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Die Regionalligisten wollen sich wehren

Die Ergebnisse der RUNDSCHAU-Umfrage sind Rückenwind für Energie-Trainer Wollitz: Viele Regionalligisten wollen die Relegation abschaffen.
Die Ergebnisse der RUNDSCHAU-Umfrage sind Rückenwind für Energie-Trainer Wollitz: Viele Regionalligisten wollen die Relegation abschaffen. FOTO: Beyer
Cottbus. Eine deutschlandweite Umfrage der RUNDSCHAU zeigt: Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz hat mit seiner Streik-Idee den Finger in eine offene Wunde gelegt. Die meisten Regionalliga-Clubs lehnen den Relegations-Irrsinn des DFB ab. Und sie wollen sich wehren! Jan Lehmann, Frank Noack, Christian Schenk und Michèle-Cathrin Zeidler

Die Resonanz ist nicht nur positiv. Und doch hat Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz mit seiner Kritik am Deutschen Fußball Bund (DFB) und der damit verbundenen Streik-Idee offenbar das ausgesprochen, was viele in der Regionalliga ebenfalls denken: Ganz viele Clubs lehnen den Relegations-Modus ab!

Das belegt das Ergebnis einer RUNDSCHAU-Umfrage. Die befragten Vereine lehnen mehrheitlich die Aufstiegsrelegations ab. Und sie sind auch bereit, sich dagegen zu wehren. Die RUNDSCHAU hat alle 91 Clubs aus den fünf Staffeln der Regionalligen befragt. 40 Vereine haben sich an der Umfrage beteiligt. Die meisten sind für eine Revolution. Denn die 4. Liga ist mit den Aufstiegsspielen das engste Nadelöhr im deutschen Fußball - selbst souveräne Meister können den Aufstieg und damit den Sprung in den Profi-Fußball verpassen.

Die Relegation abschaffen: Wir haben die Clubs gefragt, ob sie mit der Aufstiegsregelung aus der Regionalliga in die 3. Liga über die Relegationsspiele zufrieden sind. 85 Prozent der Umfrageteil nehmer sagen Nein.

Derzeit ermitteln die Meister der fünf Regionalligen Nord, Nordost, West, Südwest und Bayern sowie dem Meisterschafts zweiten aus der Südwest-Staffel in zwei K.o.-Spielen drei Aufsteiger.

Heißt: Mindestens zwei, wenn nicht sogar drei Regionalliga-Meister dürfen trotz einer äußerst erfolgreichen Spielzeit nicht in die 3. Liga aufsteigen. Das könnte beispielsweise auch dem FC Energie passieren - falls den Lausitzern die Aufholjagd auf Jena gelingen sollte. 97 Prozent der Clubs stimmten dieser Aussage zu. "Ein Meister MUSS direkt aufsteigen", lautet die Forderung.

Die ebenfalls von uns aufgestellten Thesen "Durch die Unwägbarkeiten der Relegation ist eine langfristige Planung quasi unmöglich." (77 Prozent) und "Bei keiner anderen Liga im deutschen Fußball gibt es ein derartiges Nadelöhr. Das ist sportlich ungerecht" (71 Prozent), erhielten ebenfalls eine hohe Zustimmung.

Die Regionalligen neu aufteilen: Auch mit der aktuellen Aufteilung der Regionalligen, die so seit 2012 bestehen, ist die Mehrheit der Umfrage-Teilnehmer unzufrieden. 60 Prozent plädieren für eine Veränderung. Die Zustimmung bekam dabei ein Modell mit vier Regionalligen (47 Prozent), aus denen dann die Meister direkt in die 3. Liga aufsteigen - bei gleichzeitig vier Drittliga-Absteigern. Die zweitmeisten Stimmen erhielt der Vorschlag, die Regionalliga sogar auf drei Staffeln zu reduzieren.

Interessant: Bis 2012 wurde die Regionalliga in drei Staffeln (Nord, West, Süd) ausgetragen. Der damalige DFB-Vizepräsident Hermann Korfmacher erklärt zur Reform: "Die neuen Regelungen der Spielklassen-Strukturreform stellen eine tragfähige Lösung an der Schnittstelle zwischen dem Amateur- und Profifußball dar." Ein Trugschluss. Immer wieder formiert sich Widerstand gegen die Regelung. Naturgemäß vor allem in der Zeit um die Relegationsspiele, wenn sich im Sommer sportliche Dramen abspielen. Doch jetzt kocht das Thema schon im Winter hoch, dank Claus-Dieter Wollitz. Der Energie-Trainer hatte erklärt: "Ich fordere die ganzen Regionalligisten auf, komplett in den Streik zu gehen und den Fußball zu revolutionieren."

Eine neue Viertliga-Initiative: Beginnt die Regionalliga-Revolution in Cottbus? Es ist denkbar - beim Blick auf das Ergebnis dieser Frage: "Wären Sie bereit, sich einer gemeinsamen Initiative aus Clubs der Regionalliga anzuschließen, die beim DFB mit entsprechend erhöhter Stimmkraft für eine Neuregelung der Aufstiegsmodalitäten einstehen könnte?" 80 Prozent antworteten mit Ja.

Und diese Initiative könnte kraftvoll sein. Schließlich haben beispielsweise auch die Erstliga-Clubs VfL Wolfsburg und Hamburger SV, die mit ihren zweiten Mannschaften in der Regionalliga spielen, in der RUNDSCHAU-Umfrage ihre Unterstützung zugesagt. Zweitligist Eintracht Braunschweig oder Traditionsclubs wie Waldhof Mannheim, Kickers Offenbach Alemannia Aachen oder Carl Zeiss Jena wären bei dieser Initiative dabei. Die Frage ist nur: Finden diese Clubs beim Deutschen Fußball Bund (DFB) Gehör?