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BVB-Trikot spült Millionen zum FCE

Nach Angaben des "Kicker" wechselt Maximilian Philipp (23) für die Ablöse von 20 Millionen Euro vom SC Freiburg nach Dortmund. Bis 2013 trug der Stürmer das Trikot des Energie-Nachwuchses (kleines Bild).
Nach Angaben des "Kicker" wechselt Maximilian Philipp (23) für die Ablöse von 20 Millionen Euro vom SC Freiburg nach Dortmund. Bis 2013 trug der Stürmer das Trikot des Energie-Nachwuchses (kleines Bild). FOTO: dpa
Cottbus. Dank der Zehn-Prozent-Klausel verdient Energie am Wechsel des Ex-Cottbusers Maximilian Philipp nach Dortmund. Die Vertragsklausel ist bei diesem Transfer extrem wertvoll. Manchmal steht sie allerdings auch nur auf dem Papier. Frank Noack

Diese eineinhalb Jahre machen sich für Energie Cottbus jetzt so richtig bezahlt! Obwohl Maximilian Philipp damals kein einziges Spiel für die FCE-Profis absolviert hat, kassiert der Fußball-Regionalligist rund zwei Millionen Euro für den Wechsel des 23-jährigen Nationalspielers vom SC Freiburg zu Borussia Dortmund. Philipp hat am Mittwoch einen Vertrag bis 2022 beim BVB unterschrieben.

Dass der gebürtige Berliner nun das schwarze-gelbe Trikot trägt, spült eine siebenstellige Summe in die Kasse des FCE. Denn beim Wechsel von Philipp nach Freiburg im Januar 2013 ließ sich Energie im Vertrag zusichern, dass bei einem Weiterkauf des Stürmers zehn Prozent der Ablöse nach Cottbus fließen. Laut der Deutschen Presse-Agentur überweist Dortmund dem Vernehmen nach 15 Millionen Euro plus eine mögliche Erfolgs prämie in Höhe von fünf Millionen Euro. Das Fachmagazin "Kicker" spricht sogar von 20 Millionen Euro als Sockelbetrag.

Ist das wirklich wahr? Bekommt Energie Cottbus, das für die neue Saison mit einem Etat von rund 1,3 Millionen Euro plant, jetzt also rund zwei Millionen Euro für Maximilian Philipp? "Ja, es gibt diese Klausel", hat Energie-Präsident Michael Wahlich am Mittwoch auf Nachfrage der RUNDSCHAU bestätigt.

Die Chronologie des Millionen-Deals: Ausgebildet wird Maximilian Philipp zunächst im Nachwuchs von Hertha BSC, mit 14 Jahren wechselte er zu TeBe Berlin. Mit 17 Jahren kommt er zu Energie - zunächst in die U19. Großen Anteil an dem Wechsel im Sommer 2011 hat der damalige Nachwuchs trainer René Rydlewicz, der Philipp von den Entwicklungsmöglich keiten beim damaligen Zweitligisten Cottbus überzeugt. Gegenüber "Bild" erklärt Rydlewicz im Rückblick: "Er hat herausgeragt, sich sportlich ab gehoben." Den Sprung in das Profiteam schafft der Stürmer in dieser Zeit jedoch nicht.

Unter Claus-Dieter Wollitz ab solviert Philipp in der Zweitliga-Saison 2011/12 ein sogenanntes Fördertraining, um näher an die Profis heranzurücken. Aber nach dem Trainerwechsel hin zu Rudi Bommer im Dezember 2011 sinken seine Chancen. Bommer setzt beim Kampf um den Aufstieg in die Bundesliga auf erfahrene Spieler. Zudem gibt es im Energie-Sturm mit Boubacar Sanogo und Marco Stiepermann große Konkurrenz für den noch schmächtigen und schüchternen Youngster. "Es war damals bei uns einfach nicht der richtige Zeitpunkt", sagt Christian Beeck. Der frühere Profi war ab Mai 2012 ein Jahr Sportdirektor des FC Energie und hat in dieser Zeit auch den Wechsel von Maximilian Philipp nach Freiburg inklusive der Weiterverkaufsklausel in Höhe von zehn Prozent eingetütet.

Laut Beeck "ein marktübliches Prozedere". Die Frage, ob Energie das Sturmtalent damals hätte halten können, halten sollen, ja vielleicht sogar halten müssen, ist im Nachhinein blanke Theorie. Denn wegen der gesunkenen Aussichten auf eine Profi-Karriere in Cottbus forcierte Philipp seinen Abschied und nahm das Angebot des SC Freiburg in der Winterpause der Saison 2012/13 gern an. Über die U19 sowie die zweite Mannschaft der Breisgauer reifte er zum begehrten U21-Nationalspieler - und inzwischen zum Millionen-Transfer für Borussia Dortmund.

Sein Debüt in der Bundesliga feierte der Berliner am 5. April 2014 beim Auswärtsspiel des SC Freiburg in Stuttgart kurz vor dem Schlusspfiff.

Solche Weiterverkaufsklauseln, von denen Energie jetzt profitiert, sind zwar üblich im Profifußball, aber sie sind längst keine Garantie für einen Geldsegen wie im Fall Maximilian Philipp. Zum Beispiel hatte der FCE eine solche Klausel auch beim Wechsel von Abwehrspieler Severin Mihm (26) zum SV Babelsberg verankert. Mihm verließ den Verein genau wie Philipp im Januar 2013. Der Traum von einer Bundesliga-Karriere erfüllte sich für ihn jedoch nicht. Nach drei Jahren in Babelsberg wechselte er vor einem Jahr zu Viktoria Berlin. In der kommenden Regionalliga-Saison wird er für den FSV Luckenwalde kicken.

Maximilian Philipp freut sich derweil auf die Champions League mit Dortmund. "Solch eine Riesenchance bekommt man wahrscheinlich nicht oft im Leben", kommentierte der Stürmer, der sich derzeit mit dem U21-Team auf die am 16. Juni startende EM in Polen vorbereitet. Und auch ein Regionalligist wie Energie Cottbus darf sich nicht so oft im Leben über eine Transfereinnahme in Höhe von zwei Millionen Euro freuen.