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| 07:55 Uhr

Cottbus
Ausverkauft! Warum ging das so schnell?

Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz freut sich auf eine große Kulisse beim Aufstiegsspiel am 27. Mai im Stadion der Freundschaft.
Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz freut sich auf eine große Kulisse beim Aufstiegsspiel am 27. Mai im Stadion der Freundschaft. FOTO: imago/Steffen Beyer / Steffen Beyer
Cottbus. Eine solche Euphorie gab es lange nicht mehr in Cottbus: Die Karten für das Aufstiegs-Heimspiel waren innerhalb kurzer Zeit vergriffen. Das sorgt für viel Freude beim Verein, aber auch für Frust bei einigen Fans ohne Ticket. Von Jan Lehmann und Frank Noack

Lange Schlangen an den Vorverkaufsstellen, ein Ticketsystem am Rande der Belastbarkeit sowie Energie-Fans zwischen Vorfreude und Frust: Die extreme Kartennachfrage für das Heimspiel um den Aufstieg am 27. Mai hat die Fußball-Lausitz am Montag förmlich überrollt. „Der absolute Wahnsinn“, schrieb der FCE bereits am Mittag auf seiner Internetseite und vermeldete: „Ausverkauft!“

Nicht nur der Verein, sondern auch die Anhänger wurden von der enormen Nachfrage überrascht und sendeten Hilferufe aus. Einer dieser Hilferufe erreichte die LAUSITZER RUNDSCHAU von Lisa Hofmann. Sie ist seit vielen Jahren FCE-Fan und belegte 2009 den zweiten Platz bei der Wahl zur „Miss Energie“. Lisa Hofmann, die in Barcelona lebt und schon die Flüge gebucht hat, schreibt: „Ich war bei jedem Aufstieg dabei und bei jedem Abstieg. Vor zwei Jahren zum Abstieg habe ich mir noch ein riesen Energie-Cottbus-Tattoo stechen lassen und jetzt muss ich wahrscheinlich im Stadion vor verschlossenen Türen stehen. Wenn ihr wirklich noch irgendeine Idee habt, wie ich noch an Tickets kommen könnte, bitte, bitte, bitte helft mir!!!“ Die LAUSITZER WOCHE beantwortet die wichtigsten Fragen rund um den denkwürdigen Ticket-Montag.

„Vize-Miss-Energie“ Lisa Hofmann sucht wie viele Fans noch Karten.
„Vize-Miss-Energie“ Lisa Hofmann sucht wie viele Fans noch Karten. FOTO: Lisa Hofmann

Wann waren die Karten weg?

Um 10 Uhr hatte am Montag der Verkauf der Restkarten begonnen. 90 Minuten später war alles vorbei. FCE-Medienkoordinator Stefan Scharfenberg berichtete: „Bereits nach zehn Minuten waren alle restlichen Sitzplatzkarten weg.“

Warum ging das so schnell?

Lange Schlangen auf dem Cottbuser Altmarkt am Montagvormittag: Alle wollen Tickets – viele Fans gingen trotz des Wartens jedoch leer aus und sind entsprechend frustriert.
Lange Schlangen auf dem Cottbuser Altmarkt am Montagvormittag: Alle wollen Tickets – viele Fans gingen trotz des Wartens jedoch leer aus und sind entsprechend frustriert. FOTO: FC Energie

Energie hatte den Vorverkauf gestaffelt. Von Donnerstag bis Sonntag durften Mitglieder und Dauerkarteninhaber sowie Sponsoren sich vorab ihre Tickets sichern. Dabei waren schon weit mehr als 12 000 Karten verkauft worden. Am Montag bildete sich dann beispielsweise vor der Vorverkaufsstelle auf dem Cottbuser Altmarkt eine lange Schlange, auch im Medienhaus der Lausitzer Rundschau war viel Andrang. Die ingsgesamt 40 Vorverkaufsstellen und der Verkauf über das Ticketportal sorgten dafür, dass die restlichen Karten schnell vergriffen waren.

Wie reagiert der Verein?

