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Brüder-Doppelpack fürs Geschichtsbuch

Mit Niklas (l.) und Felix Geisler standen erstmals in der FCE-Geschichte zwei Brüder gemeinsam auf dem Platz.
Mit Niklas (l.) und Felix Geisler standen erstmals in der FCE-Geschichte zwei Brüder gemeinsam auf dem Platz. FOTO: Bock
Cottbus. Die Vetschauer Niklas (16) und Felix Geisler (20) sorgen beim Pokalsieg des FC Energie in Blankenfelde für zwei Rekordmarken. Jan Lehmann

Klingt eigentlich unglaublich, ist aber wahr: Bei Energie Cottbus haben in 52 Jahren Vereinsgeschichte noch nie zwei Brüder gemeinsam in einem Pflichtspiel auf dem Platz gestanden - bis zum Mittwochabend. Beim Cottbuser 7:2 (5:1)-Erfolg in der ersten Runde des brandenburgischen Landespokals bei Siebtligist Blankenfelde-Mahlow füllten die beiden Vetschauer Felix Geisler und Niklas Geisler diese so lange klaffende Lücke im Energie-Geschichtsbuch.

Und mehr noch: Der Vereins-Chronist René Stiller, der das virtuelle Energie-Museum (fcenergie-museum.de) leitet, legt sich fest: "Niklas ist auch der jüngste Spieler aller Zeiten, der bei der ersten Mannschaft in einem Pflichtspiel dabei war." 16 Jahre, 8 Monate und 13 Tage - so jung war noch keiner.

Die beiden Geislers legten also einen echten Doppelpack fürs Geschichtsbuch hin. Felix Geisler erklärte am Donnerstag: "Das war natürlich ein besonderer Tag für uns. Unsere Eltern sind bestimmt sehr stolz und mir hat es einfach Spaß gemacht, nach längerer Zeit mal wieder gemeinsam mit Niklas zu spielen - das war ja auch schon eine ganze Weile her."

Und das Zusammenspiel klappte in Blankenfelde bestens. Gleich nach seiner Einwechslung legte Niklas Geisler dem älteren Bruder das Tor zum zwischenzeitlichen 3:1 (32.) auf. Felix Geisler lobt: "Niklas hat sich im Training gezeigt und sich diesen Einsatz verdient." Das findet auch Trainer Claus-Dieter Wollitz, der betont: "Wir haben den Jungen ja nicht spielen lassen, weil er der jüngste Spieler aller Zeiten ist. Wir sehen sein Potenzial."

Niklas Geisler war dabei am Mittwoch nur einer von acht Spielern auf dem Feld, die aus dem Nachwuchsleistungszentrum des FCE stammen. Auch Avdo Spahic (20), Jonas Zickert (19), Malte Karbstein (19), Max Grundmann (19), Leon Schneider (17) und Gabriel Boakye (19) sowie eben sein Bruder Felix wurden dort entwickelt.

So viel Energie-DNA auf dem Platz, auch das klingt rekordverdächtig. Doch der Trainer versucht, die Erwartungen zu dämpfen: "Es versteht sich, dass nicht alle acht Talente gleich zu Stammspielern werden können. Die Jungs müssen Geduld beweisen. Es geht nicht nur um die Spiele. Jedes Training kann den Einzelnen vorranbringen."

Das gilt natürlich auch für den Rekord-Debütanten Niklas Geisler. Dessen älterer Bruder Felix hat schon erlebt, was passieren kann, wenn man im Profi-Geschäft zu ungeduldig ist. Sein Wechsel zum FSV Zwickau kam zu früh. Beim Drittligisten spielte er keine Rolle. Erst mit der Rückkehr nach Cottbus scheint der 20-Jährige wieder sein volles Potenzial zu entfalten. Trainer Wollitz sagt rückblickend: "Dieser Wechsel ärgert mich immer noch. Felix hat ein Jahr verschenkt, er hätte schon weiter sein können."

Kann Niklas von dieser Erkenntnis profitieren. Felix Geisler sagt: "Ich versuche, mich ein bisschen zurückzunehmen. Klar gebe ich Niklas ab und an im Training ein paar Tipps. Aber eigentlich soll er seine eigenen Erfahrungen machen und seinen Weg gehen."

Wohin dieser Weg führt, ist trotz dem Eintrag ins Energie-Geschichtsbuch noch nicht abzusehen. Trainer Wollitz betont: "Es gehört viel dazu, um am Ende oben anzukommen: Durchhaltevermögen, Respekt vor der Aufgabe, die passende Strategie im Verein, eine gesunde Lebensweise - und auch ein bisschen Glück."