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| 12:27 Uhr

Fußball
Diskussion um Pyro-Provokation bei Energie Cottbus

Hitzige Nordwand: Kurz vor dem Anpfiff wurden von Vermummten Pyros gezündet.
Hitzige Nordwand: Kurz vor dem Anpfiff wurden von Vermummten Pyros gezündet. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Die Pyro-Provokation auf der Nordwand beim Energie-Spiel gegen Hansa Rostock sorgt für Diskussionen. Auf RUNDSCHAU-Nachfrage erklärt der Verein die Hintergründe, auch die Fanszene hat sich geäußert. Es droht erneut eine Geldstrafe. Von Frank Noack

Es war eine regelrechte Pyro-Provokation an dem ansonsten friedlichen und überaus stimmungsvollen Fußball-Nachmittag. Kurz vor dem Anpfiff der Drittliga-Partie zwischen Energie Cottbus und Hansa Rostock (3:0) am Sonntag im Stadion der Freundschaft wurde auf der Nordwand von einigen Fans Pyrotechnik in großem Ausmaß gezündet.

Fans vermummten sich hinter einer hochgezogenen Fahne und zündeten anschließend Rauchtöpfe und Bengalische Fackeln. Zuvor war auf einem Plakat auf der Nordwand zu lesen: „Euer Choreoverbot löst sich in Rauch auf.“

Die RUNDSCHAU hat am Montag bei Energie Cottbus nachgefragt. „Es wurde im Vorfeld des Spiels eine große Choreografie angemeldet, die mit Blockfahnen die gesamte Nordwand überspannen sollte“, bestätigt Medienkoordinator Stefan Scharfenberg. „Aufgrund der Kategorisierung des Hochsicherheitsspiels und den Erfahrungen aus dem Spiel gegen Weiche Flensburg, als insbesondere bei den heißen Temperaturen unter der Blockfahne mehrere Fans mit Kreislaufzusammenbrüchen behandelt werden mussten, hat die Sicherheitsberatung die Choreografie an diesem Spieltag unter dem Aspekt der Sicherheit als nicht durchführbar erachtet.“

Diese Entscheidung habe man den Fans auch so mitgeteilt. Von einem Choreoverbot könne allerdings nicht die Rede sein, so Scharfenberg weiter.

Die Fanszene Energie Cottbus hat eine andere Sichtweise. Sie kritisiert in einer Stellungnahme auf ihrer Facebook-Seite, dass „Choreografien und kleinere Intros neuerdings einen Risikofaktor für die Sicherheit darstellen sollen“. Aus Sicht der Fanszene handele es sich um eine „willkürliche Verbotsaussprache“. Das sei „eine Kommunikation, die sich nach beidseitigen Bemühungen nicht gerade förderlich auf das erarbeitete #WIR auswirkt“.

Nicht nur wegen der dichten Rauchschwaden, die über die Tribüne zogen, hat die Aktion bei unbeteiligten Zuschauern und Fans großes Unverständnis ausgelöst. Einige wandten sich mit dem Hinweis einer Gesundheitsgefährdung wegen des Rauchs und der Hitze an die RUNDSCHAU. Sie kritisierten zudem, dass die Pyro-Aktion deutlich sichtbar über mehrere Minuten vorbereitet worden ist.

Ob in dieser Situation ein Eingreifen des Ordnungsdienstes nötig und auch möglich gewesen sei, wie von einigen Zuschauern gefordert, könne man laut Stefan Scharfenberg derzeit noch nicht beantworten. „Allerdings wird darüber zu sprechen sein. Die Vorgänge müssen in der Sicherheitsberatung ausgewertet werden“, kündigt der Medienkoordinator von Energie Cottbus an.

Wie die Pyrotechnik ins Stadion geschmuggelt worden ist, darüber gibt es nach Vereinsangaben derzeit keine Erkenntnisse. Energie rechnet jedoch mit einer erneuten Geldstrafe. „Es ist davon auszugehen, dass es abermals eine empfindliche Geldstrafe für unseren Verein geben wird“, erklärt Scharfenberg.

Im Juni hatte das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) eine Strafe in Höhe von 9000 Euro verhängt. Damit wurde unter anderem bestraft, dass Energie-Fans in den beiden Aufstiegsspielen gegen Weiche Flensburg am 24. und 27. Mai Pyrotechnik gezündet hatten.

Auch beim Offenen Gesprächsabend für Energie-Fans am kommenden Freitag dürften die Vorfälle ein Thema sein. Die Veranstaltung findet in der Gaststätte Rote Karte (Stromstraße 6) statt und beginnt um 18.30 Uhr. Eingeladen haben die Fansprecher und das Fanprojekt. „Die Themen des Offenen Gesprächsabends bestimmen die anwesenden Fans selbst“, erklärt Fansprecherin Bianca Eifert-Koch gegenüber der RUNDSCHAU. „Wie bei vorherigen Gesprächsabenden werden sicher auch Vorfälle wie am Sonntag angesprochen. In welchem Verhältnis die gesamte Cottbuser Fanszene (also aktive und nicht aktive Fans) zu so etwas steht, sollen Abende wie dieser eben genau herausfinden.“

Lautstarke Nordwand: Die Energie-Fans trieben ihr Team zum 3:0-Sieg gegen Rostock.
Lautstarke Nordwand: Die Energie-Fans trieben ihr Team zum 3:0-Sieg gegen Rostock. FOTO: Steffen Beyer