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Alles zurück auf Anfang (mit Video)

Felix Geisler ist seit 2010 bei Energie Cottbus. Sein Wechsel im Vorjahr nach Zwickau brachte nicht den erhofften Erfolg. Nun ist er zurück.
Felix Geisler ist seit 2010 bei Energie Cottbus. Sein Wechsel im Vorjahr nach Zwickau brachte nicht den erhofften Erfolg. Nun ist er zurück. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Für Rückkehrer Felix Geisler beginnt der Neustart bei Energie Cottbus gleich mit einem weiteren Schritt zurück. Am Mittwoch tritt der FCE bei seinem Heimatclub Vetschau an. Jan Lehmann

Manchmal muss man einen Schritt zurückmachen, um dann zwei Schritte vorwärtszukommen - in besonderen Fällen sind womöglich sogar Schritte rückwärts nötig. Wie bei Felix Geisler (20). Der Blondschopf ist nach einem erfolglosen Jahr bei Drittligist FSV Zwickau nun wieder zum FC Energie Cottbus zurückgekehrt. Nach seinen ersten Trainingseinheiten im rot-weißen Shirt sagt er: "Ich bin froh, wieder da zu sein und das alles hinter mir lassen zu können. Ich versuche jetzt, in Cottbus auf meine Spiele zu kommen. Das ist mir besonders wichtig."

Rückschritt für den Fortschritt, das ist der Plan. Und genau genommen geht Geisler ja sogar zwei Schritte zurück, um beim FC Energie Cottbus wieder durchzustarten. Das erste Testspiel in der Cottbuser Saisonvorbereitung findet am Mittwoch (18 Uhr) schließlich ausgerechnet bei Blau-Weiß Vetschau statt. Also beim Heimatclub des kleinen Dribblers, der erst als 13-Jähriger aus dem Spreewald auf die Lausitzer Sportschule und zum FC Energie gewechselt ist.

Also alles auf Anfang. Geisler fiebert der Heimkehr an den Ort seiner ersten fußballerischen Gehversuche entgegen: "Das ist natürlich ein besonderes Spiel für mich. Ich freue mich auf die Atmosphäre, weil ich dort ja sicher viele ehemalige Weggefährten treffen werde. Am meisten freue ich mich natürlich auf meine Familie." Und dennoch ist nicht viel Zeit für Sentimentalitäten. Der Vetschauer betont: "Ich sehe das Spiel vor allem als Vorbereitung und werde versuchen, alle Körner rauszuhauen. Aber das Training ist mega-anstrengend, da ist schon einiges in den Beinen."

Geisler schnauft durch. Ihm ist anzumerken, dass er in der vergangenen Saison in Zwickau nicht viel Einsatzzeiten bekommen hat. Insgesamt magere vier Pflichtspiel-Einsätze über insgesamt 98 Minuten stehen in seiner Bilanz.

Ganz klar: Der Wechsel nach Zwickau und die damit verbundenen Hoffnungen sind für Geisler überhaupt nicht aufgegangen. Er sagt offen: "Manchmal weiß man eben erst, was man hatte, wenn man es nicht mehr hat. Zum Beispiel die Heimat - und einen Trainer, der auf einen setzt."

Beides hat er in der Lausitz. Ganz im Gegensatz zu Coach Torsten Ziegner in Zwickau hält Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz nämlich viel vom 20-Jährigen, den er bereits in der Schlussphase der Drittliga-Saison 2015/16 ins kalte Wasser geworfen hatte. "Er hat damals unfassbar gut gegen den Ball gearbeitet, hat Nadelstiche gesetzt, war unangenehm für den Gegenspieler, hat etwas Überraschendes gemacht", beschreibt Wollitz.

Dass Geisler den Verein danach quasi durch die Hintertür verlassen hatte, ist inzwischen abgehakt. Wollitz betont, dass der Rückkehrer vorurteilsfrei einen Neuanfang wagen könne. Er sagt jedoch auch: "Es ist völlig entspannt, aber Felix wird sich Zeit nehmen müssen. Dass jetzt nicht mehr alles so selbstverständlich wie vor einem Jahr ist, das weiß er. Trotzdem setze ich auf seine Unbekümmertheit."

Die hat sich der Mittelfeldspieler offenbar bewahrt. Die teils ehrabschneidenden Kommentare im Internet über seinen Zwickau-Wechsel habe er nicht gelesen. Geisler winkt ab: "Ich bin so gut wie nie bei Facebook." Er ist weiterhin einer, dem der Schalk aus den Augen blitzt und der das Leben positiv nimmt. Der Vetschauer sagt: "Es war auch nicht alles schlecht im vergangenen Jahr. Ich habe in Zwickau einiges gelernt. Menschlich und körperlich habe ich mich weiterentwickelt, die Männerhärte habe ich auch mitbekommen."

Diese Härte wird er nun benötigen, denn der Konkurrenzkampf im Cottbuser Mittelfeld ist vermutlich kaum weniger intensiv als der in Zwickau. Mit Fabio Viteritti, Björn Ziegenbein, Marcelo de Freitas oder Neuzugang Maximilian Zimmer verfügt Trainer Wollitz über einige Kreativspieler, an denen Geisler erst einmal vorbei muss. Dafür muss sich der Rückkehrer nun in den Testspielen bewähren. Vetschau kann da tatsächlich nur der Anfang sein.