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| 16:46 Uhr

Fußball
Ein Energie-Trumpf in den Aufstiegsspielen

Co-Trainer Frank Eulberg ist bei Energie Cottbus ein Experte für den Fußball-Norden.
Co-Trainer Frank Eulberg ist bei Energie Cottbus ein Experte für den Fußball-Norden. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Frank Eulberg könnte für Energie Cottbus ein Trumpf in den Aufstiegsspielen sein. Der Cottbuser Co-Trainer kennt die Regionalliga Nord bestens. Und mit Flensburgs Coach ist noch eine Rechnung offen. Von Jan Lehmann

Sommer 2001. Trainer Frank Eulberg ist mit Göttingen 05 Meister der Oberliga Nord. In den Aufstiegsspielen zur 3. Liga geht es gegen Holstein Kiel. Beim Gegner im Angriff: ein gewisser Daniel Jurgeleit. Göttingen verliert in Kiel 0:2, aber im Rückspiel bejubelt die Eulberg-Elf ein 3:0. „Beinahe einer meiner größten Erfolge“, sagt der 55-Jährige. Aber eben nur beinahe: Zwei Tage nach dem Sieg verweigert der DFB die Drittliga-Lizenz. Holstein Kiel und Jurgeleit dürfen hoch. Pikant: Die Kieler erfahren bei der Abschlussfahrt auf Mallorca vom verspäteten Aufstieg. Zufällig im gleichen Hotel: Göttingen 05.

Doch im Fußball sieht man sich nicht nur zweimal im Leben – sondern oft zweimal pro Saison. Für Frank Eulberg, den Co-Trainer von FCE-Coach Claus-Dieter Wollitz, könnte es nun mal wieder ein Aufeinandertreffen mit Daniel Jurgeleit geben. Der ist inzwischen Cheftrainer von Weiche Flensburg und steht knapp vorm Titel in der Regionalliga Nord. Die Flensburger dürfen im Nachholspiel am Mittwoch in Havelse nur nicht verlieren, dann sind sie Meister.  Es spricht also viel dafür, dass es das Wiedersehen gibt – bei den Aufstiegsspielen.

Die Wege von Eulberg und Jurgeleit haben sich nach dem Lizenz-Drama später in der Regionalliga Nord gekreuzt. Der heutige Cottbuser war mit dem Goslarer SC neu in der Spielklasse, gleichzeitig kam Flensburg mit Trainer Jurgeleit als Aufsteiger ebenfalls in diese Liga. Eulberg sagt: „Seitdem verfolge ich den Weg von Flensburg, habe gegen sie gespielt oder sie mindestens ein- oder zweimal im Jahr beobachtet.“

Wollitz‘ Assistent könnte ein wichtiger Trumpf für die Aufstiegsspiele sein. Eulberg, der aus Salzgitter stammt, in Braunschweig zur Schule gegangen ist und in Wolfsburg wohnt, hat den Fußball-Norden fest im Blick. Vor seinem Job in Cottbus war er als Scout für Holstein Kiel unterwegs. Einsatzgebiet: 3. Liga, Regionalliga Nordost und eben vor allem die Regionalliga Nord.

Zuvor hatte er dort über viele Jahre Spieler, Spiele und Spielsysteme notiert. Wenn man so will: Die Regionalliga Nord ist sein Hobby, fast eine Passion. Es ist deshalb sicher kein Zufall, dass bei Energie mit Lasse Schlüter, Fabian Graudenz (Hamburger SV), Andrej Startsev (Havelse), Kevin Scheidhauer (Wolfsburg), Kevin Weidlich (St. Pauli) oder Paul Gehrmann (Goslar) einige Profis zuvor im Norden aktiv waren. Eulberg gibt sich zurückhaltend: „Ich kannte viele Spieler, aber ,Pele‘ kannte die meisten auch. Sicher war mein Wissen bei der Verpflichtung des einen oder anderen recht hilfreich.“

