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| 02:44 Uhr

Blutige Haxen für Lausitzer Kicker

Lothar Lehmann.
Lothar Lehmann. FOTO: Zielonkowski
Cottbus. Energie Cottbus begeht 2016 den 50. Geburtstag. Für die RUNDSCHAU eine gute Gelegenheit, an Personen zu erinnern, die dem Fußballverein lange Zeit sehr nahe standen. Auf dem Rasen, aber auch auf oder hinter den Tribünen des "Stadions der Freundschaft". Heute: Lothar Lehmann (74).

Im heutigen Fußballzeitalter spricht man vom Funktionsteam, wenn von den Physiotherapeuten, Medizinern, Torhüter- und Athletik-Trainern gesprochen wird. Dieses Wort gab es früher nicht, wohl aber die dienstbaren Geister hinter den Kulissen. Auch diese Leute gehören zur 50-jähigen Geschichte von Energie Cottbus. Wie ein Lothar Lehmann, der nach vielen anderen Funktionen schließlich Mannschaftsleiter des 1. Männerteams wurde und damit das Mädchen für alles war ...

Herr Lehmann, wer eine einstellige Mitgliedsnummer bei Energie Cottbus hat, muss dem Verein schon bald nach der Gründung beigetreten sein. Können sie deshalb dieser Tage auch schon ihren 50. Energie-Geburtstag feiern?
Nein, so ganz reicht es dafür nicht, denn ich bin erst am 1. August 1967 der BSG Energie Cottbus beigetreten. War dann bei den Schülermannschaften als Trainer unterwegs und habe auch die Cottbuser Bezirksauswahl unter meinen Fittichen gehabt.

Ganz nah an der Männermannschaft waren Sie dann ab September 1984. Welche Aufgaben hatte ein Mannschaftsleiter damals zu einer Zeit, da Sportmaterial ebenso knapp war, wie auch das wichtige Obst für die Kicker.
Pro Spieler gab es für eine ganze Saison je einen Satz Stollen und Nocken, die eingeschraubt wurden. Mehr war nicht. Auch die Schuhe selbst wurden regelrecht gehätschelt. Jede Woche bin ich zwei Mal zu Schuster Achim Nickel gefahren um von ihm die Fußball-Botten der Jungs reparieren zu lassen. Geputzt und gepflegt haben die Spieler ihre Schuhe selbstverständlich höchst selbst.

Wurde damals auch schon vor den Spielserien in der Fremde trainiert? In den warmen Süden kann es ja wohl nicht gegangen sein ...
Richtig, aber wir hatten im Sommer und im Winter stets eine Alternative. Aufgrund der sehr guten Kontakte zu Lech Poznan konnten wir zwei Mal im Jahr zum Trainingslager nach Wagrowiecz in Polen fahren. Da gab es zwar ähnliches Wetter, wie daheim, aber wir waren weg aus Cottbus und hatten die Mannschaft acht oder zehn Tage rund um die Uhr beisammen.

Wie lief die Verständigung, gab es polnisch-kundige Spieler in der Mannschaft?
Polnisch hat von uns niemand gesprochen. Trotzdem konnte man sich verständigen, denn wir hatten ja immer jemanden an der Seite von den Gastgebern, der etwas deutsch konnte. Manchmal ergaben sich dabei aber auch ganz skurrile Szenen ...

Verraten Sie uns eine?
Unser polnischer Kontaktmann war Karol - ein Unikum durch und durch. Im Sommertrainingslager kam der zu mir mit den Worten ‚Lotare - so nannte er mich grundsätzlich - morgen gibt Golonka bei Mittagessen. Wirst Du sehen, is parso dopsche.' Es handelte sich dabei um Schweinsgeschlachtetes. Aber wir hatten Sommer und 35 Grad und Golonka war der Name von Eisbein und Haxe. Dazu muss man sagen, dass die dortigen Fleischer damals die Schweine nicht ausbluten ließen und deshalb in allen Fasern noch geronnenes Blut zu sehen war. Kein Einziger von uns hat dann davon gegessen. Karol aber wusste Rat: ‚Nich schlimm und keine Problem - bringe ich morgen zu Lech, werden sich freuen'.

Mit Lothar Lehmann sprach

Georg Zielonkowski