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| 18:33 Uhr

Ernüchterung nach dem 0:6-Debakel in Wolfsburg
Das sind die Baustellen von Energie Cottbus

 Energie Cottbus (hier Felix Geisler/l.) stand gegen Wolfsburg auf verlorenem Posten.
Energie Cottbus (hier Felix Geisler/l.) stand gegen Wolfsburg auf verlorenem Posten. FOTO: Chiara Herber
Cottbus. Energie Cottbus kassiert mit dem 0:6 beim VfL Wolfsburg II eine der höchsten Testspiel-Niederlagen in der Vereinsgeschichte. Knapp zwei Wochen vor dem Saisonstart gibt es viele Baustellen. Zu viele? Von Frank Noack

An diesem Dienstag wird bei Energie Cottbus das offizielle Mannschaftsfoto für die neue Saison geschossen. So mancher Fotograf dürfte sich dann womöglich wundern, wie wenig Spieler diesmal im Stadion der Freundschaft vor der Linse stehen.  Denn auch knapp zwei Wochen vor dem Start der Regionalliga-Spielzeit 2019/20 ist das neue Team, das die vom Verein ausgerufene „Mission Wiederaufstieg“ angehen soll, bestenfalls in Ansätzen zu erkennen.

Das 0:6 (0:3) am Samstag beim VfL Wolfsburg II war eine der höchsten Testspiel-Niederlagen in der Vereinsgeschichte und hat für Ernüchterung gesorgt. Denn der FCE bot im Duell mit dem Nord-Regional­liga-Meister der zurückliegenden Saison über weite Strecken nicht nur eine enttäuschende Leistung. Er war „unter dem Strich chancenlos“, wie Trainer Claus-Dieter ­Wollitz den Klassenunterschied – zumindest an diesem Tag – zusammenfasst.

Die RUNDSCHAU nennt die ­aktuell größten Baustellen des FCE.

Der Kader: Am 27. Juli startet Energie mit dem Heimspiel gegen die VSG Altglienicke in die Saison. Bis jetzt gleicht die Mannschaft eher einem Rumpfteam. Von den 22 Plätzen im Kader sind erst 16 besetzt. Bedenkliche Lücken gibt es in allen Mannschaftsteilen. Nach der schweren Knie-Verletzung von Tim Stawecki besteht das Torhüter-Gespann derzeit aus den Youngstern Lennart Moser (19 Jahre) und Julian Simon (17). Auf den Außenbahnen wird weiter fleißig getestet.  „Wir haben derzeit keine ausgewogene Mannschaft. Wir haben Probleme auf den beiden Außenverteidiger-­Positionen, die Dreierkette hat in der Organisation auch nicht gut funktioniert. In der Offensive fehlt ebenfalls die Abstimmung“, lautet das ernüchternde Fazit von Trainer Wollitz nach dem 0:6 in Wolfsburg.

Die Probespieler: Mit Marcel Rausch (23) vom BFC Dynamo und ­Darius Stawski (18/VfL Bochum) stellten sich am Samstag neue Probanden vor. Akzente setzen konnten sie nicht, was angesichts der Unterlegenheit des gesamten Teams ­allerdings auch schwierig war. Weiterhin um einen Vertrag kämpfen Kevin Bönisch (Budissa Bautzen), Enis Bytyqi (Würzburger Kickers) und Vaclav Heger (VfB Auerbach).

Danny Breitfelder ist dagegen zu den Sportfreunden Lotte zurück­gekehrt und kam am Wochenende bereits wieder beim Drittligisten zum Einsatz. Der in Lauchhammer geborene Stürmer wird wohl nicht zum FCE wechseln.

Die Neuzugänge: Wollitz macht keinen Hehl daraus, dass der ­Kader noch längst nicht komplett ist – und er mahnt: „Wir brauchen dringend noch Spieler mit Qualität, Spieler auf Topniveau. Wenn diese Spieler nicht bei uns zusagen, dann wird es eine schwierige Saison. Vor allem für die jungen Spieler, die wir nachhaltig begleiten wollen.“

Im Budget sind zwar noch zwei oder drei Spieler mit diesen Qualitäten vorgesehen und auch bereits kontaktiert. Aber es gibt weiterhin keine Zusagen von diesen Spielern wie zum Beispiel Tunay Deniz vom Berliner AK. Dem Vernehmen nach hofft der torgefährliche BAK-Mittelfeldspieler auf einen Wechsel in die ­Türkei. Sollten sich diese Hoffnungen zerschlagen, könnte der FCE zum Zuge kommen.

Die Sorgenkinder: Der als Abwehrchef und Leitwolf fest eingeplante Robert Müller musste aufgrund von Rückenbeschwerden auch in Wolfsburg passen. Er hat  noch kein einziges Testspiel absolviert. Andere Spieler wie die lange verletzten Paul Gehrmann, Daniel Stanese und ­Jonas Zickert suchen nach wie vor ihren Rhythmus. Zumal Stanese und Zickert noch ohne Vertrag sind. ­Stabilität können sie dem Team in der aktuellen Verfassung nur bedingt geben.

Vor allem in athletischer Hinsicht waren die Lausitzer in Wolfsburg unterlegen und lagen bereits nach gut einer halben Stunde mit drei Toren hinten. „Die Wolfsburger Mannschaft war athletischer, spritziger und hatte eine bessere ­Abstimmung. Bei uns haben viele Spieler keinen Rhythmus“, räumt Wollitz ein.

Die Planung: Am Mittwoch testet Energie Cottbus beim VfB Krieschow (19 Uhr). Ein Erfolgserlebnis ist jetzt eigentlich Pflicht gegen den Ortsnachbarn aus der Oberliga Süd. Zumal nach wie vor nicht klar ist, ob die für kommenden Samstag im Stadion der Freundschaft geplante Generalprobe vor dem Saisonstart überhaupt stattfinden kann. Denn der Verein hat immer noch keinen Testspielgegner gefunden.

 Claus-Dieter Wollitz verliert mit Energie Cottbus in Wolfsburg.
Claus-Dieter Wollitz verliert mit Energie Cottbus in Wolfsburg. FOTO: Peter Aswendt