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| 11:27 Uhr

Cottbus kämpft sich aus dem Keller
FCE-Aufschwung mit Ansage und Ausrufezeichen

 José-Junior Matuwila (M.) erzielte in der Nachspielzeit den Siegtreffer.
José-Junior Matuwila (M.) erzielte in der Nachspielzeit den Siegtreffer. FOTO: imago images / Picture Point LE / via www.imago-images.de
Cottbus. Der Plan von Trainer Wollitz zur Rettung von Energie Cottbus geht immer besser auf. Er basiert darauf, was diese Mannschaft am besten kann: Fußball spielen. So wie beim Sieg in Halle. Von Frank Noack

Besondere Siege müssen natürlich auch besonders gefeiert werden. Deshalb stürmte Kevin Rauhut gleich in seinen Torwart-Strümpfen los, als die gesamte Mannschaft von Energie Cottbus nach dem 3:2 (1:2)-Auswärtssieg beim Halleschen FC noch einmal aus der Kabine kam und von den mitgereisten Fans bejubelt wurde. Daniel Bohl hatte sich für den Gang in die Kurve zumindest noch schnell Badeschlappen angezogen.

Dabei ist der FCE bei seiner Aufholjagd in der 3. Fußball-Liga derzeit alles andere als auf leisen Sohlen unterwegs. Das umjubelte Siegtor von José-Junior Matuwila in der Nachspielzeit, dazu eine spielerisch sehr reife Leistung und sieben Punkte aus den zurückliegenden drei Partien: Der Aufsteiger hat seine Chancen auf den Klassenerhalt deutlich verbessert. Nur noch das um drei Treffer schlechtere Torverhältnis trennt die Mannschaft von Trainer Claus-Dieter Wollitz vom rettenden Ufer.

„Für den Moment sind wir sehr glücklich. Aber wir müssen das Spiel schnell abhaken und gegen Karlsruhe weitermachen“, sagt Wollitz vor dem Duell mit dem Tabellenzweiten am Sonntag um 13 Uhr im Stadion der Freundschaft. Und Mittelfeldspieler Jürgen Gjasula ergänzt: „Wir müssen noch viele Punkte holen.“

In Halle bot die Mannschaft die beste Leistung seit den personellen Nachbesserungen im Januar – dieser Auftritt war ein echtes Ausrufezeichen. Die vier Neuzugänge tun dem Team sichtlich gut. Robert Müller spielt zwar nicht sonderlich auffällig, ist aber der ruhende Pol in der Abwehr. Jürgen Gjasula glänzte auch diesmal wieder als Stratege und Taktgeber im Mittelfeld, während ihm der stetig rackernde Daniel Bohl den Rücken freihielt. Luke Hemmerich ist mit seiner Laufstärke ebenfalls ein belebender Faktor; egal, ob in der Startelf oder wie zuletzt als Einwechsler.

Energie Cottbus scheint nach der Flaute nach der Winterpause nun gerade rechtzeitig für den Endspurt um den Klassenerhalt in Form zu kommen. „Ich habe im Januar gesagt, dass nach meinen Erfahrungen die Mannschaft Ende Februar/Anfang März da sein wird, weil sie genügend Qualität und Charakter hat. Es bricht jetzt nicht mehr alles zusammen, wenn wir ein Gegentor kriegen“, betont Wollitz.

So wie in Halle, als die Gäste vor 8304 Zuschauern gleich zwei Mal einem Rückstand hinterherlaufen mussten und am Ende trotzdem als Sieger das Stadion verließen. Der Wollitz‘-Zeitplan geht bislang auf – es ist also ein Aufschwung mit Ansage.

Doch dieses Quartett der Neuzugänge allein hätte für den Aufschwung wohl nicht gereicht. Auch die anderen Spieler haben sich nach den vier Niederlagen in Serie deutlich gestrafft. Der neue Kapitän Dimitar Rangelov geht mit all seiner Routine voran. Und auch sein Sturmpartner Streli Mamba findet nun offenbar Gefallen am Tore schießen. Nach seinem erlösenden Tor beim 3:0 gegen Preußen Münster traf er auch in Halle.

Dazu kommt, dass Energie deutlich variabler geworden ist. Bestes Beispiel dafür ist die Neuorientierung von Marcelo de Freitas, der nicht mehr nur im Zentrum unterwegs ist, sondern inzwischen auch auf der rechten Außenbahn für Akzente sorgt.

Ebenfalls bemerkenswert: Energie hat sich mit spielerischen Mitteln an die Nichtabstiegsränge herangearbeitet hat. „Ich kann Spielern wie Marcelo, Viteritti, Gjasula, Schlüter und Rangelov ja nicht das Fußball spielen verbieten. Und das will ich auch nicht“, erklärt Trainer Wollitz. „Mit dieser Leistung brauchen wir uns vor niemandem verstecken, auch nicht vor Osnabrück oder Karlsruhe. Ich bin überzeugt davon, dass wir speziell gegen Mannschaften aus der oberen Hälfte sehr erfolgreich spielen können, weil dann wirklich Fußball gespielt wird. Dann gibt es Räume, dann ist fußballerische Qualität gefragt. Und diese Qualität haben wir.“