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Fussball
Vier Alternativen zu Grindels Viertliga-Plan

DFB-Chef Reinhard Grindel bekommt derzeit viel Gegenwind.
DFB-Chef Reinhard Grindel bekommt derzeit viel Gegenwind. FOTO: Sina Schuldt / dpa
Cottbus. Nach der Entrüstung über die Pläne von DFB-Präsident Grindel: Die RUNDSCHAU nennt vier Varianten für die künftige Regionalliga-Struktur – und die Probleme dabei.

Die RUNDSCHAU-Berichterstattung über die Pläne zur Regionalliga-Reform hat für viele Diskussionen in den sozialen Netzwerken geführt. Dass DFB-Präsident Reinhard Grindel jene Variante favorisiert, die den Meistern aus den Regionalligen West und Südwest ein festes Aufstiegsrecht zuschreibt, sorgt unter den Fans im Fußball-Osten natürlich für Empörung. Dennoch kommt in der Diskussion auch der Hinweis, dass keine ernsthaften Alternativen vorgeschlagen würden. Die RUNDSCHAU nennt deshalb vier alternative Varianten für die künftige Regionalliga-Struktur – und auch die jeweiligen Probleme.


Die Kreuz-Lösung: Die Regionalligen könnten von fünf auf vier reduziert und dabei komplett neu aufgeteilt werden. Mario Kallnik, Sportdirekter des 1. FC Magdeburg und Sprecher der ostdeutschen Drittligisten, plädierte im „MDR“ entgegen der Maßgabe, dass nach der Anzahl der Herrenteams in den jeweiligen Regionen entschieden wird, für eine geografische Lösung auf der Landkarte: „Wenn es vier Regionalligen geben soll, dann müssen die auch wirtschaftlich arbeiten können. Da kann man das Kreuz geografisch über Deutschland ziehen. Vier Meister könnten dann aufsteigen, das wäre sportlich fair.
Das Problem:
Der Nordostdeutsche Fußballverband NOFV hat sich zuletzt dafür stark gemacht, dass die sportlich attraktive Regionalliga Nordost erhalten bleibt.

Die Rückwärtsrolle:
Nicht wenige Fußballfans plädieren für die Rückkehr zum alten System mit drei Regionalligen. Die hatte es von 2008 bis 2012 gegeben, sie waren geografisch in Nord, Süd und West aufgeteilt. Die drei Meister stiegen direkt auf. Das würde die Lage sofort entspannen.
Das Problem: DFB-Vize Rainer Koch wehrt sich gegen diese Lösung. Er begründet: „Eine Rückkehr zur dreigleisigen Regionalliga kommt nicht in Betracht, denn sie wurde abgeschafft, weil viele vor allem kleine und mittlere Vereine pleitegegangen oder vor wirtschaftlich unlösbare Probleme gestellt worden sind.“ Außerdem müssten bei einer Rückkehr von fünf auf drei mehr als ein Drittel der aktuellen Viertligisten den Absturz in die Fünftklassigkeit hinnehmen. Dafür gibt es sicher keine Mehrheiten.

Die Ballon-Lösung:
Die 3. Liga könnte wie ein Lufballon aufgeblasen werden. Mit 22 Teams würde diese Liga auch fünf Absteiger vertragen – somit könnten auch alle fünf Meister der aktuell bestehenden Regionalligen aufsteigen. Der Terminkalender der Clubs wäre so zwar deutlich voller, doch die Vereine würden durch mehr Spiele auch mehr Zuschauereinnahmen generieren. Dass es funktioniert, zeigt ein Blick nach England. Dort wird ab der 2. Liga bis runter zur 5. Liga sogar mit je 24 Teams gespielt.
Das Problem:
Die Drittligsten ließen schon im Vorfeld des DFB-Bundestages diesen Ballon platzen, indem sie sich deutlich und einhellig gegen eine Erweiterung ihrer Liga aussprachen. Ihr Kompromissangebot war, dass es statt drei künftig vier Absteiger geben könne.

Der RUNDSCHAU-Vorschlag:
Der deutsche Fußball kann eine vierte bundesweite Profi-Liga unterhalb der 3. Liga vertragen. Diesen Vorschlag hatte die RUNDSCHAU schon im Februar gemacht, als wir eine Umfrage unter allen damaligen Viertligisten durchgeführt haben. Diese 4. Liga könnte mit 22 Teams groß genug dafür sein, dass es fünf Absteiger in die fünf Regionalligen darunter geben könnte. Somit könnten auch alle Meister aufsteigen
Das Problem: Viele kleinere Clubs aus den Regionalligen wollen diese 4. Liga nicht, weil sie sich die wohl nicht leisten könnten. Sie sehen die namhafteren Clubs wie eben Energie Cottbus oder anderswo den SV Waldhof Mannheim oder den 1. FC Saarbrücken in ­ihren ­Regionalligen – weil sie so regelmäßig ihre Spiele des Jahres erleben.

Kevin Weidlich und der FC Energie sind Tabellenführer der Regionalliga Nordost. Am Ende der Saison könnten die Aufstiegsspiele stehen.
Kevin Weidlich und der FC Energie sind Tabellenführer der Regionalliga Nordost. Am Ende der Saison könnten die Aufstiegsspiele stehen. FOTO: Steffen Beyer