| 18:11 Uhr

Auf der Rasierklinge ausgerutscht

Für Fabio Viteritti und seinen FC Energie ist der Drittliga-Aufstieg nun in weite Ferne gerückt.
Für Fabio Viteritti und seinen FC Energie ist der Drittliga-Aufstieg nun in weite Ferne gerückt. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Das 1:3 (1:1) gegen den VfB Auerbach ist ein herber Rückschlag für Energie Cottbus. Jena hingegen siegt auch im Topspiel. Jan Lehmann

Ist das schon die Entscheidung in der Regionalliga Nordost? Der FC Energie hat mit der 1:3 (1:1)-Heimniederlage gegen den VfB Auerbach am Sonntag zumindest einen herben Rückschlag bei der Jagd auf Jena erlitten. Der schmerzt doppelt, weil der Spitzenreiter das Topspiel beim Tabellendritten Berliner AK mit 3:1 gewann und nun sieben Punkte Vorsprung hat - bei einem Spiel weniger wohlgemerkt.

"Diese Niederlage war der Höhepunkt einer verkorksten Woche", erklärte Energie-Präsident Michael Wahlich, der nach dem Spiel überraschend bei der Pressekonferenz aufgetreten war. Ihm war es ein Anliegen, den Verein zur Geschlossenheit aufzurufen: "Wir brauchen jeden Einzelnen, damit wir die Nummer, Energie zurück in den Profi-Fußball zu bringen, auch schaffen." Dass diese "Nummer" in dieser Saison äußerst unwahrscheinlich geworden ist, weiß Wahlich. Er sagt: "Wir können alle Mathematik."

Doch am Sonntag ging eben nur eine Rechnung auf - die von Auerbachs-Trainer Michael Hiemisch. Der hatte Energie bei der Niederlage gegen RB Leipzig II (0:2) beobachtet und sagte: "Uns war klar, dass sie versuchen werden, uns aus dem Stadion zu fegen." So sah es auch aus - zumindest in der ersten halben Stunde. Der FCE ging durch Marc Stein (10. Minute) nach einem Eckball in Führung und zeigte jene Handlungsschnelligkeit, die Trainer Claus-Dieter Wollitz zuletzt vermisst hatte. Wer weiß, was passiert wäre, wenn Startelf-Debütant Marcelo den Schusswinkel genauer berechnet und nicht die Latte (27.), sondern das Tor getroffen hätte?

Stattdessen erlebten 4545 Zuschauer ein unglaubliches Gegentor. Eine Flanke "aus dem Garnichts", wie Energie-Trainer Wollitz fassungslos bekundete, lenkte Lasse Schlüter unbedrängt ins eigene Tor. Dieser Treffer saß Energie in den Gliedern, die Cottbuser versuchten ihn krampfhaft abzuschütteln. Benjamin Förster hatte drei Großchancen (53./61./65.) - einmal lag der Ball sogar im Tor.

Dass dieser Treffer fälschlicherweise wegen Abseits aberkannt wurde, passte zu den zurückliegenden Tagen, in denen eine Berliner Firma den FCE mit physikalischen (angebliche Energie-Gewinnung aus Elementarteilchen) und finanziellen (angebliches Millionen-Sponsoring) Unwahrscheinlichkeiten ziemlich durchgerüttelt hatte. Doch damit nicht genug: Marcel Schlosser zirkelte einen Freistoß aus 25 Metern mit einer derart famosen Flugkurve ins Cottbuser Tor (80.), dass man meinen könnte, der Auerbacher habe mithilfe eben jener vermaledeiten Neutrinos aus dem Weltall ein paar physikalische Gesetze ausgehebelt. Dass Avdo Spahic sich den Ball nur ins eigene Netz boxen konnte, wollte Wollitz nicht zu hart kritisieren. "So einen Freistoß sieht man nicht alle Tage."

Weil Cottbus noch eine Großchance durch Kevin Weidlich und Fabio Viteritti (83.) vergab, war das 1:3 durch Danny Wild (89.) die Entscheidung. Trainer Wollitz konstatierte: "Unsere Spiele sind ein Ritt auf der Rasierklinge. Da kann man eben auch ausrutschen." Wer aber gedacht hätte, dass Wollitz nach zwei Niederlagen in Folge nun Glückwünsche nach Jena schicken würde, hatte sich natürlich verrechnet. Er kündigte an: "Wir bauen die Jungs auf und greifen morgen wieder an."