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Ein Doppelpack für den Lautsprecher

Nach seinen ersten beiden Saisontoren beim 5:0 gegen Chemie Leipzig feierte Benjamin Förster gemeinsam mit den Fans auf der Nordwand.
Nach seinen ersten beiden Saisontoren beim 5:0 gegen Chemie Leipzig feierte Benjamin Förster gemeinsam mit den Fans auf der Nordwand. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Es war eine schwierige Rückrunde für Benjamin Förster. Auch beim Start in die neue Saison ging der FCE-Stürmer leer aus. Sein Doppelpack gegen Chemie Leipzig war nun ein Comeback mit Ansage. Frank Noack und Steven Wiesner

Am Anfang dieses Textes über das Comeback eines Torjägers müssen wir uns gleich mal bei Benjamin Förster entschuldigen. Und zwar dafür, dass wir den Angreifer von Energie Cottbus hier mit einem Megafon in der Hand zeigen, wie er nach dem 5:0 (1:0)-Heimsieg am Mittwochabend gegen Chemie Leipzig mit den Anhängern feiert. Denn Benjamin Förster ist alles andere als ein Lautsprecher. Auch nach dem bereits zweiten Kantersieg im zweiten Spiel der Fußball-Regionalliga Nordost, mit dem der FCE seine Tabellenführung festigte, gab es keinerlei markige Worte von ihm zu hören. "Wir wollten von Anfang an keine Zweifel aufkommen lassen. Wir haben zwar auch einige Chancen vergeben, aber wir sind dran geblieben und haben verdient gewonnen", lautet seine Zusammenfassung der einseitigen Partie gegen den überforderten Auf steiger aus Leipzig-Leutzsch.

Dass wir das Megafon-Foto trotzdem hier verwenden, ist natürlich kein Zufall. Denn die Emotionen, die der 27-Jährige in diesem Moment auf dem Zaun vor der Nordwand rauslässt, spiegeln die große Erleichterung über seine ersten beiden Saisontore wider. Förster hatte Energie in der 19. Minute mit 1:0 in Führung gebracht und später auch noch das 4:0 (59.) erzielt.

Dabei ist die Fußball-Welt doch eigentlich in Ordnung, wenn ein Stürmer im zweiten Saisonspiel zum ersten Mal trifft. Manch anderer Torjäger läuft diesem befreienden Erfolgserlebnis mehrere Wochen hinterher. Aber was ist normal bei Energie in diesen Tagen? Beim Saisonstart am Sonntag in Neustrelitz wurde der Kontrahent mit 4:0 abgefertigt. Und nun also Chemie Leipzig sogar mit 5:0 nach Hause geschickt. Angesichts dieser Tore-Flut fiel schon auf, dass Förster im ersten Spiel leer ausging, während sein Sturmpartner Streli Mamba gleich einen Doppelpack schnürte. "Für einen persönlich ist das erste Saisontor natürlich immer am wichtigsten. Wenn am 1. Spieltag vier Tore geschossen werden und man ist als Stürmer nicht dabei, ist man natürlich froh, im nächsten Spiel zu treffen. Das hat gut funktioniert", beschreibt Förster seine Gefühlslage nach der Partie gegen Chemie Leipzig. Und selbstkritisch räumt der gebürtige Sachse ein: "Ich habe zwar auch einige Chancen vergeben, aber ich habe ja zum Glück noch einen Doppelpack gemacht."

Und dieser Doppelpack wurde zumindest durch den Mann am Stadionmikro gebührend über die Lautsprecher gewürdigt.

Benjamin Förster, der die zweite Saison im Energie-Trikot spielt, ist dagegen kein Fan der lauten Worte. Weder in guten noch in schlechten Zeiten. In der vergangenen Spielzeit erzielte Förster zwar 13 Tore, konnte aber später - auch wegen einer Verletzung - nicht mehr an seine gute Form der Hinrunde anknüpfen. Markige Worte, Frust oder gar Forderungen waren von ihm auch in dieser Zeit nicht zu hören. Dazu kam die Geburt von Töchterchen Emma, die seine ganze Kraft forderte. Sie ist inzwischen vier Monate alt und war kürzlich beim Testspiel gegen Liberec mit Mama Kim im Stadion der Freundschaft.

Doch nicht nur der Neuzugang in der Familie scheint Benjamin Förster nun zu beflügeln. Trainer Claus-Dieter Wollitz bescheinigt Förster eine starke Saisonvorbereitung. Dieser schweißtreibende Einsatz scheint sich jetzt auszuzahlen. Nach dem Doppelpack von Mamba in Neustrelitz zog Förster gegen Chemie Leipzig nach. "Er weiß, wo der Ball hinkommt. Und da steht er dann auch", lobt Wollitz den Instinkt-Fußballer Förster.

Wie das funktioniert, zeigte der Torjäger vor allem beim ersten Tor, als er die mustergültige Flanke von Maximilian Zimmer nur noch über die Linie drücken musste. Das sah zwar spielerisch leicht aus, war aber ein echter Torjäger-Treffer.

Obwohl beide Stürmer am Mittwochabend "fantastisch mit einander gespielt" haben, wie es Wollitz formuliert, ist Energie weiterhin auf der Suche nach einem zusätzlichen Angreifer. Zwei Tage vor dem nächsten Heimspiel am Samstag gegen Budissa Bautzen (13.30 Uhr, LR-Liveticker) bekräftigte Wollitz in der Pressekonferenz noch einmal dieses Vorhaben, das bis zum Ende der Transferperiode am 31. August über die Bühne gehen muss. Denn mit Förster und Mamba sowie dem 19-jährigen Talent Gabriel Boakye stehen derzeit nur drei Stürmer im Kader, zumal Energie anders als in der vergangenen Saison jetzt immer mit zwei Angreifern beginnt.

Auch Förster ist natürlich nicht entgangen, dass der Konkurrenzkampf erhöht werden soll. Er nimmt es gelassen: "Dass wir im Angriff unterbesetzt sind, weiß ja jetzt jeder. Wenn noch ein Stürmer verpflichtet wird, dann ist er herzlich willkommen. Konkurrenzkampf belebt das Geschäft." Ein Lautsprecher hätte das sicher anders formuliert. Förster will lieber Taten, also Tore, sprechen lassen.

Vielleicht greift er dann gegen Bautzen erneut zum Megafon.

Zum Thema:
Nach zwei klaren Siegen in den ersten beiden Saisonspielen hat Trainer Claus-Dieter Wollitz eine doppelte Euphorie ausgemacht - im Team und auf den Rängen. "Die Mannschaft hat richtig Bock. Sie fühlt sich wohl hier und ist in der Stadt angekommen. Schon bevor der erste Ball gerollt ist, war richtig gute Stimmung im Stadion", sagt Wollitz.
Zum Spiel gegen Chemie Leipzig kamen 6764 Zuschauer - an einem Mittwochabend.Für die nächste Partie gegen Budissa Bautzen hofft der Verein erneut auf etwa 5000 Fans.
Für das Duell im Pokal gegen den VfB Stuttgart sind bereits rund 13 000 Tickets weg.