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Fußball
Von Cottbus an die Copacabana

Marcelo de Freitas Costa hat in der bisherigen Saison nur ein Cottbuser Pflichtspiel verpasst. Der Neuzugang hat sich zur festen Größe entwickelt.
Marcelo de Freitas Costa hat in der bisherigen Saison nur ein Cottbuser Pflichtspiel verpasst. Der Neuzugang hat sich zur festen Größe entwickelt. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Der Energie-Brasilianer Marcelo freut sich nach einem starken Jahr auf den Urlaub in der Heimat.

Eisige Temperaturen im Stadion der Freundschaft – und trotzdem erlebte das Publikum am Samstag einen Copacabana-Augenblick. Zumindest hatte Marcelo in jener Szene wohl schon den Strand in seiner brasilianischen Heimat im Sinn: Gegen Neustrelitz lief der Energie-Brasilianer alleine auf das Tor zu und zauberte wie im Sand.

Ein herrlicher Lupfer für die Galerie – und ein ziemlich hässliches Geräusch für einen Fußballspieler: Der Ball landete nämlich nicht im Netz, sondern ploppte auf die Torlatte. Draußen an der Seitenlinie gestikulierte Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz wütend und zeigte an: Junge, schieb den Ball einfach unten rein!

Weil Energie trotzdem locker mit 4:1 gewann, und Marcelo seinen Anteil an der sensationellen Winter-Bilanz der Cottbuser hat, ließ der Trainer später aber mal alle Fünfe gerade sein und sagte: „Ich kann es nachvollziehen, dass nach diesem starken Jahr und der frühen Führung dann auch etwas die Spannung nachlässt.“

Mit besten Wünschen verabschiedete der Trainer seinen Schützling am Montag in Richtung Brasilien. Vor fast genau einem Jahr hatte Marcelo noch als Tribünengast im eiskalten Stadion der Freundschaft gesessen. Beim Cottbuser Testspiel gegen seinen Ex-Club Neugersdorf saß er sogar zwischen zwei Stühlen, der Wechsel zum FCE war ungewiss. Bei Energie musste viel Aufwand betrieben werden, um für den Brasilianer eine Aufenthaltsgenehmigung und damit auch die Spielgenehmigung zu bekommen. Und Marcelo? Der wusste nicht, ob die Entscheidung für Energie die richtige war. Er berichtet: „Mit meinem Berater haben wir uns gesagt: Wir schauen uns das mal ein Jahr an. Und jetzt ist alles super. Ich spiele immer 90 Minuten. Und dieses Vertrauen, das mir der Trainer gibt, ist sehr wichtig.“

Tatsächlich setzt Wollitz große Stücke auf die Passqualitäten des 23-Jährigen. In 21 von 22 Pflichtspielen kam Marcelo in dieser Saison zum Einsatz, meist über die kompletten 90 Minuten. Nur in der ersten Pokalrunde hatte Wollitz ihn geschont.

Seine Frau Scarlett und das siebenjährige Töchterchen sind inzwischen auch aus seinem Geburtsort Limeira nach Cottbus gekommen. Damit ist für Marcelo ein großer Wunsch in Erfüllung gegangen. Er sagt: „Wenn sie bei mir ist, kann ich viel bessere Leistungen bringen. Es war ein sehr gutes Jahr für mich.“ Fakt ist: Marcelo hat sich taktisch und körperlich deutlich weiterentwickelt, er ist inzwischen eine Konstante und auch ein Wortführer auf dem Feld.

Für 2018 wünscht sich der Brasilianer – na klar – den Aufstieg in die 3. Liga. An die Relegationsspiele mag er trotzdem noch nicht denken. Er sagt: „Wir sind konzentriert und auch demütig. Wir denken nur von Tag zu Tag, aber nicht sechs Monate im Voraus. Ich denke, wir werden zum richtigen Augenblick dann auch bereit sein.“

Erst einmal denkt Marcelo ohnehin nur an die Heimat. Er sagt: „Ich freue mich auf meine Eltern, die Freunde, den Strand – alles was ich sechs Monate nicht hatte, will ich in den nächsten Wochen genießen.“