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Brasilianisches Blut mit viel Energie

Der Einpeitscher: Publikumsliebling Franklin Bittencourt stieg mit Energie in die Bundesliga auf und konnte die Massen begeistern.
Der Einpeitscher: Publikumsliebling Franklin Bittencourt stieg mit Energie in die Bundesliga auf und konnte die Massen begeistern. FOTO: Imago/IMG1
Cottbus. Neuzugang Marcelo ist der neunte Brasilianer im Trikot von Energie Cottbus. Die meisten seiner Landsleute haben das Gesicht des Vereins geprägt und waren Schlüsselspieler bei den großen Erfolgen des FCE. Es gab aber auch tragische Figuren unter den Kickern vom Zuckerhut. Frank Noack

Das Bild aller brasilianischen Bilder bei Energie Cottbus entstand wahrscheinlich an diesem magischen Freitagabend am 26. Mai 2000. Es zeigt den vor Adrenalin förmlich explodierenden Franklin Bittencourt auf dem Zaun im Stadion der Freundschaft, wie er gemeinsam mit den Fans den ersten Aufstieg des FC Energie in die Fußball-Bundesliga feiert. Der heute 47-jährige Brasilianer war damals als Stürmer der Liebling der Fans, weil er von 1998 bis 2003 in seinen 84 Spielen für den FCE nicht nur 22 Tore erzielte, sondern mit seiner emotionalen Art auch das ganze Stadion mitreißen konnte. Niemand feierte seine Tore so schön mit rudernden Armen und brachte die Tribüne in Wallung wie der kleine Franklin Spencer Miguel Bittencourt, genannt Franklin Bittencourt. Oder eben einfach nur Franklin.

Ein Name, der verpflichtet. Denn auch sein Sohn Leonardo Bittencourt hat in Cottbus tiefe Spuren hinterlassen. Er wurde an der Lausitzer Sportschule ausgebildet und spielte auch als Jungprofi in der Saison 2011/12 für den FCE in der 2. Bundesliga. Inzwischen hat sich Leonardo Bittencourt als U21-Nationalspieler in der Bundesliga etabliert. Seine Stationen: Borussia Dortmund, Hannover 96 und 1. FC Köln. Wie eng seine Verbindung in die Lausitz nach wie vor ist, machte der 23-Jährige Anfang des Jahres deutlich, als er seine Freundin Saskia heiratete - natürlich in Cottbus.

Die brasilianischen Bilder beim FC Energie hat aber auch Vragel da Silva (42) geprägt. Nicht unbedingt mit südamerikanischem Spielwitz, dafür aber mit gesunder Zweikampfhärte. "Ich kenne meine Stärken, aber auch meine Schwächen. Ein super Techniker werde ich ganz sicher nicht mehr", sagte der Verteidiger damals über sich selbst. "Papa", so der liebevolle Spitzname von da Silva, spielte von 2001 bis 2009 für Energie und ließ sich in dieser Zeit gleich zwei Mal eine blutende Platzwunde am Kopf direkt am Spielfeldrand klammern. Mit einem weißen Turban kehrte er zurück ins Spiel.

Dass ausgerechnet dieser Vragel da Silva die Basis dafür geschaffen hat, dass mit Marcelo jetzt wieder ein Brasilianer in Cottbus spielt, ist alles andere als Zufall. Denn als Trainer holte er seinen Landsmann vor genau einem Jahr zu Oberlausitz Neugersdorf. Welchen großen Anteil da Silva an der Entwicklung von Marcelo hat, machte der Neuzugang kürzlich im Gespräch mit der RUNDSCHAU deutlich: "Er hat mir beigebracht, worauf es in Deutschland ankommt. Pünktlichkeit zum Beispiel."

Und ein weiterer Ex-Cottbuser aus Brasilien hat großen Anteil daran, dass Marcelo das Energie-Trikot trägt: Roger de Oliveira Bernardo, kurz Roger (31). Der Bundesliga-Profi des FC Ingolstadt und Marcelo sind befreundet. Von 2009 bis 2012 spielte Roger für Energie. "Natürlich habe ich mich bei Roger erkundigt. Er hat die professionellen Bedingungen in Cottbus gelobt und geraten: ‚Mach das!‘" Während Marcelo jetzt im deutschen Fußball angekommen ist, zieht es Roger wieder zurück in die Heimat. Nach fünf Jahren in Ingolstadt wechselt er im Sommer zu Atlético Mineiro.

Sidney Santos de Brito (2005 bis 2007) brachte es als Verteidiger auf 29 Partien. Aber Brasilianer bei Energie - das war längst nicht automatisch auch eine Erfolgs geschichte. Adi Filho wurde zwar genau wie Franklin Bittencourt für das Toreschießen geholt, avancierte aber zur tragischen Figur. Zwischen 2009 bis 2011 kam er wegen mehrerer Knieverletzungen auf lediglich ein Pflichtspiel. Sein Landsmann Brasilia hatte zwar einen klangvollen Namen und konnte in höchstem Tempo sprinten - mit einem Treffer in 19 Spielen in den Jahren 2001 und 2002 blieb seine Ausbeute aber ebenfalls bescheiden. Der Deutsch-Brasilianer Paulo Rink kam 2002 sogar als Ex-Nationalspieler zum FC Energie. Nach nur einer Saison wurde der Vertrag wieder aufgelöst. Rink (43) ist heute Politiker in Brasilien.