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Fußball
Der Weg aus der Energie-Zwickmühle

Auf dem Spielfeld findet Stammspieler Kevin Weidlich immer wieder die Lücken. Mit Energie Cottbus will der 28-Jährige nun das Schlupfloch zur 3. Liga nutzen.
Auf dem Spielfeld findet Stammspieler Kevin Weidlich immer wieder die Lücken. Mit Energie Cottbus will der 28-Jährige nun das Schlupfloch zur 3. Liga nutzen. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Kevin Weidlich strahlt das aus, was Energie Cottbus so stark macht: Ein großes Verlangen nach dem Drittliga-Aufstieg. Der wäre für Energie gleichzeitig der Weg aus der Zwickmühle.

Das Christkind hieß für Kevin Weidlich dieses Mal Imani-Noel und lag schon Mitte Dezember in der Krippe. Der Energie-Profi ist zum zweiten Mal Vater geworden und erlebte ein besinnliches Weihnachtsfest mit seiner Freundin, dem älteren Sohn Orlando und dem neu geborenen Imani. Der zweifache Vater berichtet glücklich: „Die erste Zeit mit dem Baby ist natürlich etwas anstrengender, aber es macht sehr viel Spaß. Wir haben gemeinsam Weihnachten und Silvester verbracht. Das war mir sehr wichtig, dort habe ich meinen Akku wieder richtig aufgeladen.“

Nun ist der Mittelfeldspieler zurück in Cottbus und ackert mit seinen Kollegen in der Wintervorbereitung. Obwohl er seine kleine Familie in seiner Heimatstadt Hamburg zurücklassen musste, betont Weidlich, wie sehr er sich auf das Wiedersehen mit den Mannschaftskameraden gefreut habe: „Das ist das, was man vermisst, wenn man drei Wochen weg ist. Das Flachsen in der Kabine, den Zusammenhalt. Ich war schon in einigen Mannschaften, aber diesen Teamspirit, den wir hier haben, habe ich so noch nie erlebt.“

Der 28-Jährige ist Stammspieler, sein Wort hat auch in der Kabine großes Gewicht. Und Weidlich ist ein Paradebeispiel für die von Präsident Michael Wahlich beschriebene Zwickmühle, in der der Verein steckt. Der Vertrag des Mittelfeldspielers läuft bis zum Juni und verlängert sich nur im Falle des Aufstiegs um ein weiteres Jahr.

So sieht es bei sechs weiteren Spielern aus. (siehe Grafik) Bei fünf Akteuren endet der Vertrag ohne weitere Klausel in diesem Sommer. Sollte Energie also den angestrebten Aufstieg nicht schaffen, droht das Team auseinanderzufallen. Doch der Verein will den erfolgreichen Kader soweit es geht zusammenhalten. Das Problem: Laut Präsident Wahlich machen viele Spieler eine mögliche Vertragsverlängerung vom Verbleib von Trainer Claus-Dieter Wollitz abhängig.

Weidlich bestätigt: „Ich mache kein Geheimnis daraus, dass der Trainer eine wichtige Rolle spielt. Er ist eine Bezugsperson und seine Zukunft ist mit ausschlaggebend für meine Entscheidung.“ Der FCE-Profi begründet: „Ich halte sehr viel vom Trainer, weil er uns alle einen Schritt weiterbringt. Ich kann mit allen Problemen zu ihm kommen  – aber selbst auch Verbesserungsvorschläge bringen. Er hört zu. So ein Verhältnis tut jedem Spieler gut.“

Doch wie kann Energie die Zwickmühle bei den Vertragsverhandlungen lösen? Weidlich sagt, dass er unter Umständen auch für ein weiteres Jahr 4. Liga mit Energie bereit sei: „Ich fühle mich hier wohl und kann mir alles vorstellen. Ich hatte auch schon gute Gespräche mit dem Verein. In erster Linie konzentriere ich mich aber auf diese Saison.“

FCE Kaderstruktur
FCE Kaderstruktur FOTO: Katrin Janetzko / LR

Der direkte Weg wäre sicher nicht nur Weidlich der liebste: Sollte Energie den Aufstieg schaffen, würde sich die Zwickmühle nahezu von selbst auflösen. Und der 28-Jährige strahlt eine große Überzeugung aus: „Wenn wir so weiter arbeiten, geht der Weg nur in eine Richtung. Das ist mein Hauptfokus.“ Es wird deutlich, das Weidlich seinen Weg in Cottbus noch nicht am Ende sieht. Er sagt: „Ich habe noch nicht in der 3. Liga gespielt. Aber was man so im Fernsehen sieht, da traue ich uns es allemal zu, dort mitzuhalten.“ Der 28-Jährige strahlt das aus, was Energie derzeit so stark macht: Das große Verlangen nach der 3. Liga. Auch für andere Stammspieler wie Streli Mamba, Fabio Viteritti, Marcelo, Lasse Schlüter oder José-Junior Matuwila wäre der Aufstieg der bisherige Karrierehöhepunkt. Andere Akteure wie Maximilian Zimmer oder Kevin Scheidhauer kämpfen nach einer schweren Verletzungen um die Rückkehr in den Profi-Fußball.

Nicht zu vergessen: Auch in Cottbus würden die Gehälter steigen, wenn der FCE in der 3. Liga wieder an den TV-Einnahmen beteiligt werden würde. Der große Drittliga-Hunger könnte für Energie Cottbus in den kommenden Monaten also noch ein wichtiger Faktor werden – im Kampf um den Aufstieg und gegen die Zwickmühle.

Tauziehen im Kraftraum: Bei Kevin Weidlich (r.) verlängert sich der Vertrag wie auch bei Kollege Maximilian Zimmer (l.) nur beim Aufstieg.
Tauziehen im Kraftraum: Bei Kevin Weidlich (r.) verlängert sich der Vertrag wie auch bei Kollege Maximilian Zimmer (l.) nur beim Aufstieg. FOTO: Michael Hundt / Matthias Koch