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Der mit dem Ball explodiert

Aufsteiger: Niklas Geisler mit der Meistermedaille der U 17.
Aufsteiger: Niklas Geisler mit der Meistermedaille der U 17. FOTO: privat
Cottbus. Die RUNDSCHAU stellt in dieser Serie hoffnungsvolle Lausitzer Talente vor. Heute: Energie-Junior Niklas Geisler aus Vetschau. Steven Wiesner

Es ist schon bemerkenswert, welch turbulente Zeiten hinter dem erst 16-jährigen Niklas Geisler dieser Tage liegen. Der Teenager hat allein in den letzten Wochen und Monaten Erfolge gefeiert, für die manche eine komplette Laufbahn benötigen: Sieg beim deutschlandweiten Schulwettbewerb "Jugend trainiert für Olympia" mit der Lausitzer Sportschule, die damit verbundene Qualifikation für die Schul-Weltmeisterschaft sowie die dort errungene Silbermedaille, Einladungen vom DFB zur Sichtung für die Juniorennationalmannschaft und nicht zuletzt der Gewinn der Meisterschaft in der U 17-Regionalliga und der damit einhergehende Bundesliga-Aufstieg mit Energie Cottbus vor anderthalb Wochen. Kurzum: Niklas Geisler erlebt den Sommer seines Lebens. Dennoch bleibt er unaufgeregt und sagt: "Es war ja unser Ziel, aufzusteigen."

Das Fußball-ABC hat Niklas Geisler bei Blau-Weiß Vetschau erlernt, im Jahr 2012 mit elf Jahren folgte er dann dem Lockruf von Energie Cottbus. Heute ist er 16 Jahre alt und eines der vielversprechendsten Talente im Nachwuchsleistungszentrum des FC Energie Cottbus. Da kann sein aktueller U 17-Trainer Sebastian König schon mal ins Schwärmen geraten: "Niklas ist ein Spieler für die besonderen Momente, der Sachen mit dem Ball veranstaltet, die nur wenige können."

Folglich wird ihm der gleiche Weg zugetraut, den auch schon sein drei Jahre älterer Bruder Felix gegangen ist - vom Energie-Nachwuchs in die erste Männermannschaft. Nicht wenige halten Niklas sogar für den noch begnadeteren Kicker. König kann solche Vergleiche aber nicht empfehlen. "Es ist schier unmöglich, im Nachwuchsbereich schon Karrieren zu prophezeien." Es geht eher um Wahrscheinlichkeiten. Und bei Niklas Geisler ist die Wahrscheinlichkeit eben größer als bei anderen. Nicht mehr und nicht weniger. Auch Felix Kroos wurde einst noch mehr Potenzial vorausgesagt als seinem Bruder Toni. Trotzdem spielt der eine heute in der 2. Liga, während der andere bei Real Madrid sein Geld verdient und schon zum dritten Mal die Champions League gewonnen hat. "Niklas soll und wird seinen eigenen Weg gehen", sagt der Coach über seinen Spielmacher.

Geht es nach Niklas Geisler, spielt sein Bruder aber auch dabei eine nicht unerhebliche Rolle. Denn: "Mit Felix zusammenzuspielen, ist ein Traum", sagt Niklas. "Das wäre schon ziemlich geil." Umso größer war die Freude, als Felix' Rückkehr vom FSV Zwickau nach Cottbus bekanntgegeben wurde. "Denn dass es mit uns beiden klappt, ist bei Energie schon am realistischsten."

Vorbei ist damit erstmal auch der Groll über Felix' Wechsel, den der kleine Bruder zuhause genauso mitbekommen hat. Nachdem sich Felix Geisler nach dem Abstieg in die Regionalliga für ein Engagement in der 3. Liga entschied und seinen Ausbildungsverein verließ, wurde er vor allem in sozialen Netzwerken als Verräter denunziert. Niklas: "Da haben sich viele Leute zu Wort gemeldet, die einfach nicht genug wussten. Felix hat es als Chance gesehen. Nun hat es nicht geklappt und er ist wieder da."

