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| 18:24 Uhr

Fußball
DFB rollt Skandalspiel wieder auf

Beim Regionalliga-Spiel zwischen dem SV Babelsberg und Energie Cottbus gab es im April 2017 Ausschreitungen. Nun beschäftigt sich der DFB-Kontrollausschuss damit – eine juristische Verlängerung steht an.
Beim Regionalliga-Spiel zwischen dem SV Babelsberg und Energie Cottbus gab es im April 2017 Ausschreitungen. Nun beschäftigt sich der DFB-Kontrollausschuss damit – eine juristische Verlängerung steht an. FOTO: Björn Draws / imago/Björn Draws
Cottbus. Die Ausschreitungen beim Auswärtsspiel des FC Energie Cottbus im April 2017 in Babelsberg könnten ein Fall für das DFB-Bundesgericht werden. Der Verband rollt das Skandalspiel noch einmal auf und kassiert dafür womöglich ein Urteil des NOFV.

Haben die Ausschreitungen im dem Cottbuser Gästeblock bei dem Skandalspiel in Babelsberg für Energie Cottbus noch weitere Konsequenzen? Diese Frage steht nun im Raum, obwohl der Nord­ostdeutsche Fußballverband am Donnerstag eine ausgesprochene Geldstrafe zurückgenommen und das Verfahren gegen den FCE eingestellt hat. Doch nun schaltet sich der DFB ein und rollt die Ereignisse in Babelsberg noch einmal neu auf. Die RUNDSCHAU beantwortet die wichtigsten Fragen zu dieser bevorstehenden juristischen Verlängerung.

Warum steht das Spiel vom April 2017 jetzt erneut im Fokus?

Das Regionalliga-Spiel zwischen dem SV Babelsberg und Energie Cottbus am 28. April 2017 stand kurz vor dem Abbruch, weil Pyrotechnik gezündet wurde und Vermummte auf den Rasen gestürmt waren. Außerdem kam es zu rassistischen Vorfällen im Gästefanblock. Energie wurde daraufhin durch den Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV) in einem ersten Urteil mit einer Geldstrafe in Höhe von 16 000 Euro für den Platzsturm bestraft. In einem zweiten Verfahren hatte der NOFV den FCE dann wegen der rassistischen Vorfälle noch einmal zu einer Geldstrafe von 5000 Euro verurteilt. Außerdem sollte der Club ein „Konzept zur Vermeidung von demokratiefeindlichen Verfehlungen“ erarbeiten. Gegen diese erneute Bestrafung hatte sich Energie gewehrt – mit Erfolg. Am Donnerstagvormittag teilte der Verein zunächst mit, dass der NOFV das entsprechende Verfahren eingestellt hat. Am Nachmittag schaltete sich allerdings der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ein und kündigte an, Revision beim DFB-Bundesgericht einzulegen.

Warum hat der NOFV sein ursprüngliches Urteil vom November nun aufgehoben?

Der Verband machte darüber am Donnerstag keine konkreten Angaben. Mit Blick auf die Revision vor dem DFB-Bundesgericht hieß es von Seiten des DFB lediglich: „Wir bitten um Verständnis, dass aus diesem Grund der NOFV bis zur Entscheidung keine weiteren Stellungnahmen abgibt.“ Konkreter wurde Energie-Präsident Michael Wahlich. Die rassistischen Vorfälle seien bereits im ersten Verfahren bekannt gewesen, aber nicht weiter verfolgt worden, weshalb ein sogenannter Strafklageverbrauch eingetreten sei. Im juristischen Sinne bedeutet dies, dass niemand wegen einer Tat mehrmals abgeurteilt werden darf. Wahlich erklärt auf RUNDSCHAU-Nachfrage: „Ein neuerliches Verfahren gegen uns ist aus rechtsstaatlichen Gründen deshalb eben nicht möglich. Außerdem wurde nach Überzeugung des Verbandsgerichts die Verfahrensordnung durch das Sportgericht nicht eingehalten.“ Bereits im November hatte der FCE das zweite Urteil des NOFV scharf kritisiert und das Vorgehen des Verbandes als „äußerst irritierend“ bezeichnet.

Warum kündigt der DFB eine Revision an? Die Reaktion aus Frankfurt am Main kam prompt. DFB-Vizepräsident Rainer Koch erklärte am Donnerstag in einer Verbandsmitteilung: „Wir haben erhebliche Bedenken an der Rechtmäßigkeit der Entscheidung des NOFV-Verbandsgerichts. Daher habe ich den DFB-Kontrollausschuss gebeten, diesen Fall eingehend zu prüfen und gegebenenfalls Revision beim DFB-Bundesgericht einzulegen.“ Der DFB-Vize, der beim Verband für Rechts- und Satzungsfragen verantwortlich ist, betonte: „Rassismus und Diskriminierung haben im Fußball keinen Platz, und deshalb wäre es ein fatales Signal, wenn Vorfälle dieser Art ungeahndet bleiben würden.“ Die rechtliche Grundlage sieht man beim Verband in der DFB-Satzung. Die berechtigt den DFB-Kontrollausschuss, gegen abschließende Entscheidungen der Rechtsorgane seiner Mitgliedsverbände, die diskriminierendes oder menschenverachtendes Verhalten zum Verfahrensgegenstand hatten, innerhalb von vier Wochen das DFB-Bundesgericht anzurufen.

Wie reagiert der FC Energie darauf? Vereinspräsident Michael Wahlich erklärte am Donnerstag gegenüber der RUNDSCHAU: „Die Revisionsmöglichkeit des DFB ist uns bekannt und ist von uns auch fast erwartet worden.“ Allerdings rechne man bei dem Viertligisten damit, dass das DFB-Bundesgericht zu keinem anderen Urteil kommen werde. Wahlich strahlt Gelassenheit aus und sagte: „Wir haben keine Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Entscheidung.“ Der Vereinspräsident erklärte erneut: „Natürlich verurteilen auch wir – genauso wie der DFB und der NOFV – jegliches rassistisches oder diskriminierendes Verhalten.“ Egal wie der DFB entscheidet, die Arbeit für den FCE an dieser Problematik geht ohnehin weiter. Vor dem Hochsicherheits-Spiel gegen Babelsberg in der aktuellen Saison im September 2017 in Cottbus hatte der Verein einen Maßnahmekatalog beschlossen. Dazu gehörten eine Verbesserung der Arbeit des Sicherheitsdienstes und ein regelmäßiger runder Tisch mit allen betreffenden Institutionen und Organisationen. Außerdem soll im Verein eine Stelle für einen Beauftragten für Vielfalt und Toleranz geschaffen werden.

FCE-Präsident Michael Wahlich sieht der Prüfung durch das DFB-Bundesgericht gelasen entgegen.
FCE-Präsident Michael Wahlich sieht der Prüfung durch das DFB-Bundesgericht gelasen entgegen. FOTO: Steffen Beyer