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| 08:01 Uhr

Fußball
2019 ist wegweisend für Energie Cottbus

 Die Erfahrung von Routinier Dimitar Rangelov (Mitte) wird Energie Cottbus im Abstiegskampf gewiss helfen. Doch wie entwickeln sich seine jüngeren Kollegen? Und was passiert nach der Saison? Beim FCE ist zum Start ins Jahr 2019 vieles ungewiss.
Die Erfahrung von Routinier Dimitar Rangelov (Mitte) wird Energie Cottbus im Abstiegskampf gewiss helfen. Doch wie entwickeln sich seine jüngeren Kollegen? Und was passiert nach der Saison? Beim FCE ist zum Start ins Jahr 2019 vieles ungewiss. FOTO: Frank Hammerschmidt
Cottbus. Das Fußballjahr 2018 war für Energie Cottbus herausragend, 2019 wird eine Herausforderung. Die RUNDSCHAU wagt den Ausblick in ein wegweisendes Jahr für den Drittligisten. Von Jan Lehmann und Frank Noack

Die sportliche Situation: Als Aufsteiger steht der FC Energie zum Jahreswechsel in der Drittliga-Tabelle über dem Strich. Das ist der versöhnliche Abschluss eines turbulenten Jahres, in dem Energie mit dem Landespokal-Sieg beim SV Babelsberg sowie dem Erfolg in den beiden Aufstiegsspielen gegen den Nord-Meister Weiche Flensburg im Mai eine Woche des Wahnsinns erlebt hatte. Dass Cottbus nach zwei Jahren Regionalliga als Drittligist nun deutlich mehr Gegenwehr zu spüren bekommt, ist eine Herausforderung für Spieler, Trainer und den Verein. Energie muss im ersten Halbjahr 2019 einen Entwicklungsschritt schaffen: Nur wenn sich die Mannschaft noch besser an den Drittliga-Fußball mit robustem Abwehrverhalten, schnellem Umschaltspiel und wenig Platz für Kabinettstückchen anpasst, ist der Klassenerhalt realistisch. Die Hinrunde hat gezeigt: Immer dann, wenn Energie auswärts konzentriert und diszipliniert den eigenen Plan durchgezogen hat, gab es Erfolge wie die in Wiesbaden, Kaiserslautern oder Rostock. In Heimspielen ist es dagegen komplizierter. Dort muss der FCE vorm eigenen Publikum zwar durchaus etwas dominanter auftreten, darf sich aber von den cleveren Drittliga-Teams nicht zu sehr locken lassen. Zuletzt gab es in den Heimspielen zwar viel Ballbesitz, aber zu wenig Durchschlagskraft vor dem gegnerischen Tor.

 

Die Entwicklung der Spieler: Die FCE-Profis haben den Sprung aus dem Amateurfußball in die 3. Liga auf unterschiedliche Art und Weise vollzogen. Dass für erfahrene Spieler wie Marc Stein (33 Jahre) oder Tim Kruse (35) bis zu seiner schweren Verletzung die Umstellung kein Problem war, überrascht nicht. Akteure wie Keeper Avdo Spahic (21), Verteidiger José-Junior Matuwila (27), Allrounder Lasse Schlüter (26) oder auch Mittelfeldmann Marcelo (24) konnten ebenfalls schon ihre Drittliga-Tauglichkeit unter Beweis stellen. Regionalliga-Leistungsträger wie Torjäger Streli Mamba (24), Topscorer Fabio Viteritti (25) oder Kevin Weidlich (29) sind zwar Stammspieler, dennoch schwanken ihre Leistungen. Auch Angreifer Kevin Scheidhauer (26) hat Luft nach oben. Deren weitere Leistungsentwicklung dürfte mit entscheidend im Abstiegskampf sein. Zwei Lichtblicke sind die positiven Entwicklungen von Felix Geisler (21), der sich inzwischen zum Stammspieler gemausert hat, und Leon Schneider (18). Er könnte 2019 den Durchbruch schaffen. Seinen Stammplatz im Kader hat dagegen Andrej Startsev (24) vorerst verloren. Der in der Regionalliga überragende Maximilian Zimmer (26) kämpft in dieser Drittliga-Saison ebenfalls noch um seinen Platz im Team. Akteure wie Marcel Baude (29), Fabian Graudenz (26), Philipp Knechtel (22) oder Max Grundmann (20) spielten bisher so gut wie keine Rolle. Schwer vorstellbar, dass sie 2019 beim FCE auftrumpfen werden.

 

 Ein ausverkauftes Stadion wie beim Aufstiegsspiel gegen Flensburg ist derzeit nicht in Sicht. Das Zuschauerinteresse am FCE flacht ab.
Ein ausverkauftes Stadion wie beim Aufstiegsspiel gegen Flensburg ist derzeit nicht in Sicht. Das Zuschauerinteresse am FCE flacht ab. FOTO: Tino Schulz

Die Neuzugänge: Daniel Stanese (24), der vor der Saison vom VfR Aalen kam, ist bisher vom Pech verfolgt. Nach einer Knieverletzung aus dem Münster-Spiel zog er sich auch noch einen Mittelfußbruch zu. Wann der Kanadier wieder einsatzfähig ist, bleibt offen. Abdulkadir Beyazit (22), den Energie vom Regionalliga-Rivalen Babelsberg holte, konnte noch keine großen Achtungszeichen setzen. Allerdings wurde der Angreifer unter der Maßgabe geholt, ihn langfristig zu entwickeln. Der ehemalige Erstliga-Stürmer Dimitar Rangelov (35) sollte hingegen kurzfristig helfen. Der Bulgare hat nach der Verpflichtung im Herbst schnell seine Rolle als der Mann für die wichtigen Tore und erfahrener Berater der jüngeren Kollegen gefunden. Rangelovs Routine könnte gerade im Endspurt um den Klassenerhalt ein Faustpfand sein. Mit Fabian Holthaus (23) und Lars Bender (30), die sich beide ebenfalls über ein Probetraining empfehlen mussten, erlangte der FCE dank der Drittliga-Erfahrung der beiden Spieler etwas mehr Stabilität. Beiden ist zuzutrauen, dass sie sich in diesem Jahr in der Startelf festspielen.