In zwei bis drei Jahren will auch Niklas Geisler da sein. Bei den Profis. Er soll sukzessive herangeführt werden und demnächst wohl auch schon erste Trainingseinheiten unter Claus-Dieter Wollitz absolvieren. "Er ist zwar ein ruhiger und bescheidener Typ, aber wenn er Platz mit dem Ball bekommt, kann er explodieren", ergänzt U 17-Co-Trainer Randy Gottwald. Das Spiel der B-Jugend, in der sich mit Colin Raak, Dominik Deumer oder Leon Schneider noch viele weitere Talente tummeln, hat Geisler als Spielmacher mit der Nummer 10 auf dem Rücken geprägt. "Niklas hat sich über die Saison enorm entwickelt, vor allem auch in der Ball-Rückeroberung. Er ist ein überragender Mannschaftsspieler, könnte aber noch ein wenig torgefährlicher werden", schmunzelt König. Mit sieben Toren wurde Geisler drittbester Schütze seines Teams, den letzten Treffer der Saison erzielte er beim finalen 3:0-Sieg über Hertha BSC II, als der Aufstieg in die Bundesliga perfekt gemacht wurde.

Für Niklas Geisler, der nach den Ferien die 11. Klasse besuchen und sein Abitur in Angriff nehmen wird, war das der größte Erfolg in seinem bisherigen sportlichen Schaffen - und das Werk einer besonderen Mannschaft. "Wir haben eine gute Truppe mit einer Mentalität, wie ich sie noch nie erlebt habe. Auch unser Trainerteam hat super harmoniert." Eben jenes spielt den Pass gerne zurück und sagt: "Sicherlich ist die fußballerische Qualität wahnsinnig hoch in diesem Jahrgang, aber wie die Jungs sich mit der Aufgabe und Energie Cottbus identifiziert haben, war beeindruckend - ein echter Mentalitätsjahrgang. Das waren 20 Cottbuser Jungs." Für Gottwald "auch ein Verdienst aller Heimatvereine, die diese Jungs zu uns gebracht haben".

Ein Problem hat der 2000er Jahrgang, der nun in den A-Jugend-Bereich hoch wechselt, trotzdem: Er muss wieder in der Regionalliga ran, da die bisherige U 19 der Cottbuser aus der Bundesliga abgestiegen ist. Wenn Niklas Geisler also irgendwann nochmal mit Energie Cottbus Bundesliga spielen will, muss er in der kommenden Saison erneut aufsteigen. Aber 2017 muss ja nicht der letzte Sommer seines Lebens gewesen sein.

Alle Talente finden Sie unter www.lr-online.de/talente

Zum Thema:
Alter: 16
Verein: FC Energie Cottbus
Trainer: Sebastian König und Randy Gottwald
Vorbilder: Philippe Coutinho
Größte Erfolge: Aufstieg in die U 17-Bundesliga, Vize-Weltmeister bei der Schul-WM (2017)
Größtes Ziel: Profi werden
Weitere Hobbies: Playstation und Freunde
Lieblingsessen: Spaghetti Bolognese
In diesen sozialen Netzwerken zu finden: Facebook, Instagram

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Die RUNDSCHAU will es wissen: Wo sind in der Lausitz die Talente versteckt, die eines Tages für Deutschland die olympischen Medaillen aus dem Feuer holen? Haben Sie in Ihrem Verein ein Mädchen oder einen Jungen, die schon früh erkennen lassen, dass sie eines Tages die Nachfolger von Diskus-Olympiasieger Christoph Harting oder Bahnrad-Weltmeister Maximilian Levy oder Leichtathletik-Europameisterin Antje Möldner-Schmidt werden könnten? Wir wollen diese Talente kennenlernen. Bitte schreiben Sie uns eine E-Mail an die Adresse: sport@lr-online.de. Betreff: Lausitzer Talente