollitz betont: "Die Ausgewogenheit muss stimmen - und die Hierarchie im Team. Wenn die Mannschaft diese Spieler, die außergewöhnlich sein können, akzeptiert, haben alle einen Nutzen."

Wie schwierig es sein kann, diese Ausgewogenheit zu finden, hat der Trainer in seiner ersten Amtszeit bei Energie erlebt: "Wir hatten beiRivic oder Angelov - die waren richtig schlitzohrig. Aber solche Spieler sind meistens auch sehr sensibel."

Die Spieler in seinem aktuellen Kader waren ja noch lange nicht geboren, als Panenka in Belgrad Fußballgeschichte schrieb. Inzwischen haben sie zwar größtenteils Bartwuchs, aber einen prächtigen Schnäuzer sieht man beim Training am Freitag vor dem Prag-Spiel nicht. Wollitz betont jedoch, dass einige seiner Spieler durchaus "den Schalk hinter den Ohren" haben. Fabio Viteritti, Kevin Weidlich oder auch Verteidiger Lasse Schlüter und den jungen Felix Geisler könnte er damit meinen.

Der Trainer betont: "Diese Unbekümmertheit hilft uns, wenn es darum geht, Spielsituationen aufzulösen. Im Training fordere ich das immer wieder." Und im Spiel? Wollitz gibt zu: "Ich springe auch mal auf und winke ab, wenn ein Trick nicht klappt. Aber das liegt nur an meiner extremen Anspannung bei den Spielen. Grundsätzlich bin ich der Meinung: Man muss den Leuten auch etwas bieten." Und wenn es eben ein gelupfter Elfmeter sei. Wollitz betont: "Ich würde nie etwas vorschreiben. Wenn ein Spieler denkt, er muss es machen - dann soll er es machen."

Das könnte spannend werden. Im August empfängt Energie schließlich den Erstliga-Aufsteiger VfB Stuttgart in der ersten Runde des DFB-Pokals - dort könnte es bis ins Elfmeterschießen gehen. Vielleicht sollten die Stuttgarter besser genau beobachten, welcher Cottbuser nach dem Duell mit Prag und Panenka am Sonntag noch etwas an seiner Bartmode verändert.

Zum Thema:
Antonin Panenka (68) blieb Bohemians Prag 23 Jahre treu. Aus der Jugend schaffte er es bis in die 1. Mannschaft. In 127 Erstliga-Spielen schoss er 63 Tore. Nur wer 32 Jahre alt war und mindestens 45 Länderspieleinsätze für die CSSR absolviert hatte, bekam die Freigabe für einen Auslands-Wechsel. Panenka ging 1981 zu Rapid Wien, blieb dann zwölf Jahre in Österreich. Heute ist er der Präsident von FK Bohemians Prag.