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| 11:09 Uhr

Fußball
Bayern-Bonus zählt nicht mehr für Energie

Maximilian Zimmer (l.) und Lasse Schlüter gehören zu den Leistungsträgern.
Maximilian Zimmer (l.) und Lasse Schlüter gehören zu den Leistungsträgern. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. An diesem Freitag startet die 3. Fußball-Liga in die neue Saison. Sie ist so attraktiv wie schon lange nicht mehr. Aufsteiger Energie Cottbus muss sich seinen Stellenwert allerdings erst wieder verdienen. Von Frank Noack

Energie Cottbus war in der vergangenen Saison das Maß aller Dinge: souveräner Tabellenführer, Meister und auch Pokalsieger. Kurzum, der FCE war das Highlight schlechthin in der Fußball-Regionalliga Nordost. Das wird sich in der Saison 2018/19 ändern. Denn nach dem Aufstieg findet sich Energie in der 3. Liga an der Seite von namhaften Clubs wie Eintracht Braunschweig und dem 1. FC Kaiserslautern wieder.

Auffällig ist: Wenn in diesen Tagen über die Attraktivität dieser 3. Liga gesprochen wird, dann fällt der Name Energie Cottbus nur selten, was für einen Aufsteiger im Prinzip kein Beinbruch ist, weil es sich in der Rolle des Außenseiters schließlich auch ganz gut um den Klassenerhalt kämpfen lässt. Wichtig wird sein, dass sich der Aufsteiger möglichst schnell an seine neue Rolle gewöhnt. Und auch die einstigen Meriten, die so manchem Regionalliga-Rivalen in den vergangenen beiden Jahren Furcht und Schrecken eingeflößt haben, zählen jetzt nicht mehr. Energie Cottbus hat zwar schon in der Bundesliga gespielt – aber neun andere Dritt­ligisten auch. Trainer Claus-Dieter Wollitz betont zur Diskussion über die Attraktivität der 3. Liga in der bevorstehenden Saison: „Energie Cottbus wird da schon gar nicht mehr genannt, obwohl der Verein schon in der Bundesliga gespielt hat und Bayern München schlagen durfte. Das haben die anderen Vereine aufgeholt. Da müssen wir jetzt versuchen, Schritt zu halten.“

Am 14. Oktober 2000 und am 15. März 2008 gelang dem FC Energie jeweils ein Heimsieg gegen den deutschen Rekordmeister im Stadion der Freundschaft. Es sind Tage, die für die Ewigkeit im rot-weißen Geschichtsbuch und im Gedächtnis der Fans verankert sind. Doch seitdem ist viel Wasser durch die Spree geflossen.

2008 gewann Energie gegen Bayern München mit 2:0. Hier überläuft Doppeltorschütze Branko Jelic den Münchner Philipp Lahm.
2008 gewann Energie gegen Bayern München mit 2:0. Hier überläuft Doppeltorschütze Branko Jelic den Münchner Philipp Lahm. FOTO: Peter Aswendt

Der Verein hat bis zum Abstieg im Jahr 2016 von seiner sportlichen Substanz aus der Bundesliga gezehrt. Erst nach dem bitteren Gang in die Regionalliga wurde in eine neue Spieler-Generation investiert. Profis wie Maximilian Zimmer und Lasse Schlüter, aber auch Eigengewächse wie Malte Karbstein und Felix Geisler geben dem Verein nun wieder eine Perspektive.

