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Energie Cottbus gegen Hertha BSC II
Alter Erzrivale – neues Vorbild

Am 30. März 2008 gewann Energie Cottbus zum letzten Mal zu Hause gegen Hertha BSC. Damals traf Ervin Skela (M.) im Erstliga-Duell doppelt für den FCE. Am Freitag ist nun die Berliner Reserve im Stadion der Freundschaft zu Gast.
Am 30. März 2008 gewann Energie Cottbus zum letzten Mal zu Hause gegen Hertha BSC. Damals traf Ervin Skela (M.) im Erstliga-Duell doppelt für den FCE. Am Freitag ist nun die Berliner Reserve im Stadion der Freundschaft zu Gast. FOTO: Bernd Wende/bwe1
Cottbus. Wenn Energie Cottbus am Freitag auf Hertha BSC II trifft, dann werden Erinnerungen an frühere Duelle wach. Für die Zukunft kann sich der FCE etwas vom Gegner abschauen. Jan Lehmann

Bei Hertha BSC gerät Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz ins Schwärmen und sagt: "Der ganze Verein macht einen guten Job. Man erkennt ganz klar, dass sie Spieler nachhaltig entwickeln wollen. Dahinter steckt ein klarer Plan. Deshalb haben sie es in die Europa League geschafft."

Lobende Worte für einen Club, der in Cottbus immer noch als der große Erzrivale angesehen wird. Dabei sind die alten Duelle schon eine Weile her. Im März 2009 waren die Profis der alten Dame Hertha zum letzten Mal zu einem Punktspiel (1:3) in der Lausitz zu Gast. Den letzten Cottbuser Heimsieg gegen den ewigen Konkurrenten aus der Hauptstadt gab es im März 2008. Damals traf Ervin Skela per Freistoß und Strafstoß doppelt zum 2:1-Erfolg.

Seitdem hat Energie Cottbus im Herrenbereich zu Hause gegen keine Hertha-Mannschaft mehr gewonnen. Das soll sich an diesem Freitag ändern, wenn die Berliner Reserve ab 19 Uhr (LR-Liveticker) im Stadion der Freundschaft spielt. Wollitz warnt allerdings vor den Hertha-Youngstern: "Sie sind sehr schnell, haben ein sehr gutes Anlaufverhalten und ein fantastisches Passspiel." Und Spieler wie der ehemalige Bayern-Akteur Sinan Kurt hätten zudem schon reichlich Erfahrung, so der Trainer.

Seine Lobeshymnen auf Hertha kommen nicht von ungefähr. Die Beständigkeit, die der ehemalige Berliner Chaos-Club inzwischen an den Tag legt, könnte für den FCE ein Vorbild sein. Der anfangs arg kritisierte Michael Preetz ist bereits im neunten Jahr als Manager und später als Geschäftsführer für die Strategie des Vereins verantwortlich. Die von Preetz beförderte Nachhaltigkeit beeindruckt Wollitz: "Das merkt man auch im Nachwuchs. Da geht die Ausbildung manchmal über das Ergebnis."

Diesen Luxus kann man sich in Cottbus zwar nicht leisten. Bei Energie geht es darum, am Freitag mit dem neunten Sieg die Tabellenführung auszubauen und den Staffelsieg sowie den Wiederaufstieg anzupeilen. Dennoch arbeitet Wollitz aktuell auch daran, die Mannschaft nachhaltig zu stabilisieren. Deswegen gibt es aktuell Vertragsgespräche - der Kader soll längerfristig an den Verein gebunden werden. Wollitz sagt: "Die Zeit dafür ist reif. Aber dazu brauchen wir auch die Bereitschaft der Spieler."

Man benötigt nicht viel Fantasie, um zu erahnen, dass Akteure wie Maximilian Zimmer, Fabio Viteritti, Marcelo oder Streli Mamba längst das Interesse anderer Clubs auf sich gezogen haben. Energie muss schnell handeln. Große finanzielle Sprünge sind allerdings offenbar weiter nicht möglich. Wollitz verdeutlicht: "Wir werden uns auch in diesem Winter kein Trainingslager leisten können. Das sagt eigentlich alles. Wir wollen deshalb unseren Gehaltsweg nicht verlassen - und brauchen weiter neue Sponsoren."

Für Energie wird es nun umso mehr darauf ankommen, den Spielern mit anderen Mitteln die wegen der Relegationsregel äußerst ungewisse Zukunft in Cottbus schmackhaft zu machen. Wollitz setzt auf Herzblut. Er betonte: "Diese Mannschaft kann hier in Cottbus eine neue Ära beginnen - und in meinen Augen hat sie das sogar schon getan."