Eulberg fühlt sich wohl neben Claus-Dieter Wollitz. Dessen Ausbrüche an der Seitenlinie stören ihn nicht. „Wer mit ,Pele’ arbeitet, der weiß, dass seine Emotionen raus müssen. Und da ist es manchmal besser, wenn er sie in meine Richtung rauslässt, als in Richtung Schiedsrichter.“ Eulberg sagt: „Unsere Zusammenarbeit funktioniert gut, die Betreuung am Spielfeldrand ist davon nur ein kleiner Teil.“ Wollitz betont, wie wichtig ihm sein Trainerteam mit Eulberg sowie Sebastian Abt, Torwarttrainer Anton Wittmann und Fitnesscoach Christopher Busse ist. „Es wird oft dargestellt, als sei ich hier der Übervater“, so Wollitz, „aber wir arbeiten im Team.“ Mit Erfolg. Der Regionalliga-Rekord mit sagenhaften 89 Punkten macht Eulberg stolz: „Wir können glücklich sein, dass wir so eine tolle Truppe zusammengestellt haben. Daran hat jeder seinen Anteil.“

Nun ist Eulberg als Scout gefragt. Unlängst war er mit Abt beim Flensburger 3:1-Sieg gegen Wolfsburg II, danach hat er auch noch die Reserve vom Hamburger SV beobachtet. „Wir müssen auch den HSV weiter auf der Rechnung haben“, betont der Cottbuser.

Doch die Wahrscheinlichkeit ist größer, dass der Gegner Flensburg heißen wird. Eulberg warnt: „Das wäre ein sehr unangenehmer Gegner – weil er mannschaftlich sehr geschlossen auftritt und zwei hervorragende Stürmer hat.“ Der Cottbuser Scout weiß, dass noch fünf Spieler zum Kader gehören, die damals mit Flensburg aufgestiegen sind. „Seitdem haben sie sich Jahr für Jahr verstärkt und tabellarisch immer ein Stück verbessert. Das ist eine gewachsene Mannschaft – und das macht sie so stark.“

Eulberg sagt sogar, dass ihm 1860 München als Gegner lieber gewesen wäre. „Die sind vielleicht namhafter besetzt, doch da kennt man die individuellen Stärken besser.“ Bei Flensburg hingegen hat Eulberg erlebt, dass es beim Spiel gegen Wolfsburg gleich auf sieben Positionen Veränderungen gab. „Und es war kein Leistungsgefälle zu erkennen“, berichtet er beeindruckt.

Und es ist noch etwas, was  Flensburg in Eulbergs Augen so gefährlich macht. Er beschreibt: „Wir werden in den Spielen sicher ziemlich oft den Ball haben und unsere Spieler könnten denken: ,Mensch, wir haben ja alles im Griff!‘“ Doch genau darin bestehe die Gefahr. „Flensburg kommt dann urplötzlich und mit einer solchen Wucht nach vorn, da muss man bis zur letzten Minute höllisch aufpassen“, schreibt Eulberg ins Pflichtenheft.

Auf das Wiedersehen mit Daniel Jurgeleit freut sich der Cottbuser Coach, er beschreibt den 54-Jährigen als „angenehmen, sehr  sachlichen Kollegen, der eine tolle Arbeit leistet“. Und dennoch würde Frank Eulberg zu gern die Scharte vom Sommer 2001 auswetzen.

Dann würde dem Cottbuser Nord-Experten ein weiteres, für ihn ganz besonderes Wiedersehen bevorstehen: Mit seinem Braunschweiger Herzensclub, bei dem er früher als Fan in der Kurve stand. Den Drittliga-Abstieg hat Frank Eulberg der Eintracht keinesfalls gewünscht. Doch nun könnte er zumindest eine kleine Lücke in seinem Lebenslauf schließen. Der Fußballlehrer, der im Iran, in Südafrika und sogar schon in Bielefeld als Coach tätig war, hat in seiner langen Laufbahn in fast allen großen Stadien dieser Republik schon auf der Trainerbank gesessen – nur in Braunschweig noch nicht.