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| 09:26 Uhr

Fussball
DFB kritisiert die 3. Liga

Die 3. Liga ist für die Fußball-Clubs, hier der Hallesche FC gegen Hansa Rostock, mehr denn je eine finanzielle Gratwanderung. Der DFB will den Vereinen zu einem besseren wirtschaftlichen Fundament verhelfen.
Die 3. Liga ist für die Fußball-Clubs, hier der Hallesche FC gegen Hansa Rostock, mehr denn je eine finanzielle Gratwanderung. Der DFB will den Vereinen zu einem besseren wirtschaftlichen Fundament verhelfen. FOTO: ZB / Hendrik Schmidt
Frankfurt/Main. Mit Zuckerbrot und Peitsche will der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die 3. Fußball-Liga auf Erfolgskurs halten und die Vereine vor Wagnissen bewahren. Der Blick auf die vergangene Saison zeigt: Die 3. Liga bleibt ein schwieriges Feld. Von Harald Pistorius

Die 3. Fußball-Liga ist auf Erfolgskurs – aber beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) sorgt man sich um die wirtschaftliche Entwicklung mancher Vereine. Bei der offiziellen Vorstellung des Saisonreports 2017/18 wurde deutlich: Die Clubs geben in der neuen Saison im Schnitt deutlich mehr Geld aus für Spieler und Trainer. Der DFB setzt bei der Therapie auf Zuckerbrot und Peitsche.

Im Schnitt gibt demnach jeder der 20 Vereine, darunter Aufsteiger Energie Cottbus, in der laufenden Saison rund 3,7 Millionen aus für die Gehälter der Profis und des Trainerteams, zwischen knapp unter zwei bis über sechs Millionen Euro spreizen sich die Personalkostenetats.

 „Das sind etwa 20 Prozent mehr als in der vergangenen Saison – und das ist zu viel. Einige Clubs haben nicht den Willen zum positiven Ergebnis“, sagt Manuel Hartmann, beim DFB als Abteilungsleiter Spielbetrieb verantwortlich für das Zulassungsverfahren.

Der Blick auf die vergangene Saison, in der Energie Cottbus noch Regionalligist war, bestätigt den DFB-Manager: Nur vier Vereine schlossen 2017/18 mit einem positiven Ergebnis ab, das durchschnittliche Minus lag bei 662 000 Euro, und elf Vereine wiesen ein negatives Eigenkapital aus – eine Gefahr für die wirtschaftliche Existenz, die Rot-Weiß Erfurt und der Chemnitzer FC unabhängig vom sportlichen Abstieg verloren.

Nichts trübt das attraktive sportliche Image der 3. Liga mehr als Berichte über wirtschaftliche Schieflagen bis hin zur Insolvenz. Dabei kann sich die Liga gerade in dieser Saison sehen lassen: Der Zuschauerschnitt lag nach elf Spieltagen bei 8300 (Vorjahr: 6132), die TV-Präsenz ist so hoch wie nie, der sportliche Wettkampf eng und reizvoll.

„Es hat insgesamt einen deutlichen Schub nach oben gegeben“, sagt die zuständige DFB-Direktorin Heike Ulrich und verweist auf viele sportliche Überraschungen. Erstmals könnte die deutsche 3. Liga ihr englisches Pendant im Zuschauerschnitt überholen. Bei den Live-Spielen der ARD-Regionalsender schalten im Durchschnitt 330 000  ein, die Telekom meldet bei Top-Spielen mehr als 100 000 Zuschauer.

Der Einstieg der Telekom hat die TV-Erlöse um 25 Prozent gesteigert. Jeder Verein bekommt aus der Zentralvermarktung und Fördergeldern durch den DFB in dieser Saison 1,28 Millionen Euro. Darin enthalten sind TV- und Marketingerlöse sowie die gerade eingeführten Sondermaßnahmen „Financial Fairplay“ und „Nachwuchsfördertopf“. Das ist im Vergleich zur Auftaktsaison 2008/09 eine Steigerung um 135 Prozent, im Vorjahr gab es 937 000 Euro pro Club.

„Auf dieser Basis mit einem durchschnittlichen Etat von 7,5 Millionen Euro ist es definitiv möglich, Profisport zu betreiben“, sagt DFB-Abteilungsleiter Hartmann, „und es ist möglich, in der 3. Liga positive Saisonergebnisse zu erzielen.“

Mit Zuckerbrot und Peitsche will der DFB die Clubs in die richtige Richtung lenken. Dem an dem DFL-Modell orientierten Zulassungsverfahren folgt eine enge Begleitung während der Saison – mit Beratung, Strafen bis hin zum Punktabzug sowie ab dieser Saison mit Bonuszahlungen für gutes Wirtschaften.

550 000 Euro, die mit Zustimmung der Vereine aus den Erlösen der Zentralvermarktung abgezweigt wurden, werden am Ende der Saison unter den Clubs aufgeteilt, die mit einem positiven wirtschaftlichen Ergebnis abschließen und ihre Planzahlen erfüllen. Das Financial Fairplay ist ein erster großer Schritt, weitere sollen folgen und werden mit den Vereinen im „Arbeitskreis Finanzen“ ausgetüftelt.

Knapp drei Millionen Euro stehen aus DFB-Mitteln zur Verfügung, um den Beitrag  der 3. Liga bei der Nachwuchsförderung zu honorieren. Die Führung von Nachwuchsleistungszentren wird belohnt, dazu werden Zuschüsse nach Einsatzminuten von U21-Spielern ausgeschüttet. Gelder, die allerdings nur für den gemeinnützigen Teil der Vereine verwendet werden dürfen.

Die 3. Liga wird ein schwieriges Feld bleiben, die Kluft zur 2. Bundesliga ist trotz der Steigerungsraten, die der DFB am Mittwoch verkündete, gewachsen. Aber der DFB hat die 3. Liga mehr im Blick als noch vor einigen Jahren und tut viel, um den Vereinen eine Perspektive zu geben. Eine Perspektive, die auch eine dauerhafte Existenz in dieser Spielklasse lohnenswert macht und nicht allein dominiert wird von einem gefährlichen Rattenrennen um die Aufstiegsplätze zur 2. Bundesliga.