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Der Fußballgott als Lebensretter

Die Energie-Profis feiern nach einem verrückten Spiel in Bielefeld ihren ersten Auswärtssieg seit mehr als einem Jahr.
Die Energie-Profis feiern nach einem verrückten Spiel in Bielefeld ihren ersten Auswärtssieg seit mehr als einem Jahr. FOTO: Winter/owe1
Bielefeld. Energie Cottbus ist wieder dran! Nach dem 3:1-Sieg bei Arminia Bielefeld hat der FCE jetzt nur noch zwei Punkte Rückstand auf den Relegationsrang 16. Zwei Treffer von Sanogo, ein Bielefelder Knie sowie der Fußballgott führten Regie in diesem völlig verrückten Abstiegs-Endspiel. Aus Bielefeld berichtet Frank Noack

Ahmed Madouni reckte nach dem Schlusspfiff beide Fäuste in den Himmel, der leicht verletzte Jurica Buljat humpelte von Mitspieler zu Mitspieler, um auch wirklich jeden abzuklatschen: Die Emotionen bei Energie Cottbus fuhren Achterbahn nach dem so wichtigen 3:1 (1:0)-Auswärtssieg in Bielefeld.

Denn dieser Dreier eröffnet dem FCE ganz neue Perspektiven im Kampf um den Klassenerhalt. "Jetzt wird der Abstiegskampf richtig interessant", erklärt Mittelfeldspieler Ivica Banovic. Energie ist bis auf zwei Punkte an Bielefeld und Dresden herangerückt. Relega tionsrang 16 war schon lange nicht mehr so realistisch wie im Moment. "Cottbus hat sich mit diesem Sieg ins Geschehen zurückgebracht", fasst Arminia-Coach Norbert Meier die neue Situation zusammen.

Für die Gäste war es der erste Auswärtssieg seit mehr als einem Jahr. So verrückt wie die FCE-Aufholjagd unter dem neuen Trainer Jörg Böhme, der seinen dritten Sieg im vierten Spiel holte, waren auch diese 90 Minuten vor 15 474 Zuschauern in der Schüco-Arena. Die Lausitzer gingen durch Boubacar Sanogo in der 32. Minute zwar in Führung und hatten nach der gelb-roten Karte für den Bielefelder Jan Fießer (57.) einen zusätzlichen Vorteil. Doch in der Schlussphase überschlugen sich trotzdem die Ereignisse. Auch, weil Energie bis dahin seine Konter nicht zielstrebig ausgespielt hatte.

Nach 80 Minuten kam Bielefeld zum verdienten Ausgleich durch Kacper Przybylko. Die Arminia jubelte, als wäre soeben der Siegtreffer gefallen. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Gastgeber nämlich wieder fünf Punkte Vorsprung auf Energie. Cottbus hingegen war so gut wie tot und hatte die 3. Liga ziemlich konkret vor Augen. "Ich habe auf die Uhr geschaut und gedacht: ‚Zehn Minuten - da ist noch alles möglich'", berichtet aber Innenverteidiger Madouni.

Und in der Tat hatte der Fußballgott noch eine Idee mit Energie Cottbus. In diesem Fall war es zur Abwechslung mal eine positive Idee: Den Schuss von Marco Stiepermann (90.) boxte Arminia-Torhüter Stefan Ortega Moreno ans Knie von Mitspieler Stephan Salger. Vom Knie trudelte der Ball dann eine kleine Ewigkeit in Richtung Tor und fand wirklich den Weg über die Linie. Für Energie war das die Lebensrettung in letzter Sekunde. Ein weiterer Treffer von Sanogo zum 3:1-Endstand (90.+2) war zusätzliches Lebenselixier.

Eigentorschütze Salger kommentiert verbittert: "Das ist Fußball, brutal." Ganz anders natürlich die Gefühlslage bei Energie: "Klar, es war ein glücklicher Sieg. Aber wir haben zuletzt auch oft genug auf die Fresse gekriegt", findet Banovic.

Glücklich oder nicht - Trainer Böhme war es egal. "Der Ausgleich war ein Nackenschlag. Die Mannschaft ist trotzdem zurückgekommen. Das spricht für ihre Qualität und ihre Mentalität", betont Böhme. Jetzt winkt bei einem weiteren Sieg im Heimspiel gegen 1860 München an diesem Mittwoch (17.30 Uhr) sogar der Sprung auf Relegationsrang 16.

Der Fußballgott scheint wieder Gefallen am FC Energie gefunden zu haben. Er hat ihn in Bielefeld jedenfalls erfolgreich reanimiert.

Zum Thema:
Gewinner: Boubacar Sanogo hat seine Torjäger-Qualitäten wiedergefunden. In Bielefeld gelang ihm sogar ein Doppelpack. Zuvor hatte er auch in den Spielen in Köln sowie gegen Karlsruhe getroffen. Läuft es bei Sanogo, dann läuft es bei Energie - das macht Hoffnung für den Saison-Endspurt. Mit zehn Treffern belegt Sanogo Rang drei in der Torjägerliste. Verlierer: Stephan Salger hätte sich am liebsten im Rasen der Schüco-Arena vergraben. Mit seinem Eigentor brachte er Arminia Bielelfeld in der 90. Minute auf die Verliererstraße und bescherte Energie einen wichtigen Dreier im Abstiegskampf.