Für Energie-Präsident Michael Wahlich ist dieser Ansturm „einfach Wahnsinn“. Der Vereins-Chef erklärte: „Damit hätten wir nicht gerechnet. Aber die Mannschaft hat eine echte Euphorie ausgelöst.“ Beim FCE ist man glücklich über den Zuschauerzuspruch. Wahlich betonte allerdings auch: „Wir wissen, dass es auch viele Fans gab, die ohne Tickets nach Hause gehen mussten. Das tut uns leid, aber mehr Karten konnten wir nicht verkaufen.“ Nach Schätzungen des Vereins lagen die Nachfragen im Bereich von bis zu 30 000 Kartenwünschen.

Warum reagieren einige Fans sehr frustriert?

In den sozialen Netzwerken wurde vor allem die Vergabepraxis des Vereins hart kritisiert. Tenor: Während „treue Fans“ nun ohne Tickets dastehen, hätten sich so genannte „Erfolgsfans“ mit Hamsterkäufen eingedeckt. Präsident Wahlich betonte: „Das stimmt so einfach nicht. Es gab sicherlich einige Käufe in der Größenordnung von 20 bis 30 Tickets. Aber das war nicht in dem Stil, wie das jetzt diskutiert wird.“

Landet ein Teil der Tickets auf dem Schwarzmarkt?

Bereits am Montagvormittag sind Karten auf Ticketportalen im Internet angeboten worden – teilweise zu Wucherpreisen. So gab es dort Stehplatz-Karten für einen Preis von 58 Euro. Ursprünglich haben die 13 Euro gekostet. Wahlich betonte: „Wir rufen die Fans dazu auf, nicht von diesen dubiosen Händlern zu kaufen.“

Ist die FCE-Vergabepraxis unüblich?

Nein. Der letztjährige Meister Carl Zeiss Jena verkaufte die Tickets für das Aufstiegs-Heimspiel gegen Viktoria Köln damals in drei Stufen. Erst kamen Dauerkarten-Inhaber zum Zuge, dann Vereinsmitglieder, danach folgte der freie Verkauf. Im Gegensatz zu Energie durften Dauerkarten-Inhaber und Mitglieder nur jeweils zwei Tickets pro Person erwerben. Auch in Jena war die Nachfrage enorm. „In den freien Verkauf sind nur noch wenige Hundert Karten gegangen“, berichtet Sprecher Andreas Trautmann.

Gab es technische Probleme?

Präsident Wahlich räumt ein, dass es offenbar ein Kommunikationsproblem mit den Vorverkaufsstellen gegeben habe. So konnte nicht allen Dauerkarteninhabern ihr angestammter Platz reserviert werden, weil diese Tickets schon vorab verkauft wurden. Wahlich ist derzeit dabei, die teils sehr wütenden Beschwerden zu beantworten. Er berichtet: „Ich schreibe diesen Fans, dass wir auch nur Menschen sind und uns schlichtweg auch Fehler passieren. Wir entschuldigen uns für den Ärger. Aber man muss bedenken: Wir sind ein Viertligist, der um den Aufstieg in die 3. Liga kämpft. Wir sind kein Bundesliga-Verein.“ Das war auch am Montag zu spüren: Das Ticketsystem geriet an seine technischen Grenzen, brach mehrere Male zusammen.

Was passiert mit den Einnahmen?

Anders als beispielsweise bei Pokalspielen ist es in der Aufstiegsrunde so, dass die Heimmannschaft die kompletten Einnahmen behalten darf. FCE-Präsident Wahlich sagt: „Da geht es uns natürlich besser als beispielsweise Weiche Flensburg, die das Stadion in Kiel für viel Geld mieten müssten.“

Gibt es nochmal Tickets zu kaufen?

Nein. Selbst wenn der Gegner, der aller Voraussicht nach Weiche Flensburg heißen wird, nicht alle Karten aus dem etwa 2000 Plätze umfassenden Gästekontingent verkaufen sollte, wird aus Sicherheitsgründen kein weiterer FCE-Block geöffnet.

Was machen die Fans, die keine ­Tickets haben?

Das Spiel wird im rbb übertragen. Die LAUSITZER RUNDSCHAU berichtet wie gewohnt im Liveticker und bietet auf lr-online.de Texte, Bilder und Videos aus dem Stadion. Bei Energie wird über ein Public Viewing nachgedacht. Präsident Wahlich: „Wir prüfen die technischen und rechtlichen Voraussetzungen.“ Die Fansprecher haben eine Facebook-Gruppe („Energiestammtisch“) gegründet, die auch als Ticket-Tauschbörse genutzt werden kann.