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| 18:28 Uhr

Fußball
Ein großer Koffer voller Teamgeist

Jonas Zickert war eine der Überraschungen in der Cottbuser Mannschaft im Pokalfinale. In der Regionalliga-Saison hatte er zuvor nur einmal in der Startelf gestanden.
Jonas Zickert war eine der Überraschungen in der Cottbuser Mannschaft im Pokalfinale. In der Regionalliga-Saison hatte er zuvor nur einmal in der Startelf gestanden. FOTO: FuPa Brandenburg
Kiel/Cottbus. Die unerwartete Aufstellung beim Pokalsieg in Babelsberg war Teil eines großen Energie-Plans. Teil zwei folgt in Kiel. Von Jan Lehmann und Frank Noack

Die erste Etappe bei der Mission Wiederaufstieg war ein zähes Unterfangen. Der FC Energie sollte erst am späten Dienstagabend in Kiel ankommen. Die Cottbuser standen auf der Anfahrt lange im Stau, alleine für die ersten 120 Kilometer benötigten sie mehr als drei Stunden. Genügend Zeit also, um schon auf der Autobahn noch einmal den Plan für das Aufstiegshinspiel am Donnerstagabend (19 Uhr/LR-Liveticker und rbb-Livestream) im Kieler Holstein-Stadion gegen den SC Weiche Flensburg durchzugehen.

Der Plan ist nicht neu: Trainer Claus-Dieter Wollitz hatte dem Spie­lerrat bereits vor drei Wochen mitgeteilt, wie er in der entscheidenden Woche mit dem Landespokalfinale in Babelsberg und den beiden Aufstiegsspielen gegen Flensburg die Mannschaft aufstellen will. Und so hatte es innerhalb des Teams auch keine überraschten Gesichter gegeben, als Wollitz am Montag mit Maximilian Zimmer, Tim Kruse, Fabio Viteritti, Streli Mamba und Kevin Weidlich gleich auf fünf etatmäßige Stammspieler in der Startelf beim Finalspiel in Babelsberg verzichtete.

Stattdessen konnten sich unter anderem die beiden Eigengewächse Jonas Zickert und Felix Geisler oder Neuzugang Alexander Siebeck über das Vertrauen in einem derart wichtigen Finale freuen. Geisler sagte nach dem 1:0-Sieg glücklich: „Der Trainer hat immer betont, dass wir gebraucht werden.“ Dieser Pokal­erfolg war deshalb auch mehr als nur die Qualifikation für die so lukrative erste Runde des DFB-Pokals. Es war ein Sieg, der Energie in den kommenden Tagen den entscheidenden Rückhalt geben könnte. Es war ein Sieg für den Teamgeist.

Kevin Weidlich, der von der Bank gekommen war und das Siegtor geschossen hatte, zog aus der erfolgreichen Rotation jedenfalls viel Kraft: „Wenn man sieht, dass der Trainer das in so einem wichtigen Spiel macht, weiß man, dass wir super aufgestellt sind.“ Tatsächlich agierte Energie auch ohne die genannten Stammspieler über weite Strecken dominant, vor allem Paul Gehrmann und der Brasilianer Marcelo bewiesen im Mittelfeld viel Übersicht. Von der Härte der Babelsberger, die in einigen Aktionen an die Grenze des Erlaubten gingen, ließen sie sich dabei nicht beeindrucken. Weidlich betonte: „Wir waren darauf vorbereitet, dass es so sein wird. Die Jungs haben super dagegen gehalten.“

Nach dem Pokal ist vor dem Aufstieg – der Blick des Trainers ist jedenfalls schon auf den Donnerstagabend gerichtet. Man darf gespannt sein, denn Wollitz kündigte am Dienstag vor der Abreise an: „Gegen 18.15 Uhr werden am Donnerstag wieder einige überrascht sein.“ Zu diesem Zeitpunkt wird die Aufstellung für das Hinspiel gegen Flensburg bekanntgegeben, und eigentlich könnte man ja mit der Rückkehr der Zimmers und Viterittis in die Startelf rechnen. Doch Wollitz warnt jetzt schon: „Verlassen Sie sich nicht darauf.“

Wollitz weiß, dass er mit seinen Umstellungen im Endspiel eine erfolgreiche Gratwanderung hingelegt hat und sagt: „Jetzt jubeln alle. Doch ich hätte im Fall einer Niederlage gern mal geschaut, wer alles sagt: ,Wie wahnsinnig ist der denn?’ Aber wenn man drei Spiele in sechs Tagen begleiten muss, dann muss man auch das Rückgrat haben, diese Entscheidungen so zu treffen.“

Der Trainer lässt sich nicht von seiner Marschroute abbringen und weiß die Mannschaft hinter sich. Es ist bemerkenswert, dass von der lange geplanten Rotation im Finale vorab nichts nach außen gedrungen war. Die Spieler hielten dicht. Wollitz betont: „Damit ist eindrucksvoll bewiesen worden, dass zwischen Mannschaft und Verein in den vergangenen beiden Jahren ein Vertrauen aufgebaut worden ist.“

Das zahlt sich jetzt aus, weil der Coach nun viele Möglichkeiten hat. Er wiederholt sein Credo: „Ich begleite hier eine Mannschaft – und nicht nur elf Spieler.“ Wollitz und seinem Trainerstab ist es tatsächlich gelungen, in dieser erfolgreichen Saison so viele Profis einzubinden, dass die Qual der Wahl vor den Aufstiegsspielen groß zu sein scheint. Kevin Weidlich betont: „Wir sind hungrig, wir sind heiß, wir wollen in die 3. Liga. Der Sieg im Pokal war wichtig für die Euphorie.“

Aber wer spielt nun am Donnerstag? José-Junior Matuwila verrät nichts, sagt nur: „Der Plan ist nicht erst gestern aufgetaucht, das wurde schon länger thematisiert.“ Der Abwehrspieler stellt zudem nüchtern fest: „Wir sind gut in der Breite aufgestellt. Da kann jeder spielen.“

Man kann also festhalten: Auch wenn die Anreise nach Kiel nicht problemlos war, hatte Energie zumindest das wichtigste Gepäck mit an Bord das Mannschaftsbusses: Einen großen Koffer voller Teamgeist.