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| 02:40 Uhr

Ein Grieche im "galaktischen Dorf"

FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Die kreativste Wortschöpfung des Abends lieferte Trainer Claus-Dieter Wollitz, als der Cheftrainer am Freitag bei der Mitgliederversammlung des FC Energie verkündete: "Wir können wieder dieses galaktische Dorf werden. Vielleicht schon im Pokal gegen Stuttgart. Jan Lehmann

" Ein netter Versprecher. Wollitz meinte sicher das "gallische Dorf" in dem sich Asterix, Oberlix und Co mit Händen, Füßen, und Zaubertrank erfolgreich gegen die allgewaltigen Römer wehren. So wie es der FC Energie am liebsten im August gegen den scheinbar ebenfalls übermächtigen Erstliga-Aufsteiger VfB Stuttgart in der ersten DFB-Pokalrunde auch tun würde - freilich ohne Zaubertrank.

Dabei könnte der Grieche Christos Papadimitriou mithelfen. Der Linksverteidiger kam am Samstag als Probespieler beim 8:0 (6:0)-Testspielsieg beim Landesklasse-Team Eintracht Peitz eine Halbzeit lang zum Einsatz. Der 23-Jährige, der über AEK Athen und RB Leipzig zuletzt bei Eintracht Trier gelandet war, überzeugte mit viel Tempo auf der linken Außenbahn. Trainer Wollitz betont: "Er ist ein ähnlicher Fall wie Streli Mamba, ist nie irgendwo richtig angekommen."

Wollitz will sich Zeit nehmen und Papadimitriou wie zuvor eben Streli Mamba oder Jose Matuwila und Lasse Schlüter im Probetraining testen. Der Coach sagt: "Wenn es passt machen wir es. Fakt ist: Wir wollen auf der linken Seite noch einen Spieler holen, der aus der Defensive mit Tempo Druck macht."

Druck mach der FCE auch auf anderen Ebenen - und von daher ist der Vergleich mit den Galliern nach der Mitgliederversammlung ganz treffend. So deutlich, wie sich der FCE mit dem Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV) wegen der harten Sportgerichtsstrafe anlegt, klingt das schon ziemlich nach Asterix. Geschäftsführer Normen Kothe erklärte: "Es ist nicht nur willkürlich, was dort passiert, sondern doppelzüngig und verlogen. Die Zeit des Wegduckens und Schluckens ist vorbei. Wir waren dialogbereit, werden es auch in Zukunft sein. Aber jetzt werden wir uns nichts gefallen lassen."

Dafür gab es viel Beifall bei der insgesamt sehr einträchtigen Versammlung mit mehr als 400 Teilnehmern. Dabei hatte der Verein mit der Erhöhung der Beiträge und einer Sonderzahlung der Mitglieder durchaus heikle Themen auf der Tagesordnung. Doch die große Mehrheit stimmte dafür - im "gallischen Dorf" hält man zusammen.

Für diesen Zusammenhalt hat Präsident Michael Wahlich in seiner einjährigen Amtszeit viel getan. Wie Verwaltungsrats-Chef Matthias Auth trat der am Freitag kämpferisch auf und war gleichzeitig spürbar bemüht, mit den Mitgliedern auf Augenhöhe zu sprechen. Der Präsident atmete am Ende durch: "Danke für die Zustimmung. Das war heute ein sehr guter Abend für den Verein."

Tatsächlich könnte diese Mitgliederversammlung ein wichtiger Meilenstein für den FC Energie gewesen sein - zumal Claus-Dieter Wollitz mit seinem "galaktischen Dorf" irgendwie auch noch recht hatte. Denn dass der FCE deutschlandweit wohl einmalig eine hauptamtliche Stelle für den Kampf gegen Gewalt und Rassismus im Stadion schaffen will, ist für einen so finanziell geschwächten Viertligisten - wie es die Cottbuser nunmal sind - gefühlt der mutige Aufbruch in eine neue Galaxie. Und das ganz ohne Zaubertrank.