 

Die Personalplanung: Viel hängt davon ab, wie schnell das Cottbuser Mittelfeld wieder fit wird. Mit Tim Kruse (Achillessehnen-Anriss), Fabio Viteritti (Außenbandriss), Marcelo (Innenbandanriss), Daniel Stanese (Mittelfußbruch), Paul Gehrmann (Schulterverletzung) und Jonas Zickert (Knie-Operation) fehlen gleich sechs potenzielle Mittelfeldspieler. Denkbar, dass sich Energie deshalb in der Winterpause noch einmal verstärkt. Ein möglicher Kandidat wäre Mittelfeldmann Christoph Menz (30). Der ehemalige Zweitliga-Profi von Union Berlin und Dynamo Dresden ist nach der Insolvenzmeldung seines aktuellen Clubs Viktoria Berlin womöglich offen für einen neuen Arbeitgeber. Zudem wird es in diesem Frühjahr darum gehen, die aktuelle Mannschaft in ihrer Grundstruktur zusammenzuhalten. Gleich 18 Verträge laufen im Sommer aus. Ein wichtiger Grundpfeiler wäre wohl die Vertragsverlängerung mit Kapitän Marc Stein, der derzeit unersetzbar zu sein scheint.

 Werner Fahle (l.) hat bei Energie Cottbus das Präsidentenamt von Michael Wahlich übernommen.
Werner Fahle (l.) hat bei Energie Cottbus das Präsidentenamt von Michael Wahlich übernommen. FOTO: Frank Hammerschmidt

 

Das Publikum: Die Erfolge von früher zählen nichts mehr – und selbst die tollen Tage im Mai 2018 sind nur noch eine schöne Erinnerung. Dass Energie Cottbus einst ein Erstligist war, ist an den Zuschauerzahlen derzeit nicht ablesbar. Zuletzt gegen den Traditionsverein Eintracht Braunschweig fanden sich nur noch 6020 Gäste im Stadion der Freundschaft ein. Da steht schon die Frage im Raum: Wo sind eigentlich jene 30 000 euphorisierten Menschen, die im Mai beim FC Energie nach einem Ticket für das Aufstiegs-Rückspiel gegen Weiche Flensburg angefragt haben? Das Stadion war damals ausverkauft, davon ist ein halbes Jahr später nichts mehr zu spüren. Mit einem Schnitt von 7502 Zuschauern pro Spiel liegt Energie fast genau bei der kalkulierten Zahl von 7500 Gästen. Die zuschauerträchtigen Heimspiele gegen die Ost-Clubs Rostock, Jena, Zwickau und Halle sind in dieser Drittliga-Saison allerdings schon durch. Energie muss also 2019 mehr denn je um jeden zahlungswilligen Zuschauer kämpfen.

 

Der Verein: Beim FC Energie gibt es seit dem 1. Januar mit Werner Fahle einen neuen Vereinspräsidenten. Als Nachfolger von Michael Wahlich, der den FCE durch die schwierigen Zeiten der Viertklassigkeit geführt hatte, übernimmt Fahle eine schwierige Mission. Wahlich hatte im Zuge eines Richtungsstreits innerhalb der Vereinsgremien seinen Posten abgegeben. Bisher ist Werner Fahle öffentlich noch nicht groß in Erscheinung getreten. Man muss abwarten, ob er wie Wahlich die Nähe zu den Fans sucht oder eher aus dem Hintergrund agiert. Der 66-Jährige hat als ehemaliger Geschäftsführer eines Bergbau-Dienstleisters in Senftenberg zumindest viel Erfahrung im Umgang mit der Lausitzer Seele. Doppelt schwierig wird es für ihn, weil mit Normen Kothe der langjährige Geschäftsführer am 31. Januar seinen Dienst beendet. Das Wohl des Vereins hängt nun auch davon ab, wie schnell und gut sich dessen Nachfolger, der Cottbuser Rechtsanwalt Karsten Sachs, auf dem Posten einarbeitet.

 

Die wirtschaftliche Situation: Dank des neuen Vertrags mit der Sparkasse Spree-Neiße ist zumindest bis zum Ende der Saison 2019/20 der Profi-Fußball in der Lausitz weiter machbar. Der langjährige Hauptsponsor zahlt nach RUNDSCHAU-Informationen deutlich mehr als eine Million Euro pro Saison an den Verein. Das Kreditinstitut hat zudem bekanntgegeben, dass er die Rechte am Namen „Stadion der Freundschaft“ nicht in Anspruch nehme, sondern den Fortbestand dieser traditionsreichen Bezeichnung garantiere. Die finanzielle Lage bleibt dennoch angespannt. Nach der kürzlichen Modernisierung der Satzung des Vereins könnte deshalb bald das Thema Ausgliederung der Profi-Abteilung auf der Tagesordnung stehen. Viele Mitkonkurrenten des FC Energie haben mit diesem Schritt die Tür für Investoren geöffnet. Dass derartige Geldgeber allerdings 2019 in der Lausitz in Erscheinung treten, ist bisher nicht zu erkennen. Aber das Jahr hat schließlich gerade erst begonnen. Für Energie Cottbus wird es ein reizvolles, schwieriges und wegweisendes Jahr. Klar ist jetzt schon: Der Klassenerhalt in der 3. Liga ist existenziell wichtig für den Verein.