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| 15:07 Uhr

Fußball
Frostige Stimmung auf dem Sonnenplatz

Halberstadts Adli Lachheb musste früh im Spiel mit Gelb-Rot vom Platz Doch Energie konnte trotz 2:0-Führung und einer Stunde Überzahl daraus keinen großen Nutzen ziehen.
Halberstadts Adli Lachheb musste früh im Spiel mit Gelb-Rot vom Platz Doch Energie konnte trotz 2:0-Führung und einer Stunde Überzahl daraus keinen großen Nutzen ziehen. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Der 3:1-Heimsieg gegen Halberstadt löst bei Spitzenreiter Energie Cottbus keine heißen Jubelstürme aus – im Gegenteil. Die Stimmung ist frostig.

Cottbus Eine Brandrede bei Minusgraden: Nach dem 3:1-Heimsieg des FC Energie gegen Germania Halberstadt holte Trainer Claus-Dieter Wollitz seine Mannschaft im Mittelkreis zusammen – und verpasste ihr einen deftigen Rüffel. Frostige Stimmung beim FCE, obwohl Energie weiter ungeschlagen den Platz an der Sonne in der Regionalliga innehat. Wollitz erklärte: „Wer nach diesem Spiel zufrieden ist, der ist falsch im Beruf. Im Moment fehlt die letzte Disziplin. Und das entspricht nicht dem Charakter der Mannschaft.“

Die Laune des Cheftrainers war tiefer als die Temperaturen im eisigen Kühlschrank der Freundschaft gesunken. Dabei hatte seine Mannschaft herzerwärmend begonnen: Der Treffer von Streli Mamba (3. Minute) lenkte das Spiel schnell in die richtige Eisbahn. Angesichts des groben Fehlers von Gäste-Keeper Fabian Guderitz schüttelte Halberstadts Trainer Andreas Petersen frustriert den Kopf. Der Vater des ehemaligen Energie-Torjägers Nils Petersen verdeutlichte: „Unser Matchplan ist nach fünf Minuten in die Hose gegangen. So ein Klops darf gegen Energie nicht passieren.“

Kevin Rauhut ersetzte den angeschlagenen Avdo Spahic.
Kevin Rauhut ersetzte den angeschlagenen Avdo Spahic. FOTO: Steffen Beyer

Für die Cottbuser lief es weiter wie für die deutschen Bobs in Pyeongchang: Die völlig umformierte Hintermannschaft, in der Neuzugang Kevin Rauhut den angeschlagenen Stammkeeper Avdo Spahic ersetzte und Paul Gehrmann eine Dreierkette dirigierte, funktionierte. Im Mittelfeld sorgten vor allem Alexander Siebeck und Marcelo für klare Aktionen. Energie zwang den Aufsteiger zu Fehlern und Fabio Viteritti erhöhte mit einem Traumtor (siehe Extra-Text) auf 2:0 (23.). Als dann noch der Halberstädter Abwehrhüne Adli Lachheb früh die gelb-rote Karte (31.) sah, war die Bahn für einen Kantersieg blanker poliert als im olympischen Curling-Finale.

Doch in der zweiten Halbzeit tauten die schockgefrosteten Gäste aus der Würstchenstadt auf. Energie agierte ohne die letzte Konsequenz und verlor die Ordnung. Das brachte den Trainer richtig auf die Palme: „Wir hatten ein großes Loch im Zentrum. Die Spieler sind wild durch die Gegend gelaufen, mit der Hoffnung: Vielleicht kommt ja ein Ball durch und ich kann ein Tor erzielen.“ Das tat zwar Streli Mamba, der beim 3:0 (80.) seinen 14. Saisontreffer verbuchte. Doch das Gegentor zum 3:1-Endstand durch Florian Beil (84.) war mehr als verdient. Mit etwas mehr Glück hätten die Gäste den Spitzenreiter sogar noch mehr in Bedrängnis bringen können.

Torjäger Streli Mamba erzielte seine Saisontreffer 13 und 14.
Torjäger Streli Mamba erzielte seine Saisontreffer 13 und 14. FOTO: Steffen Beyer

Für Wollitz ein Graus, für die 3626 fröstelnden Zuschauer im Stadion zumindest ein kleines Ärgernis. FCE-Routinier Tim Kruse erklärte selbstkritisch: „Wir haben es ein bisschen zu locker genommen. Wir haben zu klar geführt, da haben dann ein paar Prozente gefehlt.“

Dass Energie selbst ohne diese „paar Prozente“ schon im Februar den elften Heimsieg einfrieren konnte, macht die Cottbuser Dominanz deutlich. Doch die Mannschaft sollte das Thermostat im Auge behalten. Spätestens im Mai muss die Betriebstemperatur stimmen. Mit Tiefkühl-Fußball wird es in den  Aufstiegsspielen sicher nicht funktionieren. Da erwartet Energie stattdessen ein heißer Tanz.