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Fußball
Hängt der DFB den Fußball-Osten ab?

Vielen Dank für die Blumen: DFB-Präsident Reinhard Grindel (l.) und sein Vize Rainer Koch finden den Vorschlag gut, dass der Westen und der Südwesten feste Aufstiegsplätze bekommen. Aus dem Osten gibt es nun Gegenwind.
Vielen Dank für die Blumen: DFB-Präsident Reinhard Grindel (l.) und sein Vize Rainer Koch finden den Vorschlag gut, dass der Westen und der Südwesten feste Aufstiegsplätze bekommen. Aus dem Osten gibt es nun Gegenwind. FOTO: Alex Grimm / DPA
Cottbus. Der neueste Vorschlag von DFB-Präsident Reinhard Grindel zur Regionalliga-Reform sorgt für Entrüstung. Nicht nur der FC Energie läuft Sturm gegen dessen Plan. Im Raum steht die Frage: Hängt der DFB den Fußball-Osten ab?

Diese Nachricht aus Duis­burg sorgt für Aufrgung im Fußball-Osten: Reinhard Grindel, Präsident des Deutschen Fußball Bundes (DFB), hat sich bei einer Regionalkonferenz des Westdeutschen Fußballverbandes dafür ausgesprochen, dass im Zuge der anstehenden Regionalliga-Reform künftig die Staffeln im Westen und im Südwesten ein festes Aufstiegsrecht bekommen.

Für die Vertreter der anderen drei Regionalligen, also den Nordosten sowie Norden und Bayern hieße das, künftig die anderen beiden möglichen Aufsteiger irgendwie untereinander auszuspielen. Für Michael Wahlich, Präsident des FC Energie Cottbus, ist das ein ungeheuerlicher Vorschlag. Er betont, dass dies „ein weiterer Witz des DFB“ sei.

Energie-Präsident Michael Wahlich.
Energie-Präsident Michael Wahlich. FOTO: Steffen Beyer

Grindel hatte laut „Kicker“ am Montagabend in Duisburg gesagt: „Ich glaube, dass eine Menge dafür spricht, dass die leistungsfähigen Regionalligen West und Südwest ihr eigenes Aufstiegsrecht bekommen. Und dass die anderen drei Regionalligen eine Lösung finden, wie sie die zwei Aufsteiger ausspielen.“ Wahlich entgegnet nun gegenüber der RUNDSCHAU: „Es spricht nicht eine Menge dafür, dass es zwei feste Aufsteiger aus dem Westen gibt. Dafür spricht eher gar nichts.“

Seltsam: Auch DFB-Vize Rainer Koch ist ein Befürworter des Grindel-Vorschlags, obwohl der seinem Heimatverband in Bayern nicht gefallen dürfte. Schließlich müsste dessen Meister dann auch weiterhin in der umstrittenen Aufstiegsrelegation spielen. Ist Kochs Zugeständnis womöglich das Entgegenkommen dafür, dass somit auch künftig die Bayernliga erhalten bleibt? Die hat der DFB schließlich im Zuge der letzten Regionalliga-Reform zur Saison 2012/13 eingeführt. Koch galt als einer ihrer größten Verfechter und wurde in seiner Heimat für den sportpolitischen Erfolg gefeiert.


Magdeburgs Sportdirektor Mario Kallnik.
Magdeburgs Sportdirektor Mario Kallnik. FOTO: Jens Wolf / DPA

Das weiß auch Energie-Präsident Wahlich, der betonte: „Dass sich Herr Grindel auf einer Linie mit Herrn Koch befindet, ist ja nun wiederum nicht verwunderlich. Verwunderlich ist nur, dass diese Dinge schon klar entschieden scheinen, obwohl eine Abstimmung erst am 8. Dezember erfolgen soll. Daraus ist abzulesen, dass die Anträge des Nordostdeutschen Fußballverbandes reine Makulatur sind. Man erinnere sich an die Installierung der Bayernliga, ein Schelm der Böses dabei denkt.“

Hängt der Verband also schon im Vorfeld des DFB-Bundestages am 8. Dezember in Frankfurt/Main den Fußball-Osten ab? Diese Befürchtungen gibt es nicht nur in Cottbus. Hermann Winkler, Präsident des Sächsischen Fußballverbandes und Präsidiumsmitglied beim NOFV, erklärte im „MDR“: „Wir setzen auf Gleichbehandlung in ganz Deutschland. Es kann nicht sein, dass es durch diese Reform eine neue deutsche Teilung durch den DFB gibt. Die Stimmung ist durchaus ernst.“

Sachsens Fußballpräsident Hermann Winkler
Sachsens Fußballpräsident Hermann Winkler FOTO: Jan Woitas / DPA

Weniger moderat drückte sich derweil Mario Kallnik, der Sportdirektor des Drittligisten 1. FC Magdeburg, aus. Als Sprecher der ostdeutschen Drittligisten sprach er gegenüber dem „MDR“ von „Wettbewerbsverzerrung“ und betonte: „Das was jetzt dort liegt, ist höchst strittig und meiner Meinung nach im Nachgang auch anfechtbar. Wettbewerbsgleichheit sieht anders aus.“ Der Magdeburger sprach von einer „Farce“ und fügte an, dass dieses Modell noch schlechter als die jetzige Regelung sei: „Das ist höchst fraglich und kann überhaupt kein Thema sein. Dann ist es besser, man belässt es.“

Energie-Präsident Wahlich sieht das ähnlich und sagte: „Sollte sich der DFB-Bundestag zu dieser Version bekennen, ist das eine Blamage. Wenn man die leicht verbesserte Regelung mit Vier aus Fünf beschließen sollte, dann doch nur ohne feste Aufsteiger, damit ein Fünkchen ,Gerechtigkeit’ erkennbar bleibt.“

Energie Cottbus ist souveräner Tabellenführer in der Regionalliga Nordost – und kann wegen der umstrittenen Aufstiegsrelegung trotzdem noch lange nicht für die 3. Liga planen.
Energie Cottbus ist souveräner Tabellenführer in der Regionalliga Nordost – und kann wegen der umstrittenen Aufstiegsrelegung trotzdem noch lange nicht für die 3. Liga planen. FOTO: Steffen Beyer

Ansonsten bleibt für den FCE-Präsidenten ein bitteres Fazit, aus dem er einen kämpferischen Schluss zieht: „Fußball und speziell der DFB spiegeln die heutige Gesellschaft wunderbar wider. Es gibt für den FCE nur eine Lösung, und die heißt: Aufstieg!“