ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:28 Uhr

Cottbus
Doppeltes Auswärtsspiel für Wollitz

Claus-Dieter Wollitz hat eine bewegte Trainer-Vergangenheit in Köln. Sein Engamagement bei der Viktoria endete vor Gericht.
Claus-Dieter Wollitz hat eine bewegte Trainer-Vergangenheit in Köln. Sein Engamagement bei der Viktoria endete vor Gericht. FOTO: Christiane Weiland
Cottbus. Mit Energie Cottbus kehrt der Trainer am Samstag zu Fortuna Köln zurück. Als Coach des Rivalen Viktoria hat er dort brisante Duelle erlebt und weiß also, was ihn im Südstadion erwartet. Von Frank Noack

Vergnügungssteuerpflichtig war das Pokal-Gastspiel von Energie Cottbus bei Union Fürstenwalde am vergangenen Sonntag für Trainer Claus-Dieter Wollitz ganz sicher nicht. Wollitz wurde beim 1:0-Sieg immer wieder von den Zuschauern bepöbelt – und hielt verbal dagegen. Nach dem Schlusspfiff verweigerte er dann seinem Trainer-Kollegen André Meyer zunächst den obligatorischen Handschlag und entschuldigte sich später dafür. Dass Wollitz von Meyer als „Moralapostel“ bezeichnet wurde, passte zu einem hektischen Fußball-Nachmittag.

Und doch war das möglicherweise nur der Vorgeschmack auf den Empfang, der Claus-Dieter Wollitz an diesem Samstag beim Dritt­liga-Auswärtsspiel im Südstadion von Fortuna Köln erwartet. Denn der 53-jährige Coach hat eine ziemlich bewegte Kölner Vergangenheit. Von Juli 2013 bis Dezember 2014 arbeitete er bei Viktoria Köln und lieferte sich in dieser Zeit heiße Duelle mit dem Rivalen von der anderen Rheinseite. Damals schon an seiner Seite als Co-Trainer war übrigens Frank Eulberg, der Wollitz vor zwei Jahren auch nach Cottbus folgte.

Fortuna Köln und Viktoria Köln duellieren sich traditionell um die Nummer zwei in der Domstadt hinter dem großen Effzeh. Hier die ­Fortuna aus dem Süden der Stadt, dort die im Stadtteil Höhenberg beheimate Viktoria – beide Clubs verbindet eigentlich nur eines: eine herzliche Abneigung.

Diese Abneigung herrscht nicht nur zwischen den Anhängern, die in der Nacht vor einem Spiel schon mal das Stadion des Rivalen mit Sprüchen beschmieren. Diese Abneigung bekam auch Claus-Dieter Wollitz als Trainer zu spüren. Schlagzeilen machte vor allem das Spiel der Regionalliga West im November 2013. Fortuna lag mit 0:2 zurück, gewann am Ende aber 4:2 gegen die Viktoria. Für Gesprächsstoff sorgten speziell die Entgleisungen des damaligen Fortuna-Trainer Uwe Koschinat, der Spieler des Gegners übel beleidigte. „Fettes Schwein“ gehörte noch zu den netteren Spitzen an der Seitenlinie.

„Ich habe dort insgesamt drei Spiele mit Viktoria Köln bestritten. Zwischen beiden Vereinen herrscht eine große Brisanz. Vor allem der finanzielle Aspekt wurde von der Fortuna-Seite immer hochge­pusht“, sagt Wollitz mit Blick auf Mäzen Franz-Josef Wernze, der Viktoria Köln seit Jahren mit viel Geld unterstützt. Trotzdem habe er „keine besonderen Gefühle“ bei der Rückkehr nach Köln, versichert Wollitz: „Ich habe Respekt vor der Arbeit, die bei Fortuna geleistet wird.“

Vor allem mit seinem Kollegen Uwe Koschinat geriet der ebenso emotionale Wollitz aneinander – am Seitenrand oder auch auf den Pressekonferenzen nach den Spielen. Vereins-Ikone Koschinat hat die Fortuna in der vergangenen Woche zwar in Richtung des Zweitligisten SV Sandhausen verlassen, aber für Brisanz ist an diesem Samstag (14 Uhr, LR-Liveticker) dennoch gesorgt. Denn der Rest des Trainerteams ist geblieben und auch das Umfeld im Kölner Süden sieht in Wollitz vor allem den Ex-Coach des Stadrivalen aus Höhenberg. Zudem sitzen „die Kult-Fans“, wie es Wollitz formuliert, im Stadion direkt hinter der Trainerbank.

Für Claus-Dieter Wollitz wird es sogar ein doppeltes Auswärtsspiel. Denn irgendwelche Unterstützung von seinem Ex-Verein Viktoria Köln ist am Samstag nicht zu erwarten. Gegen seine Kündigung im Dezember 2014 hatte Wollitz vor dem Arbeitsgericht Köln geklagt und auf ganzer Linie gesiegt. Ein halbes Jahr nach der Trennung stellte das Gericht fest, dass der Vertrag trotz mehrfacher Kündigung nicht ordnungsgemäß aufgelöst worden sei.  Rund 185 000 Euro musste ­Viktoria Köln daraufhin an Wollitz zahlen.

„Ich wüsste nicht, warum Viktoria uns am Samstag unterstützen sollte. Ich möchte von Viktoria auch keine Unterstützung, obwohl die Fans ja mit den Vorgängen nichts zu tun haben. Aber mir wurde damals gedroht. So begleitet man Menschen nicht“, blickt Wollitz auf das juristische Scharmützel zurück. Wie der Coach sein aktuelles Verhältnis zu ­Vik­toria-Mäzen Franz-Josef Wernze umschreibt? „Es gibt kein Verhältnis. Und ich möchte auch keins.“

Die Vergangenheit: „Es gibt keins“,
sagt Wollitz über sein Verhältnis
zu Viktoria-Mäzen Wernze.
Die Vergangenheit: „Es gibt keins“, sagt Wollitz über sein Verhältnis zu Viktoria-Mäzen Wernze. FOTO: imago sportfotodienst