Für alle wird es in der 3. Liga deutlich schwerer werden als in der Regionalliga, wo die Mannschaft speziell im zweiten Jahr von Sieg zu Sieg eilte. Der Klassenerhalt ist nach dem Aufstieg jetzt das logische Ziel, um sich dauerhaft im Profi-Fußball zu etablieren. Als Vorbild dient dem FCE dabei nicht ganz zufällig jener Club, gegen den es in der Saisonvorbereitung die einzige Nieder­lage gab: Zweitliga-Aufsteiger 1. FC Magdeburg. „Sie haben sich in der 3. Liga über Jahre kontinuierlich entwickelt und sind den Weg der vielen kleinen Schritte gegangen. Denn große Schritte müssen auch finanzierbar sein. Wenn dieses finanzielle Konstrukt dann ins Wanken geraten sollte, hast du als Verein ein riesengroßes Problem“, erklärt Trainer Wollitz mit Blick auf die finanziellen Herausforderungen.

Der Etat für die Lizenzspielerabteilung beträgt etwa 3,5 Millionen Euro. Energie dürfte sich damit im unteren Drittel der 3. Liga bewegen. Zum Vergleich: Mitaufsteiger 1860 München kann dank des jordanischen Geschäftsmannes Hasan Ismaik mit rund fünf Millionen Euro planen. Und auch KFC Uerdingen hat mit Mikhail Ponomarev einen finanzstarken Investor. Der Unternehmer aus Russland sorgte bereits in der Regionalliga für ein Budget von bis zu vier Millionen Euro. An der Spitze der Etat-Tabelle liegen die Zweitliga-Absteiger Kaiserslautern und Braunschweig mit rund sieben Millionen Euro.

„Natürlich zählen immer die Absteiger zu den Favoriten. wenn man die Rahmenbedingungen sieht, sicherlich auch die Aufsteiger 1860 München und der KFC Uerdingen“, erklärt Braunschweig-Coach Henrik Pedersen.

In der unteren Tabellenhälfte erwarten viele Trainer ein Hauen und Stechen. „Vier Abstiegsplätze sind eine enorme Hypothek. Daher kämpft erstmal mindestens die halbe Liga darum, schnell ans rettende Ufer zu gelangen“, prophezeit Wiesbadens Coach Rüdiger Rehm. Der neue Lotte-Trainer Matthias Maucksch sieht ebenfalls „viele Mannschaften“ im Abstiegskampf. „Außer vielleicht sechs oder sieben Mannschaften müssen sich alle anderen mit dem Gedanken beschäftigen, dass sie unten reinrutschen können. Diese Clubs werden eng beieinander liegen in der Tabelle“, sagt Christian Neidhart vom SV Meppen. Seine Prognose: „Ein kleiner Negativlauf kann schon reichen, um in den Keller zu geraten.“

Auch Energie Cottbus wird sich nach dem Sturmlauf in der vergangenen Saison mit Rückschlägen auseinandersetzen müssen. Trainer Claus-Dieter Wollitz sieht sein Team jedenfalls in der Rolle des Außenseiters im Kampf um den Klassnerhalt: „Als Aufsteiger müssen wir erstmal unsere eigenen Hausaufgaben machen. Ich glaube aber, dass es kein breites Mittelfeld geben wird. Es werden also viele Vereine in den Abstiegskampf involviert sein.“

Aber mit der Rolle des Außenseiters kennt sich Energie Cottbus ja bestens aus. Selbst wenn die Überraschungs-Coups gegen Bayern München jetzt schon einige Jahre zurückliegen, wird der Geist dieser Spiele auch diesmal wieder durch das Stadion der Freundschaft wehen, wenn es zum Start in die neue Drittliga-Saison an diesem Sonntag gegen Hansa Rostock geht (Beginn um 13 Uhr). Dann kann auch der FCE diese 3. Liga bereichern.

Claus-Dieter Wollitz (Energie Cottbus)
Claus-Dieter Wollitz (Energie Cottbus) FOTO: Steffen Beyer
Henrik Pedersen (Eintracht Braunschweig)
Henrik Pedersen (Eintracht Braunschweig) FOTO: imago/Hübner / Susanne Huebner
Matthias Maucksch (Sportfreunde Lotte)
Matthias Maucksch (Sportfreunde Lotte) FOTO: imago/osnapix / osnapix / Titgemeyer