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Bommer: "Heute würde ich mehr um meinen Job kämpfen"

Für Rudi Bommer ist nach knapp zwei Jahren Schluss.
Für Rudi Bommer ist nach knapp zwei Jahren Schluss. FOTO: dpa
Mit Trainer Rudi Bommer startete Energie in die fatale Abstiegssaison 2013/14. Nach vier sieglosen Spielen im November 2013 musste Bommer gehen. Energie war zu diesem Zeitpunkt Vorletzter. Heute sagt Bommer, dass er im Nachhinein besser geblieben wäre.

Rudi Bommer, immer wenn Ihnen daheim langweilig wird, fällen Sie Bäume. Wie sieht Ihr Garten aus?
Oje, da stehen nur noch vier Bäume. Es wird Zeit für einen neuen Job. Es kribbelt wieder, ich muss raus. Nach anderthalb Jahren Pause brauche ich eine neue Aufgabe, meiner Frau gehe ich auch schon tierisch auf den Keks.

Sie galten in Düsseldorf als einer der Trainer-Kandidaten.
Sicher wird man immer wieder mal genannt. Doch die Vereine haben ihre eigenen Vorstellungen. Wichtig ist es, guten Kontakt ins Management zu haben. Das sieht man an Bruno Labbadia. Den hatte Dietmar Beiersdorfer ja schon einmal zum HSV geholt.

Schauen Sie auch aufs Ausland?
Ich gucke mir zwar die europäischen Ligen an. Doch Jobs im Ausland reizen mich nicht. Da hätte ich schon was machen können. Ich arbeite viel zu gern in Deutschland und sehe mir deshalb viele Spiele in meiner Umgebung an. Da ist mit der Eintracht, dem FSV Frankfurt und Wehen Wiesbaden jede Liga vertreten.

Haben Sie auch Energie gesehen?
Live noch nicht, aber ich verfolge das fast jede Woche im TV.

Tatsächlich?
Klar. Zumal ich in Cottbus eine sehr schöne Zeit hatte. Schade, dass Energie im Aufstiegskampf etwas die Luft ausgegangen ist. Sie haben einen guten Kader.

Mit etwas Abstand: Was ist in Ihrer Amtszeit schief gelaufen?
Wir haben die Spiele vergeigt, ganz einfach. Leider auch immer knapp: Zuletzt ein 0:1 in Dresden und ein 0:1 gegen Bochum.

Aber da war Energie auch schon auf deutlicher Talfahrt.
Ja, wir hatten Probleme. Schon im Sommer. Mit Christian Beeck hatten wir Unruhe auf der Torwartposition. Zwei ablösefreie Keeper kosteten plötzlich Geld. Auf anderen Positionen sprangen immer wieder Spieler ab. Trotzdem sind wir gut gestartet.

Bis zum 1:2 in Aue.
Stimmt. Das gab einen Knacks. Obwohl wir vorher noch Paderborn mit 5:1 besiegt haben, war kaum Selbstvertrauen da.

Energie führte 1:0, dann bekam Sanogo nach einem Kopfstoß Rot.
Ja. Mit ihm hatten wir dann ja ohnehin unsere Probleme.

Bei einer Anzahl von Spielen hätte sich sein Vertrag verlängert.
Das wollte er nicht. Stattdessen hat er finanzielle Forderungen gestellt, die der Verein schlicht nicht erfüllen konnte. Es lief dann alles sehr holprig.

Im November war Schluss für Sie.
Ich war angeschlagen und musste unters Messer (Tumor hinterm Ohr; Anm. d. Red.). Das wollte ich nicht an die große Glocke hängen. Ich hatte das Gefühl, ein neuer Trainer könnte neuen Schub geben. Das habe ich mit Uli Lepsch besprochen. Im Nachhinein hätte ich anders entschieden.

Wie denn?
Wenn ich noch einmal die Chance hätte: Heute würde ich mehr um meinen Job kämpfen. Denn danach lief es für Energie ja auch nicht besser.

Mit Ihrem Nachfolger Stephan Schmidt gab es einen Disput um die Fitness der Mannschaft.
(lacht) Ich will es mal so sagen: Da hatte der junge Kollege keinen guten ,Matchplan'.

Mit Rudi Bommer

sprach Jan Lehmann