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Der Meister, der nur Herbstmeister ist

Improvisierte Meisterfeier: FCE-Trainer Renato Neumann (l.) besorgte kurzerhand einen anderen Pokal für seine Mädels.
Improvisierte Meisterfeier: FCE-Trainer Renato Neumann (l.) besorgte kurzerhand einen anderen Pokal für seine Mädels. FOTO: Georg Zielonkowski
Cottbus. Die Kreisliga-Frauen von Energie Cottbus haben das letzte Spiel gewonnen und sind Meister. Dennoch herrscht große Verwirrung bei den Fußball-Damen. Denn die Saison soll nun verlängert werden. Steven Wiesner und Georg Zielonkowski

Eigentlich hat Tina Richter am Wochenende durch das 5:1 gegen Drachhausen mit den Frauen des FC Energie Cottbus den Titel in der Kreisliga gewonnen. Wie ein Champion hörte sich die junge Dame aber nicht an. "Trotz des 5:1-Sieges am letzten Spieltag sind wir in einer Stimmung, als hätten wir die Meisterschaft verloren", gab sie zu Protokoll. "Wir sind zwar Erster, aber freuen können wir uns nicht. Weil wir nicht wissen, ob wir nun Meister sind oder nicht."

In der Kreisliga der Frauen herrscht Verwirrung. Seit vielen Jahren spielen die Damen nach dem russischen Vorbild innerhalb eines Kalenderjahres von März bis Oktober. Da dieser Spielplan aber vor allem Pflichtspiele im Sommer beinhaltet, die Urlaubspläne durchkreuzen, wurde vorgeschlagen, die nächste Saison wie die Männer von Juli bis Mai zu spielen. Das bedeutet aber auch, dass nun nach dem Ende der Saison 2016 bis zum Start der neuen Spielzeit 2017 ein Loch von einem halben Jahr entstünde. "Wir wollen aber nicht, dass die Mädels ein halbes Jahr in der Luft hängen", erklärt Staffelleiter David Chollee (ehem. Bohrisch). Also bereitete der Fußballkreis Niederlausitz eine Abstimmung vor, wie die Pause genutzt werden soll. Die Mehrheit der Vereine sprach sich drei Spieltage vor dem ursprünglichen Saisonende dafür aus, die Saison nicht einfach zu beenden und ein paar Freundschaftsspiele bis Juli zu bestreiten, sondern vielmehr ein drittes Drittel hinten dranzuhängen, das mit in die Wertung der aktuellen Serie eingeht. Insofern wäre Meister Energie Cottbus doch nur ein Herbstmeister.

Obschon Chollee die Entscheidung als "hieb- und stichfest" bezeichnet, sieht manch einer in diesem Beschluss einen Verstoß gegen die Wettspielanweisung, die vor einer jeden Saison herausgegeben wird. Nicht zuletzt Energie-Trainer Renato Neumann: "Das ist sportlich nicht sauber. Wir sind Kreismeister geworden, das ist und bleibt der Fakt." Für den Fußballkreis zählt aber nur der Mehrheitsentscheid der Vereine. Neumann will nun Protest einlegen - oder in einer dritten Runde nicht mehr antreten.